Dienstag, 29. September 2015

"Agentin 006y" von Kay Noa

Hallo!

Eine der wenige Autorenblogs, die ich abboniert habe, wird von Kay Noa geführt. Als sie ihre neues Buch ankündigte, war ich zunächst skeptisch - Agentengeschichten gibt es viele. Was mich berührt hat, war die Geschichte dahinter: "Agentin 006y" entstand aus einer Idee, die nicht aus ihrem Kopf weichen wollte. Und ich kenne das Gefühl, eine Idee zu haben und manchmal zu zweifeln, ob daraus eine schöne Geschichte wird. In diesem Falle kann ich sagen: Ja, wird es. Und für damals 99 ct als Promo-Preis wäre der Verlust nicht so groß gewesen.



Allgemeines


Das E-Book hat ca. 300 Seiten und kostet regulär 4 EUR. Es ist nur auf Amazon erhältlich.

Cover und Titel


Das Titelbild wurde von Jacqueline Spieweg gestaltet und zeigt eine Frau zwischen zwei Männern. Der zweifelnde Blick der Figur stellt den Konflikt in den Vordergrund und ist relativ ruhig. Das Titelbild wirkt ziemlich professionel, allerdings finde ich die Schattierung der Figur etwas zu krass - sie wirkt künstlich-computeranimiert. Auch das Rosa im Hintergrund finde ich etwas kitschig. Trotzdem ein Cover, das man gern anguckt.

Das Wortspiel im Titel finde ich witzig, die Schreibeweise aber schwer zu merken. Ich erwartete nicht, dass hinter dem 006 noch ein Y steht und hielt das für einen Schreibfehler. "Sexy" wirkt niedlich und bringt einen weichen, weiblichen Aspekt in den Titel. Aber eine andere Lösung wäre für mich besser lesbar gewesen.

Inhalt

 

Lisa hat ein Problem: Nachdem Freund Robin sie verlassen hatte, fiel sie in ein großes Loch ohne Job und ohne Zuversicht. Auch das Tanzen vernachlässigte sie. Das ändert sich, als sie als Pressereferentin bei Novamove anfängt und gleichzeitig Robin fragt, ob sie dort spionieren könne. Das Blatt scheint sich zu wenden. Doch ist Lisa clever genug, die Machenschaften Tom Harkers aufzudecken? Und wem kann sie überhaupt trauen?

Die Charaktere

 

Lisa Zimmer ist die Hauptfigur und leitet als Ich-Erzählerin durch das Buch. Sie ist etwas naiv, ein bisschen romantisch, nicht so selbstbewusst und sie liebt den Tanz. Obwohl sie im Buch als PR-Referentin arbeitet, wirkt sie im Tanzen kompetenter. Lisa ist erstaunlich schlagfertig und wortgewandt, scheint mir aber manchmal zu überdreht.

Tom Harker scheint auf den ersten Blick der große, erfolgreiche Firmenchef zu sein. Tatsächlich wird er oft missverstanden. Er führt sein Unternehmen mit Charisma, lässt sich von Lisa aber gern in anderen Welten entführen. Er setzt sich für die Menschen ein, die ihm wichtig sind.

Robin ist ähnlich überraschend wie Tom. Anfangs dachte ich, dass er von der quirligen Lisa erdrückt wird. Tut er nicht. Ganz im Gegenteil: Robin ist von sich überzeugt und denkt, dass er Lisa mit Körperlichkeiten bestechen kann. Er wirkte auf mich frustriert und verbissen.


Das Figuren-Dreieck ist gut gestaltet. Es gibt zwei Männer, bei denen man nicht weiß, ob sie Freund oder Feind sind, und eine naive Heldin. Jede Figur hat kühle und wärme Facetten, aber die Übergänge sind nicht so glatt - sowohl bei Lisa als auch  bei Tom fiel es mir schwer, das Abgeklärte und den Tanz in eine Figur zu bringen. Andererseits ist das bei einem Agenten-Komödien-Thriller nicht so einfach :-)

Themen


Tanzen: Ein Thema, welches mich überraschte, weil ich es nicht in einem Agententhriller erwartet hatte. Lisa ist Hobbytänzerin und es bedeutet ihr viel. Beim Tanzen spürt sie sich, kann Emotionen rauslassen und es bereitet ihr Freude. Nach der Trennung von Robin ist das Tanzen auch ein Zeichen dafür, dass sie wieder bei sich angekommen ist. Die Tanzszenen sind intensiv beschrieben und jeder, der selbst tanzt, wird sie nachfühlen können. Auf mich wirkten sie aber nicht so gut integriert. Der Kontrast zwischen den kopfbetonten Momenten außerhalb des Tanzes und der Lockerheit, wenn sie tanzt, war für mich nicht stimmig. Ich glaube, dass selbst die Tanzszenen von Lisas Denken beherrscht sind, allein schon, weil sie die Erzählerin ist.

Manipulation: Wie in vielen Kriminalgeschichten geht es auch in dieser um die Frage, wer Katze und wer Maus ist. Besonders Lisas Versuche, Tom zu beeinflussen, sind eher plump, aber erfolgreich. Anderer Manipulationen sind umfassender. Auch beim Medusa-Projekt, das alle Figuren haben wollen, geht es um Gedanken und Manipulation.

[SPOILER]
Für mich als Technik-Interessierte war das Thema nicht genügend ausgearbeitet. Ich habe bis zum Ende nicht verstanden, wie das Projekt tatsächlich funktioniert. Mich erinnerte das an ein MacGuffin.
[SPOILER Ende]

Medusa: Nach der Tochter einer Meeresgottheit ist nicht nur das Projekt benannt, die Sage wird auch, ergänzt um ein paar erotische Aspekte, ausführlich celebriert. Kurz gesagt: Poseidon schwängert Medusa, was Athene nicht gefällt. Athene verwandelt Medusa in ein Monster, das jeden Mann bei seinem Anblick zu Stein erstarren lässt. Auch nach ihrem Tod. Medusa wird damit quasie zur Exodia oder zu Mewtu. Im letzten Drittel erzählt die Autorin die Sage nach, begießt die Figuren aber (sinnbildlich) mit soviel Massage-Öl, dass man als Leser ausrutscht und den Überblick verliert. Möglicherweise war das Humor, ich fand es nervig.


Erotik: Körperliches wird im Buch oft eingesetzt. Lisa und Robin versuchen sich damit zu bestechen und auch beim Showdown spielt Nacktheit eine Rolle. Gut finde ich, dass die Autorin nie zu weit geht. Auch wenn die Szenen ausführlich geschildert wurden, erreichten sie mich nicht.



Spannung


Das Buch braucht ein paar Seiten, um Fahrt aufzunehmen, aber dann steigt und fällt die Spannung stetig, um am Ende im finalen Kampf zu münden. Das Nachspiel war mir ein bisschen zu lang, aber inhaltlich stimmig. Leider sind manche Dinge nicht so klar ausgedrückt z.B. Tom Harkes Beziehung zur mysteriösen Elena. Einges bleibt eher mittelgrau.

Schreibstil


Der Humor ist die große Stärke des Buches. Von der ersten bis zur letzten Seite begleiten wir eine schlagfertige Figur, die ihre Unbeholfenheit manchmal selbst belacht. Konstant gibt es Anspielungen, Wortspiele usw. Das gefiel mir gut. Manchmal war mir die Hauptfigur aber ein bisschen zu knallig.

Formales


Die Kapitel sind zwischen 5 und 14 Seiten lang, durchschnittlich hat jedes Kapitel 8 Seiten. Da die Handlung linear und ohne Perspektivenwechsel voranschreitet, sind die Portionen gut lesbar.

Ein paar Tippfehler waren drin, aber naja...

Fazit


"Agentur 006y" ist eine überraschend gute Agenten-Komödie mit einer starken Hauptfigur geworden. Ich würde mich freuen, wenn im Folgeband der Inhalt noch stärker hervorgehoben wird.

Kommentare:

  1. Hallo Evy! Eine sehr ausführliche Rezi, die den einzelnen Punkten sehr viel Raum gibt.

    Ich habe den Titel damals geliehen, da muss man so und so nichts bereuen, egal, wie das Urteil ausfällt :)

    Lg, Karin

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