Dienstag, 3. November 2015

"Grundlagen des Marketing" von Barbara Schilling

Titel
Hallo!

Ich bin froh, diese Rezension erst jetzt zu schreiben. Denn vor kurzem ist mir ein Buch begegnet, das den "Grundlagen.." optisch ähnlich ist. Ich konnte gut vergleichen, was funktioniert hat und warum (nicht).

Dieses Buch habe ich auf der Leipziger Buchmesse gefunden. Es fiel mir auf, weil es mit seinem rosa Cover aus der Masse herausstach. Deswegen habe ich gefragt, ob ich es rezensieren kann :-)

 

 

Allgemeines


Das Buch erschien 2014 bei BoD und hat 144 Seiten. Man kann es als Papierversion für 16 EUR und als E-Book für 12 EUR in allen gängigen Online-Shops erwerben.

Die Autorin


Barbara Schilling wurde 1978 geboren und hat nach ihrer Ausbildung als Werbekauffrau Neue Deutsche Literatur und Kulturwissenschaften studiert. Derzeit arbeitet sie als Texterin.

Barbara Schilling hat zahlreiche Geschichten für Anthologien verfasst und mehrere Kurzgeschichten-Bände veröffentlicht. Außerdem schrieb sie eine Pärchensatire.

Eine Biografie inkl. Werke findet ihr auf der Autorenseite.


Das Cover


Cover


Das Titelbild ist einfach, aber effektiv. Zwei Drittel des Covers sind mit einem rosa Banner versehen, auf dem farblich passend Titel und Autorin stehen. Im unteren Drittel sieht man Männer in Anzügen, in denen ein Mann mit rosa Unterhose auffällt. Der einfache Gag vermittelt die einfache Botschaft - es braucht nicht viel, um einzigartig zu sein. Vielleicht nur Ehrlichkeit. Oder: Auffallen kann simple sein, indem man gegen den Strom schwimmt.

Leider ist das Bild ein bisschen unscharf.

Inhalt


Das Buch vermittelt Grundkenntnisse in vielen wichtigen Bereich des Marketing. Beginnend mit der Historie und Werbezielen arbeitet sich die Autorin zum klassischen und zum Online-Marketing durch. Später geht sie auf Werbemittel ein und zeigt, wie man den Erfolg messen kann. Mit Kontrollfragen am Ende kann man sehen, was man im Buch gelernt hat.

Für mich waren im Buch viele Fakten, die ich schon kannte z.B. das A.I.D.A.-Prinzip oder der Marketing-Mix. Neu war die menschliche Seite. Das Buch spricht (oft indirekt) die Frage an "Wie fühlt sich der Käufer?" Durch den Perspektivwechsel sah ich einiges klarer.

Gestaltung


Allgemeines


Als ich das Buch aufschlug, fielen mir zwei Begriffe ein: geradlinig und nutzerfreundlich.

Schon das Inhaltsverzeichnis ist durch die Kombination aus Großschreibung und normalen Buchstaben gut lesbar.

Später nutzt die Autorin Kursiv- und Fettdruck, aber sehr sparsam. Man wird nie optisch überlastet, sondern es wird nur das hervorgehoben, was wichtig ist.

GestaltungAuffällig sind die halbseitigen Fotos, die manche Kapitelbereiche illustrieren. Ca. 20 gibt es davon und das ist viel. Ich finde, die Bilder sind geschickt gewählt und lockern gut auf.

Problematisch ist, dass das Buch (bis das Cover) schwarz-weiß ist. Das wird durch die Bilder stellenweise kompensiert und diese Idee finde ich klasse. Aber die Kapitelüberschriften wirken wie bei einer schlechten Kopie - real wären sie dreidimensional, hier passt es nicht. Die Merk-Kästchen am Rand sind sehr schwer zu lesen, weil klein (ca. Arial 8) und hellgrau - sie wirken, als hätte man sie mit Rasterfolie gedruckt.

Die Schrift im Buch ist serifenlos und der Blocksatz ist erkennbar. Dadurch ist das Buch gut lesbar, aber durch die fehlende Grafiken stand ich manchmal in einer Wüste aus Buchstaben und fühlte mich erschlagen. Es ist schick anzusehen, aber leider nicht sehr nutzerfreundlich.

Merkkästchen


Fußnoten bin ich gewohnt, aber Merkkästchen bzw. Randnotizen? Am Anfang habe ich mich gefreut, weil kleine Info-Häppchen am Rand interessant sein würden.

Leider waren die Informationen nicht zusätzlich, sondern essentiell. Beispielsweise erklärt die Autorin auf S. 124f. das A.I.D.A.-Prinzip, indem sie auf die Historie und die Funktion eingeht. Aufgelöst wurd das Akronym aber im Merkkästchen am Rand - und dieses zieht sich bis zum nächsten Abschnitt mit der KISS-Formel.

Manchmal werden sie als Zwischenüberschriften genutzt (aber nicht im ganzen Buch) und manchmal heben sie tatsächlich eine wichtige Botschaft hervor.

Stellenweise hatte ich das Gefühl, dass nicht klar ist, wofür die Kästchen genutzt werden sollen. Ihnen fehlte die Struktur. Außerdem kann man auf ca. 3 cm Breite keine langen Botschaften notieren, weil die Lesbarkeit darunter leidet.

Ich denke, für die Zwischenüberschriften sind die Randbemerkungen sehr gut, weil sie optisch auflockern (wenn sie nur grau und nicht gerastert gedruckt sind). Merk-Kästchen wären im Text oder am Ende eines Abschnittes besser gewesen. Das hätte auch fehlende Grafiken kompensiert. Auch Fußnoten wären eine gute Möglichkeit.

Rechtschreibung


Rechtschreibung

Das Buch hat ein paar Tippfehler, aber meistens behindern sie den Lesefluss nicht. Auch Bindestriche, die kürzer sind als sie sollten, toleriere ich. Wenn man "Cannes" mit "Caen" verwechselt, wird es für den unwissenden Leser schwierig. Es gibt tatsächlich eine Stadt namens "Caen" im nordfranzösischen Departement Calvados. Das Werbe-Festival, auf das sich das Buch bezieht, findet in Cannes statt.

Schreibstil


Der Ton im Buch ist freundlich, kann sich aber nicht zwischen kuschlig-lebensnah und wissenschaftlich entscheiden. Es gibt Passagen, die sehr komplex geschrieben sind oder mit vielen Worten wenig aussagen. Und es gibt Passagen, die überraschen, weil die Autorin auf den Leser eingeht und man spürt, dass die Infos wichtig sind.

Außerdem wünsche ich mir mehr Beispiele. Das Buch war manchmal sehr theoretisch und mit der Praxis hätte ich mich besser identifizieren können.

Fazit


Das Buch ist optisch außergewöhnlich und hat einige gestalterische Ideen. Inhaltlich greift die Autorin auf vieles zurück, bleibt aber oft theoretisch. Mir fehlte ein roter Faden, ein eigenes Profil.

Kommentare:

  1. Für mich wären solche typographischen und orthographischen Mängel schon gravierend. Sicherlich geht es bei solchen Büchern vorangig um den Inhalt (und der scheint ja auch nicht gerade optimal aufbereitet), aber dann denke ich, daß man der besseren Lesbarkeit halber eben auch auf das Äußerliche achten sollte.

    Viele liebe Grüße

    Shaakai

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    1. Ich freue mich über jeden Autor, der mit Leidenschaft ein Buch schreibt - und das ist dieses :-) Der Cannes-Fehler ist unglücklich, ansonsten halten sich die Fehler in Grenzen. Im Vergleich zu Büchern, bei denen die Autoren nichtmal das Wort "Betaleser" kennen, ist es gut :-) Was den Drucksatz (?) betrifft, war ich anfangs auch verärgert. Aber ich glaube, dass man das als Autor auch unterschätzt. Ich hab auch schonmal ein Dokument in grauer Schrift ausgedruckt, das ziemlich gepunktet war :-)

      Ich werde die Autorin definitv im Augen behalten, weil ich das Layout, auch wenn es noch nicht ganz sauber ist, interesant finde und mich das Buch an den "menschlichen" Stelle eingehüllt hat :-)

      Nichtsdestotrotz sind Typografie und Orthografie ein großer Kritikpunkt bei SPlern und ich bin gespannt, wie sich das entwickelt!

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  2. Marketing ist für mich sehr interessant, allerdings habe ich darüber tatsächlich noch nie ein Buch gelesen. Bei dem hier klingt dein Fazit ja auch nicht durchgehend positiv; ich bin gespannt, ob es auch wirklich gute Bücher zum Thema gibt.

    Herzlich,
    Anna

    Ps: Du hast mir einen Kommentar mit dem Hashtag #Kommentiertag auf meinem Blog hinterlassen. Wo und wie wird der organisiert? Kenne bisher nur den BloKoDe, aber der ist heute doch gar nicht, oder? Bin verwirrt und hoffe auf Aufklärung. ;-)

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    1. Das mit dem guten Buch hoffe ich auch :-) Mein Hashtag gehört tatsächlich zum BloKoDe, aber ich kann mir die Abkürzung nicht merken. Ich arbeite (langsa, aber stetig) alle Blogs des letzten Kommentiertages ab und versuche dadurch, meinen Horizont zu erweitern und menschen etwas Gutes zu tun :-) Da der Tag langsam für Verwirrung sorgt, sollte ich mir ne Alternative überlegen...

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