Sonntag, 30. August 2015

Montagsfrage: Inhaltsangabe contra Buch

Hallo!

Es ist Sonntag - aber die dies-wöchige Montagsfrage wollte ich noch beantworten :-) Für dieses Projekt wollte ich Der Preis der Treue erneut verarbeiten und diesmal Strukturpaste verwenden. Mein Plan war, sie einzufärben, in eine Form zu füllen und kleinzuschneiden. Leider war die Schicht zu dick und brauchte 2 Tage zum Durchtrocknen. Danach gönnte ich dem Werk ein Bad in Pinselreiniger, damit es sich gut aus der Form löste. Was ich nicht wusste: Das Plastik der Form collaborierte mit dem Feind und war dem Pinselreiniger ähnlich zugetan wie das Kunstwerk. Mit Biegen, Brechen und nicht ganz verlustfrei schob und zog ich das Ding aus der Form, ließ es trocknen und schnitt es klein. Das schwarz-gefärbte Malgel, das ich als Kleber nutzte, musste auch in aller Ausführlichkeit trocknen und so dauerte... und dauerte alles. Aber jetzt habe ich fertig :P

 

Die Frage


Die vollständige Formulierung von Buchfresserchen lautet:

Gab es in letzter Zeit ein Buch, dessen Handlung nicht hielt, was die Inhaltsangabe versprochen hat?

 

 Die Antwort


Unter der Voraussetzung, dass mit "Inhaltsangabe" der Klappentext gemeint ist, fiel mir nur Der Preis der Treue ein. Klappentexte verdichten oft und ich glaube, es kommt selten vor, dass der Klappentext den Inhalt exakt beschreibt. Für die Montagsfrage wollte ich es genauer wissen ....

Den vollständigen Klappentext findet ihr auf der Verlagsseite.

Die Analyse



Seit einem Jahr lebt ein vierundfünfzigjähriger verheirateter Pariser Anwalt im emotionalen Ausnahmezustand: 
-> Sirenen heulen. Ich stelle mir die Hauptfigur in einem sterilen Raum, wie in einem Panikraum, vor. Er kauert sich in eine Ecke und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, während man im Flur seine Frau im schicken Kostüm und seine Geliebte im kurzen schicken Kostüm auf die Tür zurrennen sieht. Die eine mit Riesen-Handtasche, die andere mit Glitzerclutch. Sie schreien und fauchen und er ist den Damen hilflos ausgeliefert.

Er hat sich in die deutlich jüngere Alix verliebt.
-> Zu den Frauen gesellen sich ein paar Waffen nach Wahl.

Was mit spielerischer Leichtigkeit begann 
-> verliebt durch die Stadt schlendernd, Pastellfarben, viel Lächeln

- wiederentdeckte flirrende Erotik,
-> eine junge Frau, die dem "alten" Mann zeigt, was man zwischen den Laken, der Waschmaschine und dem Küchentisch machen kann und die ihm damit zu unübertroffener Glückseligkeit verhilft

der Reiz des Doppellebens
-> Terminplaner, um Philias-Foog-mäßig jederzeit pünktlich am richtigen Ort zu sein, Kontraste zwischen den Frauen und mittendrin die coole Hauptfigur, die gelassen alles koordiniert

der Flirt mit einem Neubeginn
-> Knistern! Knall! Bumm!

 wird mit der Zeit zu einer wachsenden Belastung.
-> Klavier meets Kopf

Sein Dilemma:
-> Moral, Philosophie, Konflikt, aber auch Leichtigkeit, weil das Wort flüssig und niedlich klingt. Selbst Nelly wusste das :P

Er ist nicht nur verrückt nach Alix,
-> Sehnsucht, Mann an Alix, auf Alix, bei Alix
mit der er sich endlich wieder rundum lebendig fühlt
-> Riesenrad, springender Mann, verrückte Dinge, immer noch Pastellfarben
er liebt auch seine Frau.
-> gedeckte Farben, Stärken, Struktur, tiefe Liebe, im Gegensatz zum Alix-Teil klein und intensiv


Eines Morgens zieht er sich in sein Arbeitszimmer zurück, in der festen Absicht, endlich eine Entscheidung zu treffen.
-> Zimmer mit Holzmöbeln, ein Blatt Papier und ein Füller, ein grübelnder Mann

Zusammenfassung


Der Klappentext baut Spannung auf, indem er zu Beginn den Konflikt zuspitzt. Die Hauptfigur befindet sich in einer Sackgasse. Danach wird der Kontrast aus Ehefrau und Geliebter erläutert. Dabei werden die positiven Gefühle, die der Protagonist mit Alix in Verbindung bringt, sehr ausführlich und blumig dargestellt, während die eher negativen Aspekte der Ehe wenig, aber prägnant vorhanden sind. Der Wunsch, die Verheißung, ist groß, aber der Alltag mit seinen Vorzügen schleicht sich von hinten an. Zum Schluss wird die Handlung kurz angerissen - die Hauptfigur sitzt im Zimmer und denkt. Auf mich wirkte das wie ein Schlusspunkt, die Zeit danach, in der der Protagonist alles ordnet und abwägt. Und es klingt nach Moral. Die Realität im Buch sieht anders aus.

Buch vs. Klappentext


Der Klappentext spiegelt das Verhältnis aus Affäre und Ehefrau gut wider - auch im Buch nimmt Alix viel Raum ein, während die Frau nur an wenigen Stellen vorkommt. Dafür hat sie mehr Gewicht - das deutet der Klappentext an und es ist so.

Die große Enttäuschung ist, dass von den schönen Schilderungen der Affäre wenig im Buch vorkommt. Das Leben mit Alix ist nicht bunt, es ist kaum vorhanden. Und wirklich belastend wird die Affäre nicht von selbst, denn die Figur hat eine gute Kontrolle darüber, wieviel Zeit er mit welcher Frau er verbringen will. Die Belastung entsteht im Kopf der Hauptfigur, weil sie ständig in die vermeintlichen Köpfe der Frauen guckt und spekuliert.

Das Arbeitszimmer ist die kleinere Enttäuschung: Statt den Konflikt zu erörtern, denkt die Hauptfigur. Und denkt. Und denkt. Die Affäre als unbezwingbares Monster wird zum Lebensinhalt, alles andere ist nebensächlich. Ein Strudel aus Gedanken.

Fazit


Der Klappentext wirkt, als hätten der Autor sich gewünscht, dass im Buch große Gefühle vorkommen und versuchte das niederzuschreiben. Leider wurde er dabei genauso enttäuscht wie der Leser.

Übrigens: Lala Universe hat die Frage ebenfalls mit Der Preis der Treue beantwortet. Zufälle :-)

Kommentare:

  1. Huhu :)

    Naja, Der Preis der Treue fällt jetzt ja nicht so unbedingt in mein Beuteschema, aber jetzt werde ich es erst recht nicht lesen. Immer schade, wenn der Klappentext mehr verspricht, als er halten kann.

    Liebe Grüße
    Anni-chan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Soweit wollte ich nicht gehen :-) Es kommt darauf an, in welcher Stimmung man ist. Zum "damaligen" Zeitpunkt habe ich mich mit dem Buch sehr wohlgefühlt, ich konnte mich reinkuscheln. Aber wenn man es mit dem Verstand betrachtet, dann war es wirklich nicht so toll.

      Löschen
  2. Hi, deine Herangehensweise an diese Frage finde ich wirklich toll. Die Analyse hat mich amüsiert. ;)

    LG Cindy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich, dass das so gut ankam :-)

      Löschen
  3. Hallo Evy!
    Dein besprochenes Buch ist nicht meine Welt, aber auch nach deiner Besprechung ist es mir noch weniger zugetan.

    Zu deinem Kommentar bei mir:
    Ich meine damit nicht, dass dünne Bücher schlecht sind. Aber hier war es wirklich so, dass man die Bücher extra dünn gestaltet hat (ist ja eine Reihe), nur um bestmöglichen Profit zu erlangen. Das fand ich irgendwie schade.
    The Great Gatsby war irgendwie nie so mein Ding. Der Fall des Benjamin Button hab ich nicht gelesen, nur den Film gesehen.

    Liebe Grüße,
    Linda

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hab das auch nich "schlecht" aufgefasst :-) 128 Seiten ist nicht so viel. Aber für die Zielgruppe ist das vermutlich gut :-)

      Beim "Preis der Treue" kommt es drauf an, in welcher Stimmung man ist. Das trifft vermutlich auf viele Bücher zu.

      Löschen
  4. Eine interessante Bloggeraktion, welche ich noch gar nicht kannte. Das besprochene Buch ist sicherlich auch nicht so ganz meins - bin eher bei anderen Genre unterwegs.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, was liest du denn? Ich war anfangs skeptisch, aber mittlerweile sehe ich die Montagsfrage als lockere Möglichkeit, sich kennenzulernen. Es ist wie ein digitaler Stammtisch, zu dem man jeden Montag hingehen kann, aber nicht muss. Und man hat immer eine Aufgabe, also ein Thema, über das man reden kann :-)

      Löschen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)