Freitag, 11. Dezember 2015

"Professionell Präsentieren" von Berndt Feuerbacher

Hallo!

Präsentationen begeistern mich - sie können aber furchtbar schief gehen. Wenn ich TED-Talks oder andere Präsentationen sehe, frage ich mich immer: Warum kam die Info besonders gut oder gar nicht bei mir an?




Eine große Rolle spielen für mich das Thema (einen Geschäftsbericht kann man schwer lebhaft präsentieren) und das Charisma des Redners (manche hopsen gern auf einer Bühne rum :-) ) Der dritte Faktor ist tatsächlich die Präsentation selbst.


In meiner Schulzeit war PowerPoint "the thing to do", es gab Pluspunkte, wenn man überhaupt eine Präsentation gemacht hatte. Aber die Frage, wie man das Programm nutzt, um seine Leser beim Aufnehmen der Information zu unterstützen, ohne zuviel oder zuwenig zu schreiben, konnte ich nie beantworten.

Daher griff ich zu diesem Buch.

Allgemeines


"Professionell Präsentieren in den Natur- und Ingenieurswissenschaften" hat 160 Seiten, erschien erstmals 2009 im Verlag Wiley-VCH und ist noch gebraucht zu erwerben. 2013 erschien die zweite Auflage, die für ca. 20 EUR über die Verlagsseite und andere Shops zu erwerben ist.

Meine Rezension bezieht sich auf die Erstauflage von 2009.

Der Autor


Berndt Feuerbacher ist Physiker und beschäftigt sich mit dem Weltraum.  Er war u.a. Präsident der International Austronautical Federation. Bisher hat er 15 Bücher veröffentlicht, viele zum Thema "Vorträge".

Inhalt in Kürze


Das Buch beschreibt den Aufbau und die Durchführung einer Präsentation von der Stoffsammlung bis zur Diskusion. Außerdem gibt es ein Kapitel darüber, wie man als Vorsitzender eine Konferenz möglichst gut für die Vortragenden vorbereitet.

Die Natur- und Ingenieurswissenschaften werden für Beispiele genutzt, das Buch versteht man aber auch ohne Kenntnisse in diesem Fachgebiet.



Inhalt en detail

 

1. Präsentationen im Medienzeitalter


Auf 5 Seiten erklärt der Autor, wie sich Präsentationen verändert haben und wie das Buch aufgebaut ist. Außerdem zieht er eine klare Grenze: Die Beispiele beziehen sich auf Fachvorträge mit (mehr oder weniger...) fachkundigem Publikum, nicht auf Vorträge, die primär unterhalten oder überzeugen sollen oder bei denen sich der Sprecher selbst darstellt.

2. Rhetorisches Handwerkszeug


Im ersten Teil führt der Autor auf, was in einer Präsentation schief gehen kann und versucht, dem Leser die Angst davor zu nehmen. Es wirkt wie eine zweite Einleitung, aber ich fühlte mich ernst genommen.

Danach erklärt der Autor den Unterschied zwischen einer schriftlichen Veröffentlichung und einem Vortrag. Sprachtipps z.B. "Verben nutzen" habe ich oft gehört, aber es war gut, sie in diesem Kontext nochmals zu hören. Nicht zustimmen kann ich dem Tipp "Mehr Bilder" - ein gutes, übersichtliches Schema hilft mir manchmal mehr als eine Folie voller Bilder.

Im folgenden Abschnitt werden Denkmodelle und rhetorische Modelle vorgestellt. Das war sehr abstrakt und nicht genügend mit Beispielen hinterlegt. Ich glaube, für Laien war dieses Thema zu tief aufbereitet.

Ein Abschnitt über Hard- und Software fand ich nur bedingt passend. Aber er ist informativ. Der Autor gibt erste Einblicke in PowerPoint, zeigt, wie man Grafiken und Diagramme nutzt und eine Materialsammlung erstellt. Den Unterschied zwischen Vektor- und Pixelgrafik fand ich sehr interessant!

3. Einen Vortrag vorbereiten


Das Kapitel beginnt mit der Zieldefinition "Was will ich mit dem Vortrag erreichen?" und zeigt, dass sich das Ziel vom Thema des Vortrages unterscheidet. Danach schärft es den Blick für die Zielgruppe und zeigt, wie man ein Vortragsniveau festlegt. Auch hier schafft es der Autor gut, Ängst abzubauen. Ich hätte aber gern mehr über die sprachlichen Unterschiede zwischen einem Vortrag für Fach- und Laienpublikum gelesen.

Komplizierter wird es beim Aufbau von Kurz- und Standartvortrag. Da der Autor hier mit vielen Schemata, aber wenig Beispielen, arbeitet, fand ich das nicht übersichtlich, sondern verwirrend.

Am Ende des Kapitels widmet sich der Autor der Sprechzeit. Was gut klingt ist leider sehr zahlen-lastig ausgeführt. "Faustregeln" wären mir lieber gewesen.

4. Die perfekte PowerPoint-Präsentation


In diesem Kapitel kommt der Autor zum Kern des Buches - PowerPoint. Der Abschnitt ist prägnant und enthält viele Tipps bzw. Stolperfallen. Hilfreich für mich war die Arbeit mit der Masterfolie und wie man Titel für Folienüberschriften formulieren kann. Neu war für mich, dass man nicht die komplette Gliederung auf den Folien notieren muss, sondern nur eine grobe Gliederung. Sätze dürfen auf eine Folie, Aufzählungen weniger. Ich denke, hier muss man auf das richtige Maß achten.

Da der Autor PowerPoint Schritt für Schritt erklärt, fühlte ich mich gut informiert.

5. Vor dem Vortrag


Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Vorbereitung des Vortrages, wenn man im Vortragsraum angekommen ist. Dabei geht es oft zum Technik - man sollte sich mit ihr vertraut machen und sie effektiv nutzen.

Interessant waren für mich die Unterkapitel 4 und 5. Hier erklärt der Autor, wie man einen Vortrag in einer Fremdsprache hält und wie man mit Lampenfieber umgeht.

6. Auf dem Podium

 

In diesem Kapitel geht es überwiegend um Rhetorik und Körpersprache. Der Autor erklärt, wie man zum Publikum spricht, wie man sich über das Podium bewegt und welche Floskeln man vermeiden sollte. Am Ende gibt es wieder einen Abschnitt zur Technik.

Für mich ist dieses Kapitel das Herzstück, weil ich darin gelernt habe, mit dem Publikum umzugehen. Es macht Mut, auf das Publikum zuzugehen und gibt Sicherheit, wenn jemand den Vortrag stört oder schläft.

7. Diskusionen


Bei Vorträgen in der Schule wurde wenig diskutiert - stattdessen herrschte die Kombi "Gibt es noch Fragen?" und "Schweigen". Bei der Wahlhelferschulung sieht es anders aus - es gibt Menschen, die inhaltlich etwas nicht verstanden haben und es gibt Menschen, die gerne die Wahlordnung ändern wollen und deswegen fragen. Und das in einem Raum, in der der Schall König ist. Wie man mit diesen Problemen umgeht, klärt dieses Kapitel.

Der Autor zeigt, wie man die Fragesteller aufruft, mit schlechter Akustik umgeht und was man macht, wenn man die Frage nicht beantworten kann. Außerdem geht es um unterschiedliche Frage-Typen.

Mir hat dieses Kapitel das Schuldbewusstsein genommen. Auf einer Bühne fühlt man sich manchmal wie Freiwild, das angegriffen werden kann. Man will vor dem Publikum kompetent wirken und zeigen, dass man da ist. Wenn jemand aber mit einer Frage Macht demonstrieren will, dann ist das nicht mein Problem, sondern seines.

8. Die Leitung einer Fachsitzung


Dieser Abschnitt betrifft mich noch nicht, weil ich keine Konferenz plane :-) Aber es war interessant, die andere Seite zu hören und ich nehme einiges mit.

Im Kapitel beschreibt alle Vorgänge von der Vorbereitung bis zur Diskusion und nimmt auch hier viele Ängste.

9. Literaturverzeichns


Das Besondere ist hier, dass der Autor alle Werke kurz beschreibt und der Leser weiß, was ihn erwartet. Fand ich gut :-)

Gestaltung


Das Buch arbeitet mit gelben und blauen Kästchen für Abschnittsüberschriften und rote für Merksätze. Anekdoten (leider zu wenige) werden durch Einrückungen und kleine Schrift hervorgehoben. Ich verstand nicht immer den Sinn der Farben und das Design wirkte ein bisschen klobig. Andererseits lockerte es gut auf.

Eine gute grafische Gestaltung wird im Buch wiederholt betont - die Beispiele spiegeln oft das Gegenteil wider. Die Folien wirken überladen, die Bilder unruhig und nicht wie 2009, sondern wie Ende der 90iger. Die Worte sind gut, aber die Bilder sprechen nicht für sich. Weniger ist manchmal doch mehr...

Schreibstil


Feuerbacher schreibt sachlich, verliert sich aber (meistens) nicht in Details. Dadurch wirkt das Buch vertauenserweckend und nah am Leser, ohne in die "Kumpel-Spur" zu geraten.

Fazit


Feuerbachers Vorteil ist, dass er nicht aus der Kommunikationswissenschaft kommt, sondern das Wissen "nur" anwedet. Daher beschreibt das Buch es vieles praxisnah und verständlich. Die Sprache war meistens einfach und Grafiken lockerten auf. Ich habe aus diesem Buch viel mitnehmen können!

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