Freitag, 19. Februar 2016

"Different Boys 2" von Norman Stark

SanpanHallo!

"Different Boys" ist ein Buch, das Spaß macht. sagte ich in der Rezension zu Band 1. Dem kann ich zustimmen. Noch treffender ist aber der Slogan "Einmal ge***, niemehr gestoppt" einer bekannten Lebensmittelmarke - obwohl das tatsächlich zum Inhalt des Buches passt. Das äußerst erotische Geräusch, das beim Öffnen einer Chipsdose entsteht, verleitet zum knuspern und hat man erst aufgeknuspert, muss man die nächste Dose öffnen. Ähnlich verhält es sich im Buch: Hat man erst einmal angefangen, zieht einen der Wechsel aus Bubblegum- und Pralinen-Handlungsstrang so sehr in einen Bann, dass man erst am Ende aus seinem Rausch erwacht. So hart, so lecker.

 

Worum geht es?


Different Boys ist die Geschichte zweier schwuler Zwillingsbrüder, die (überwiegend) in Köln die Lust und das Leid der Liebe erleben. Während Tom einen Einrichtungsladen führt und nach der großen Liebe sucht, schläft Flugbegleiter Colin mit jedem Mann, der reizvoll scheint - im Himmel oder auf der Erde. Auch die Schwester der beiden hat es hart getroffen - sie ist mit einem eher dominanten Mann verheiratet. Ergänzt wird diese Mischung durch einige lockere Menschen, die ihre Macken haben und für einige Schmunzler sorgen. Weitere Infos gibt es in der Rezension zum ersten Band.

 Allgemeines


Die Geschichte ist in 6 Teile aufgeteilt, die im Juni 2015 bei Bastei Lübbe erschienen. Außerdem gibt es ein Weihnachtsspecial.  Jedes E-Book hat ca. 100 Seiten.

Es ärgert mich, dass der Einführungspreis (für Band 1) bei 1 EUR liegt, der Preis für die Folgebände aber von 2,50 EUR auf 3,50 EUR angehoben wurde. Da es eine fortlaufende Geschichte ist und man sich vermutlich alle 6 Bände zusammen kauft, muss man so 5 EUR mehr zahlen. Für 100 Seiten guten Lesestoff sind 3,50 EUR in Ordnung, aber ich möchte mich als Leser nicht unter Druck setzen lassen, eine Buchreihe binnen zwei Monaten (?) zu kaufen oder mehr zu zahlen.

 

Das Cover



Zweierlei
Das Titelbild zeigt zwei locker gekleidete Männer, davor die Silhouette Kölns. Es ist so konzipiert, dass man für jeden Band eine andere Hintergrundfarbe nutzen kann. Bei Band 2 hat man sich für Orange entscheiden. Finde ich hübsch.

Allerdings: Warum hat das Buch einen Untertitel, wenn er nicht auf dem Cover vermerkt ist? *grübel*

Inhalt


Der Cliffhanger von Band 1 war eine zukünftige Vernissage in Toms Laden. Dazu müssen die schicken Betonskulpturen einer Freundin und ein paar Falafel zum Ort des Geschehens transportiert werden. Damit sind die Figuren bis zur Mittel des Buches beschäftigt. Danach versucht Tom, eingehüllt in ein schweißnasses T-Shirt, seinen Schwarm Michael, durch die Wogen dessen Lovers aka Famebitch aka "Schlange", zu erobern.

Colin beschäftigt sich weiterhin mit Männern, schläft mit dem Sänger einer Boygroup, der sich deswegen outet, und landet über Umwege in den Armen eines muskulösen Kerls. Keine gute Idee...

Figuren


Die Handlung schreitet voran und beide Brüder geraten immer tiefer in das Geflecht aus dem, was sie haben wollen, und dem, was sie bekommen.

Besonders Tom wird sich entscheiden müssen, ob er nimmt, was ihm geboten wird oder ob er weiterhin versucht, Michael zu erobern, auch wenn es schwer wird. Ich finde das Timing sehr gut und kann mir gut vorstellen, wie der Konflikt in den Folgenbänden intensiviert wird.

Colin merkt man an, dass er sich nach einem Partner sehnt und Verantwortung übernimmt. Trotzdem erwartet ihn am Ende eine unschöne Überraschung und den Leser ein fieser Cliffhanger.

Schwierig wird zunehmend das Kollektiv. Der Humor des Buches gründet sich auf den Nebenfiguren, die bunt sind und ihre Eigenheiten haben. Aber ich denke, dass mir das nach ein paar Bänden zuviel wird. Es gibt bei Different Boys viel Drama und das verhindert, dass es richtig tief wird. Band 2 greift einige Probleme auf, aber besonders, als es zum Outing kommt, fehlte mir ein Stück. Außerdem hätte die Managerin der Band besser ausgearbeitet sein können. Aber: Ich stelle es mir schwierig vor, zwei Handlungsstränge, Lockerheit und Authentizität zu vereinbaren.

Themen


DreierleiKunst: Zugegeben - auch ich finde Betonklötze mit tiefsinnigen Titeln verwirrend und ich würde sie manchmal gerne wegwerfen. Denn meistens bekommen wir keinen Gedankenstrom vom Künstler, sondern nur einen einzelnen Gedanken. Daher muss man sich reinfühlen. Und manchmal feststellen, dass das zu keinem Ergebnis führt. Also doch wegwerfen :P Norman Stark betrachtet das Thema von mehreren Seiten, was ich gut finde. Er stellt der Beton zersägenden Künstlerin einen ebenso enthusiastischen Sänger gegenüber und man merkt: Es ist nur ein Kampf der Persönlichkeiten. Außerdem führt die Vernissage, obwohl vieles schief geht, zu einem guten Ende. Und viele Zuschauer freuen sich.

Outing: Bei Boybands munkelt man oft, ob nicht einer der Sänger (bzw. Musiker) schwul ist und man seine Schwärmerei verlagern muss. Zu meinen Zeit *smile* haben sich zwei Sänger von CITA bzw. Boyzone geoutet, das aber erst gegen Ende der entsprechenden Karrieren. Und ich würde beide heute noch mögen, hätte sich der eine nicht mittels Drogen (un)absichtlich das Leben ausgepustet. Den anderen mag ich aber immer noch xD Norman Stark spielt das Szenario unter realistischen Bedingungen durch: Der Sänger einer aufstrebenden Band outet sich, nachdem er mit Colin geschlafen hat und das Versteckspiel doof fand. Im Ergebnis sind die Fans verwirrt, applaudieren aber aufgrund des Mutes. Ich finde das schön, aber ein bisschen unrealistisch. An einer Band hängen viele Leute dran, die sie vermarkten. Und ich stelle mir vor, dass nicht alle das gut finden. Die Fans freuen sich und alles ist gut - das ist zu kurz gegriffen.

[Spoiler]

Ungeschützter Sex: Im ersten Band wurde das Thema angedeutet, in diesem passiert, was man als Leser befürchtet hat: Colin hat ungeschützten Sex. Obwohl uns das schon in der Schule eingemeißelt wurde, besteht die Gefahr. Bei Colin führt eine Mischung aus Frust und einem Kerl, der ihn abbaut, dazu. Man spürt, wie er in einer Notlage ist, unzufrieden. Und dann kommt ihm der Zufall "zuhilfe" Den Wandel von der Selbstverleugung bis zum Zusammenbruch wirkte real und bildet einen tollen Cliffhanger. Trotzdem möchte ich mir nicht vorstellen, dass sowas passiert.

[Spoiler Ende]


Schreibstil


MasseIch würde euch gern erklären, was Starks Schreibstil besonders macht, aber ich weiß es (fast) nicht :-) Man fängt an und gallopiert gemütlich durch das Buch wie ein EC durch die tschechische-slovakisch-österreichische Pampa - unaufgeregt, aber oft mit einem Schmunzeln. Das Buch lebt in seiner eigenen, kleinen Welt voller Figuren, die sich selbst nicht so ernst nehmen und bei denen auch in ernsten Momenten ein Hauch Ironie spürbar wird. Ich bin beim Lesen über nichts gestolpert, abgesehen vom Inhalt. Die Sprache ist nicht so anspruchsvoll und man kommt gut durch.

Fazit


Different Boys ist wundervolle Entspannung. Es gibt viele Anspielungen, über die man nachdenken kann, aber nicht muss, ein bisschen Herz-Schmerz, handfeste Probleme und viele lockere Typen. Mir sind die Figuren und die Welt ein bisschen zu durchgeknallt, ein bisschen zuviel Drama, aber ich werde trotzdem weiterlesen :-)

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