Sonntag, 17. Januar 2016

Zweimal Bauhaus und zurück

Hallo!

Bauhaus-Ensemble
Bauhaus-Ensemble
Wer die Rezension zur Prager Straße oder den letzten Paris-Post gelesen hat, wird bemerkt haben: Ich mag Architektur. Während mir Sandsteinbauten des 18./19. Jahrhunderts ein Gefühl von Wärme vermitteln, bringt moderne Architektur meine Gedanken in schöne, geordnete Bahnen. Leider legte man im Kunst-Unterricht mehr Wert auf Selber-Machen und ... Selber machen. Bei zwei Wochenstunden blieb einfach keine Zeit, sich ausführlich mit Stilen zu beschäftigen. Deshalb blieb "Bauhaus" lange ein abstrakter Begriff in meinem Kopf. Das wollte ich ändern! Deshalb besuchte ich zuerst das Bauhaus-Archiv in Berlin und später das originale Bauhaus in Dessau.



 

 Was ist Bauhaus?


Bauhaus war eine Ausbildungsstätte für Künstler, die von 1919 bis 1933 bestand. Sie wurde von Walter Gropius in Weimar gegründet und zog später nach Dessau.

Das Besondere: Bauhaus sah Architektur ganzeinheitlich und wollte das Handwerk wiederbeleben. Deshalb besuchten die Schüler einen einjährigen Vorkurs, in dem sie mit Formen und Materialien übten. Danach folgte eine Spezialisierung in der Werklehre.

In der Dessauer Ausstellung wurde für mich deutlich, dass Bauhaus auch eine gesellschaftliche Dimension hatte und man erwartete, dass die Direktoren die Prinzipien der Schule weiterführten.

Die Berliner Ausstellung zeigte mir besonders, dass die Bauhaus-Künstler sich und die Schule gut zu vermarkten wussten.

Weitere Infos findet ihr auf Wikipedia.

 

Bauhaus-Archiv in Berlin

 

Hinkommen und Bezahlen


Das Museum hat täglich, außer dienstags, von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Eintritt kostet, je nach Tag, 7/4 EUR bzw. 8/5 EUR. Einen Audioguide gibt es gegen Pfand.

Das Museum befindet sich in der Klingelhöferstraße 14, nahe der Bushaltestelle Lützkowplatz. Von dort sind es 5 Minuten bis zum Museum. Freunde moderner Glasbauten können auf dem Weg dorthin ehrfürchtig vor dem Konrad-Adenauer-Haus (Bundes-Geschäftsstelle der CDU) innehalten.

Weitere Infos gibt es auf der Service-Seite des Museums.

 

Was ist drin?

Gefaltet
Gefaltet

Bauhaus. In vielen kleinen Facetten und Ecken. Die Halle ist in drei Teile untergliedert: Im Hauptbereich findet man Skulpturen, Architekturmodelle, Übungs-Modelle aus der Werkstatt usw. In den Seitenteilen, die je über eine Rampe abgegrenzt sind, sieht man Zeichnungen und Plakate.

Jedem Aspekt des Bauhaus ist ein kleiner Bereich gewidmet.

 

Wie hat es mir gefallen?


Meine Begleitung war von der Vielfalt begeistert, ich ziemlich überfordert. Die Ausstellung reißt vieles an, aber man findet sich nur schwer ins Thema rein. Außerdem sind die Ausstellungsstücke für den Audioguide in der ganzen Halle verteilt und das nervte. Die Infos wiederum waren gut und für Menschen, die Informationen gerne hören, ist das eine tolle Möglichkeit. Ich komme damit nicht klar. 2 oder 5 min an ein Bild festgenagelt zu sein, nicht den Text überfliegen zu können... Ich hätte gern einen Projektor, mit dem ich den jeweiligen Infotext an die Wand werfen kann :-)

Herzstück war das Modell des orginalen Bauhauses. Das brachte für mich das Thema auf den Punkt. Auf einmal wurde es erlebbar. Auch den Abschnitt "Lehre" fand ich toll - welche schönen Dinge herauskommen, wenn man einfach mal rumprobiert...

Am besten gefallen hat mir die damalige Sonderausstellung mit Fotografien von Hélène Binet.

Shop und Café


Das Café bietet eine kleine Auswahl an süßen und herzhaften Snacks, die Preise sind normal für ein Museum, das Preis-Leistungsverhältnis ist mau. Aber die Stühle sind schick!

Der Museumsshop bietet für Adrenalin-Junkies ein reichhaltiges Sortiment - abgesehen vom üblichen Krims-Krams gibt es Gegenstände im originalen Bauhaus-Stil. Wem ein Edelstahl-Aschenbecher für 130 EUR nicht klug genug ist, darf sich mit einem Schachspiel für 180 EUR vergnügen.

Ernsthaft: Das Design ist schick und durchdacht, und natürlich sollten Künstler und Arbeiter davon leben können. Aber... in diesem Fall sind die finanziellen Aufwendungen einfach.. sehr hoch.

Bauhaus Dessau


Bauhaus hat in Dessau einige Spuren hinterlassen. Zu besichtigen sind das Bauhaus Museum und die Meisterhäuser. Ich war im Museum.

Hinkommen und Bezahlen


Spieglung
Was ist Kunst(werk)?
Das Bauhaus hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Eintritt kostet 7,50 EUR / 4,50 EUR.

Das Hauptgebäude befindet sich in der Gropiusallee 38 und ist in 5 min vom Hauptbahhof zu erreichen.


 

Was ist drin?


Die Frage ist eher: WO ist man drin? Das Gebäude ist der eigentliche Mittelpunkt und wirkt mit seinen weißen Wänden und den vielen Fenstern sehr luftig und hell. Neben einer Ausstellung zu Hannes Meyer  gab es eine tolle Installation mit Video und, im Keller, eine schicke Ausstellung über Bauhauskünstler. Neben Modellen gab es viele Zeichnungen. Alles wirkte intim.

Im Haus verstreut und planlos finden sich weitere Ausstellungsstücke.

Wie hat es mir gefallen?


Das Bauhaus glänzt nicht nur mit gemütlicher Architektur, sondern auch mit Technik. Der Besucher hat neben dem üblichen Kopfhörern an manchen Objekten auch Touchsscreens, auf denen er durch Bilder blättern kann. Das ist gut gedacht und elegant umgesetzt, aber nicht immer praktisch. Wenn man auf einem Bildschirm das Foto sieht und auf dem anderen den Titel, muss man sich erstmal hineinfinden. Ich finde das sehr schade.

Außerdem ist das Bauhaus ein Gebäude, in dem man sich verlieren kann. Es ist nie klar, wo man langlaufen darf, wo sich weitere Ausstellungsstücke befinden. Es fehlt der rote Faden.

Mein Lieblingsbereich war, neben der Installation, der Raum im Keller, weil Bauhaus dort erfahrbar wird und... es mich inspiriert hat :-)

Shop und Café


Verdreht
Spirale
Das Bauhaus hat ein Café, vor dem gern Leute sitzen, aber ich war nicht drin :-) Der Shop ist im Erdgeschoss untergebracht und wirkt hell. Die Vielfalt an Büchern, Magneten, Möbeln und Schmuck ist riesig. Ich musste mich an die Ordnung gewöhnen, aber ich finde es gut, dass es tatsächlich viel über Bauhaus-Künstler zu erwerben gibt. Einen guten Überblick gibt der Online-Shop.

Fazit


Beide Museen waren für mich nicht "rund". Während sich Berlin in kleinen Details verirrt und man als Betrachter keine Ruhe findet, verlangt Dessau Selbstständigkeit und Vorwissen. Ich denke, das Thema ist schwer zu greifen. Weil es keine klare Architekturrichtung ist, die man mit ein paar Eigenschaften charakterisieren kann. Es war eine Station, an der Künstler verweilten, die später ihren Stil fanden. Es ist das Konzept, das beeindruckt. Ein "Vorarbeit ist nötig", kein "Künstler fiel vom Himmel und schaffte Großes". Ich denke, darauf kann man aufbauen - indem man Besuchern Papier und Stift gibt und sie falten lässt. Sie ihr Bauhaus-Kännchen puzzeln lässt. Oder Filmausschnitte zeigt. Es war schließlich eine Schule.

Verwendete Faltungen


Bunte Spirale - Spring into Action von Jeff Beynon, gefaltet nach einer Anleitung von Jo Nakashima

Weiße Treppe - 3D-Paper-Structure, nach einer Anleitung von Peter Dahmen

Schattenspiel
Schattenspiel



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