Donnerstag, 9. Juli 2015

"Revierkampf" von Frank Goldammer

Hallo!

Nachdem ich Frank Goldammer auf der Literaturmesse begegnet war, wollte ich ein Buch von ihm lesen. Eineinhalb Jahre und ein Geschenkebienchen später war es soweit - Kommisar Taubert kam auf seinem Pferd angeritten bzw. mit seinem Dienstwagen angerast und beglückte mich mit seiner Anwesenheit.






Allgemeines


Das Buch ist im Gmeiner-Verlag erschienen und hat 343 Seiten. Man kann es auf der Verlagsseite und in allen gängigen Online-Shops sowie Buchhandlungen erwerben. Auf Papier kostet das Buch 10 EUR, als digitale Version 9 EUR.

Der Autor


Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren und ist Maler und Lackierer. Er hat zahlreiche Krimis und einige Fantasybücher veröffentlicht. Zuletzt erschien in Zusammenarbeit mit Ute Nitzsche Stadtgespräche aus Dresden, ein Buch über bekannte und unbekannte Einwohner Dresdens.

Inhalt


FalkTauner hat viele Probleme: Die Beziehung zu seinen Kindern ist gestört, ein mysteriöser Sprayer führt ihn ständig vor, seine Kollegen sind in bisschen nervig - und dann findet man im Dresdner Zoo eine Frau, die vermeintlich von einem Affen umgebracht wurde. Frank Tauner taucht ab in tierische Intelligenz, findet aber am Ende heraus, dass es menschliche Emotionen waren, die zu dem Verbrechen führten.

Charaktere


Falk Tauner ist genau so, wie ich mir eine Kommissar in einem Krimi vorstelle: Er ist grantig, kommt mit Kollegen nur bedingt klar, kann aber nicht auf sie verzichten. Er ist ein Alphatier, das um Anerkennung kämpft, aber beruflich selten an sich zweifelt. Als Vater plagen ihn Schuldgefühle, was die schwierige Beziehung zu seinen Kinder noch komplizierter macht, weil er sich nicht traut, etwas mit ihnen zu unternehmen. Das finde ich schade.

Gut fand ich das wiederkehrende Motiv des Sprayers. Obwohl der Täter nur ein kleiner Fisch ist, kann Falk nicht lassen, ihn festnehmen zu wollen. Immer wieder lässt er sich von ihm vorführen, ohne ihn schnappen zu können. Im Gegensatz zum Gorilla-Fall ist das Falks persönliche Sache. Das hat ihn menschlich gemacht.

Das Figurenkollektiv war ausgeglichen: Es gibt den grummelnden Kommissar, sein naiv-fröhliches Gegenstück, eine anziehende, leicht dominante Staatsanwältin, die Herz beweist... Es war alles da. Aber eine richtige Bindung zu den Figuren hatte ich nicht. Ich hab leider noch nicht herausgefunden, warum :-) .

Themen


Vatersein: Falk Tauner offenbart schon zu Beginn, dass sein Verhältnis zu seinen Kindern angespannt ist. Er möchte Kontakt zu ihnen, hat aber Angst, dass sie kein Interesse an ihm haben oder ihn verachten. Dadurch wird er extrem schüchtern, was den Kontakt wiederum erschwert. Obwohl ihn seine Kinder mögen. Ich finde es wichtig, dass dieses Problem angesprochen wird und es verleiht Falk viel Menschliches.

Tiere: Der Roman beschäftigt sich mit der richtigen Tierhaltung und natürlich der Frage, ob Tiere zu einem Mord fähig sind. Falk Tauner philosophiert sogar ein paar Seiten darüber. Ich fand die Idee schön und habe einiges gelernt, allerdings war es mir stellenweise tiefsinnig.

Historie:
Die Hintergründe der Tat führen den Leser in die Tiefen ostdeutscher Kriminalgeschichte. Ich habe diese Zeit nicht bewusst erlebt und musste mich erst hineindenken. Die Generation vor mir wird sich an einige Dinge erinnert fühlen. Ich denke, für viele Leser offenbaren sich interessante Ansätze, die man verfolgen kann!



Dresden: Da ich die Stadt gut kenne, war es ein großer Vorteil, dass die Geschichte an Orten spielt, die kenne. Ich konnte mir alles vorstellen. Aber für mich war das nicht notwendig. Ein Krimi ist auch nicht dazu da, durch eine Stadt zu führen. Es ist ein nettes Plus.

Spannung und Struktur


Der Roman hat eine einfache Struktur: Die Haupthandlung um den Mord wird aufgebaut, parallel wird eine Nebenhandlung erschaffen und irgendwann trifft alles zusammen. Für Leser, die in gewohnten Gefilden schwimmen, ist das gut. Ich hatte etwas mehr Einzigartigkeit erwartet.

Die Spannung stieg für mich nur langsam, weil der Mord ein bisschen zu unerklärlich war. Als sich die Hintergründe der Tat offenbaren, wurde es für mich spannender. Ich war ziemlich betroffen, weil die Aufklärung so traurig war. Aber mit Pfiff :-) Leider war die Aufklärung etwas kompliziert und ich hatte Probleme zu folgen.

Schreibstil


Frank Goldammer schreibt gemütlich - gemütlich zu lesen für mich. Das Buch enthält alle Infos und wird selten weitschweifig. Der Stil passt einfach :-)


Fazit


Falk Tauner trägt den Roman. Zu beobachten, wie er mit sich und seinen Kollegen kämpft, Gefühle zeigt und in den entscheidenden Momenten knallhart ist, macht Spaß! Ich bin gespannt, wie sich die Figur entwickelt! Dresden-Freunde werden sich freuen, dass der Roman einige Schauplätze enthält.

Kommentare:

  1. Hallo Evy,

    von Frank Goldammer hab ich auch schon einmal ein Interview führen dürfen und er war mir sehr sympathisch. Das Buch klingt auch sehr interessant und den Rezi macht Lust auf mehr :)

    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Oh, super! Das muss ich mir mal ansehen!

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