Dienstag, 22. Dezember 2015

Die BuchBerlin 2015

Hallo!

Es war ein verregneter, verschnee-regneter und bitterkalter Spätvormittag, als ich mit meiner Begleitung durch den eiskalten Berliner Westen stapfte. Die Luft war so kalt, dass mir die Eiskristalle noch im Mund mein "Natürlich müssen wir da lang, ich bin die Frau, ich weiß immer, wo es langgeht!" zerschnitten. Nur ein törichtes Wesen wie ich kam auf die Idee, binnen drei Wochen zwei Buchmessen zu besuchen (die Schriftgut...). Immerhin: In Berlin kann man immer IRGENDWAS machen...


Allgemeines


Die BuchBerlin fand am 28. und 29. November im Logenhaus Emser Straße statt und war mit den U-Bahnen und ein paar Minuten Fußweg gut zu erreichen.

Der Eintritt war mit max. 3 EUR sehr niedrig, was mich freute. Im Nachhinein betrachtet kam ich viel für mein Geld :-)

Es gab ca. 100 Aussteller, darunter viele Kleinverlage und Selfpublisher. Anders als in Dresden waren Handwerk und Illustration kaum vertreten, der Fantasy- und Romantik-Bereich sehr groß.

Die Örtlichkeit


Liest man auf der Webseite, hat sich im Vergleich zum Vorjahr vieles getan. Ich war die luftige Messerhalle von der Schriftgut gewöhnt und stand vor einer (sinnbildlichen) Wand. Die Tische standen dicht beieinander und besonders im Erdgeschoss, mit wenig Tageslicht, fühlte ich mich nicht wohl. 

Es gab kaum Ruhezonen und die Stehtische in der ersten Etage wurden für Flyer genutzt. Ich kann verstehen, dass man jeden Quadratcentimeter nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber ich würde gerne Kaffee trinken, ohne vorher aufzuräumen.

Das Essen war mittelmäßig. Es gab 3 Sorten Brötchen, Würstchen und Kuchen sowie Kaffee, Wein usw. Problem: Ein akuter Mayo-Overload, der aus meinem Käsebrötchen ein Fett-Bömbchen machte. Ernsthaft: Irgendwann ist es nichtmehr lecker.

Schlimmer war: Es gab kaum Stühle. Und es hat gezogen.

Aber: Das Team hat für nächstes Jahr eine bessere Location in Planung :-)

Messekatalog


Ich hatte es nicht erwartet, aber es gab für jeden Besucher einen Messekatalog mit Lesezeichen, Autogramm-Lesezeichen und Postkarte :-) Das Design ist hübsch, das Papier fasst sich gut an und besonders der Veranstaltungsplan erwies sich als nützlich! Auf das Aussteller-Verzeichnis hätte ich verzichten können, aber... tolle Idee!

Und das Personal war sehr, sehr nett :-)

Die Atmosphäre


Auf der BuchBerlin war das Miteinander sehr familär und man merkte, dass sich viele freuten, sich zu sehen. Ich fühlte mich stellenweise überfordert. Aber ein dramatisches Formtief später rappelte ich mich wieder auf und stürzte mich ins Getümmel :-)

Ich habe viele gute Gespräche gehabt und Autoren getroffen, die mir mit Leidenschaft ihr Buch erklärt haben. Ich finde so etwas wertvoller als einen geschriebenen Klapptentext, weil.. sich Emotionen verkaufen :P

Gut war: Es gab viele Flyer und Visitenkarten. Es hat mich wirklich gefreut, dass ich jedes Buch, das ich interessant fand, zuhause in Ruhe googeln konnte!

 

Die Selfpublisher-Diskusion


Keine Messe ohne guten Workshop bzw. ohne gute Diskusion :-) Diese stand unter dem Motto Chancen und Risiken für Selfpublisher und war vielfältig besetzt.

Referenten


Steffi Biber-Geske ist Mit-Organisatorin der Messe, Verlegerin (Verlag Biber & Butzemann) und Geschäftsführerin von Bücherzauber e.V. Sie leitete durch die Diskusion und brachte es auf den Punkt: Vom Selfpublishing leben können nur wenige. Außerdem hatte sie zwei Autoren,  Richard Ehren und Jörg F. Nowack, mitgebracht, die Interessantes erzählten.

Cornelia Franke, Autorin, wurde spotan als Rednerin engagiert, meisterte das aber mit Bravur! Sie erzählte von ihren Anfängen und wie sie sich nach anfänglichem Scheitern aufrappelte. Außerdem berichtete sie von Fanartikeln und Finanzierungsmöglichkeiten. Interessanterweise saß sie in der Mitte der Runde (auf dem gemütlichen Chefsessel :-) ) und stellte tatsächlich das Bindeglied zwischen Autoren und Firmen dar.

 Murat Ham ist (Politik)Journalist, Coach und Autor. Er bestach mit schicken Schuhen und angenehmer Stimme. Seine These, dass das Wissen für Selfpublisher überall verfügbar ist, fand ich etwas kurz gegriffen, aber er sprach am Ende einen wichtigen Punkt an: Die Möglichkeiten zu Finanzierung und Marketing im Selfpublishing sind vielfältig.

Jens Beckmann von Book on demand erklärte, dass das Portal, obwohl man dort vieles drucken kann, nicht alles veröffentlicht, u.a. um die Mitarbeiter zu schützen. Das machte das Unternehmen für mich greifbar :-)

Darius Lukaczewski von Booksfactory, einem Druck-Dienst und Sponsor der Messe, erklärte, was das Unternehmen druckt und welche Vorteile es hat. Das begeisterte :-)

Fazit


Das Thema klang knallig und die Auswahl der Referenten fand ich im Ansatz gut - Kleinverleger, Selfpublisher und Nutzer größerer Verlage auf eine Bühne zu bringen, passt. Mir fehlte bei der Diskusion die Tiefe - ich hätte gern mehr Erfahrungsberichte und mehr Reibung gesehen.

Das liegt aber auch daran, dass Selfpublishing ein riesiger Themenkomplex ist. Es ist nicht damit getan, dass man sein Manuskript abgibt und jeden Monat seine Tantiemen aufs Konto bekommt. Als Selfpublisher hält man viele Strippen in der Hand, über die man reden kann.

Vielleicht wären Kurzvorträge eine Möglichkeit?

Was habe ich gelernt?


1. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, als man denkt

Besonders, was Fanartikel und Finanzierungen angeht. Man sollte sich nicht aufhalten lassen und gucken, was zum Buch passt.

2. Wenn du kein Netzwerk hast, such dir fähige Leute.

Lektoren, Grafiker und Marketing-Fachleute kann man innerhalb eines Kontakte-Netzwerkes haben. Aber: Networking ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Man braucht Glück, Ausdauer und Offenheit. Es ist in Ordnung, wenn man das nicht in ausreichendem Maße hat. Dann sucht man sich Leute, die das gut können :-) Nichts ist perfekt und die Welt nicht voller rosaroter Elefanten.

3. Was sind Schusterjungen und Hurenkinder?

Begriffe aus dem Schriftsatz. Aber Wikipedia kann das besser erklären!

Wem bin ich begegnet?


Bücher

 

Der Stand von Cornelia Franke war der erste, an dem ich vorbei lief. Sie zeigte mir ihren Roman Jamies Quest und eine Parodie.

Bei Lisa Skydla entdeckte ich Sklavin der Finsternis. Es fiel mir auf, weil ich das Cover nicht so hübsch fand (obwohl ich seit dieser Montagsfrage wusste, dass das täuschen konnte...) Die Autorin war sehr nett und erklärte mir die Story. Die Leseprobe offenbarte: Die Kombination aus missverstandenem Rollenspiel und SM funktioniert. Der Schreibstil ist ruhig und nicht zu plakativ, auch wenn es ein paar inhaltliche Wiederholungen gibt. Nicht mein Wunschbuch, aber ich war positiv überrascht!

Als ich die Bücher von T.C. Jayden sah, war ich verwirrt - 1st Club hatte mich überzeugt, aber ich hatte das im Trubel vergessen :-) An Sehnsucht reizt mich das Thema "Alleinerziehender schwuler Vater" und die Leseprobe ist ziemlich turbulent. Mir ist das Tempo stellenweise zu hoch bzw. Absätze wären gut. Aber die Atmosphäre ist sehr charmant und niedlich. Außerdem hat Jayden einen guten Blick für Details und gute Cover!

Fiona Schwarz' Buch fiel mir wegen des Covers auf - es ist blau! Sternensamt ist ein Fantasyroman mit dem interessanten Untertitel "Im Gewebe der Zeit" Die Schrift in der Leseprobe ist größer als erwartet und die Symbole unter den Kapiteltiteln gefallen mir. Mir waren im Lesefluss zuviele Pausen durch Kommata, aber es war nett zu lesen.

Robert Lukascek drückte mir ein kleines Bündel Papier in die Hand - die Leseprobe zu seinem Roman-Projekt Cuber. Ich fand es toll, eine Papier-Leseprobe in den Händen zu halten :-) Die Probe erzeugt Spannung und die Grundidee gefällt mir. Aber richtig mitgerissen hat es mich noch nicht.

Vom Verlagshaus El Gato nahm ich mir zwei Leseproben mit. Liv Scales Roman ToloT war ein bisschen erklärend, bestach aber mit einem tolle Kontrast zwischen Epilog und erstem Kapitel. Außerdem macht mich das Konzept neugierig! In der Leseprobe von Sieben Namen für ein Leben von Monika Janine Bernhardt geht es nicht zimperlich zu - aber diese Kantigkeit macht es interessant! Auch wenn der Pressetext wesentlich besser als der Klappentext auf der Leseprobe ist, hat das Buch seinen Reiz :-)

Justin C. Syklark erklärte mir, was an ihrer Geschichte L.U.V. fasziniert - die Frage: Was ist Mensch, was ist Maschine? Das in Verbindung mit einer Gay-Romance.. klingt gut!

Vom Deadsoft-Gemeinschaftsstand bekam ich ein Heftchen mit Leseproben - stilistisch sehr unterschiedlich, aber es sind einige Bücher dabei, die ich mir angucken werde :)


Was grafisch bei Büchern möglich ist, erzählte mir Fay von Art Skript Phantastik. Ein guter Grund, sich mal ins Steampunk-Genre zu wagen?

Beim Incubus Verlag fiel mir das rote Cover von In seiner Hand auf. Die Leseprobe verspricht Flair und eine große Vielfalt der Geschichten. Ich denke, ich komme nicht mit jeder klar, aber der Ansatz, anzuregen ohne pornografisch zu sein, liest sich sehr gut!

Anderes


Sachen mit Wörtern ist ein grafisch tolles Literaturmagazin, das ich mir genauer ansehen werde!

Von Kleckskörbchen nahm ich eine schicke Visitenkarte mit!

Leipzig hat Cosplayer, Berlin hat die OSPI. Die Organisation kümmert sich um AIDS-Prävention und tritt in bunten Kostümen auf. Von ihnen bekam ich, neben ein bisschen Freude, ein Gratis-Kondom - kann man nie genug haben :P

Fazit


Die BuchBerlin ist dichter und lebehafter als die Schriftgut, die Schriftgut ist luftiger und man kann sich besser bewegen. Es gibt in Berlin viel zu sehen und das Miteinander ist schön. Ich denke, im nächsten Jahr wird es noch besser - besonders, was das Wohlfühlen und die Angeboten betrifft, ist viel Potential vorhanden! Die Preis-Leistung ist aber super :-)

Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht! Da hast du ja jede Menge gesehen, dafür finde ich den Eintritt wirklich günstig. "Jamies Quest" habe ich gelesen, ich fand das Buch wirklich nicht schlecht :)

    LG Katharina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich glaube, ich werde es nicht lesen, weil Fantasy nicht meins ist. Aber ich bin jetzt mit "In 50 Tagen zur Mrs Grey" fertiggeworden!

      Löschen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)