Sonntag, 28. Februar 2016

Eine andere Montagsfrage - Hauptberuflich bloggen?

Schiffchen
Möglichkeiten
Hallo!

Normalerweise sollte hier die Montagsfrage von Buchfresserchen beantwortet werden. Leider weiß ich zum Thema "Gewalt in Büchern" nur wenig zu sagen, weil ich kaum Bücher lese, in denen Gewalt vorkommt. Deswegen verweise ich euch auf ein Video, das CocuriRuby zu einem ähnlichen Thema gemacht hat *luftholen* und vertage die Montagsfrage auf nächste Woche. Oder so :P

Aber ich entdeckte auf I need Sunshine eine andere Montagsfrage, die ich sehr interessant fand...


Was ist die Montagsfrage von I need Sunshine?


Die Montagsfrage von Diana funktioniert ähnlich wie die Montagsfrage von Buchfresserchen: Montags wird eine Frage gestellt und die Nutzer haben zwei bis drei Wochen Zeit, die Frage in Form eines Kommentars zu beantworten. Danach gibt es eine Auswertung mit Prozentwerten und Zitaten.

Es gibt kein Formular, in dem man seinen Link eintragen kann, aber man kann Antwortmöglichkeiten anklicken.

 

Folgende Fragen werden gestellt...


Persönliches
Wenn ihr die Möglichkeit hättet, würde ihr euren Blog zum Beruf machen? 
Ist für euch das Bloggen ein Traumberuf oder möchtet ihr es weiterhin als Hobby betreiben? 
Was sind für euch die Vorteile und was die Schattenseiten? 
Wäre euch das Risiko der Selbstständigkeit zu hoch und wo seht ihr die Haupteinnahmequellen beim Bloggen?

Weniger Persönliches
Ist es unter den Lesern verpönt, wenn man mit seinem Blog Geld verdient und wenn ja, warum?  


Wie seht ihr die Entwicklung in der deutschen Beauty-Blogosphäre? 
Warum klappt es bei den Fashionbloggern so gut den Blog zum Beruf zu machen und woran hapert es bei den Beautybloggern?

Die Antwort - Persönliches

 

Mein Traum-Beruf-Blog


Auge
Gut geträumt!
Wenn mir jemand Geld (und Kontakte) geben würde, würde ich durch Deutschland fahren, Autoren interviewen, mit ihnen Inspirationsquellen besuchen oder andere kreative Dinge rund ums Buch tun. Ich würde von Wohnzimmerlesungen berichten, erste Eindrücke einfangen und Cupcake-Fotos schießen. Ich würde Bücher aufspüren, die Menschen mit vielen Interessen und wenig Ahnung (wie mir :-) ) gefallen und ich würde versuchen, ihnen die Angst davor zu nehmen, sich Kultur anzunähern. Ich würde Menschen mit interessanten und greifbaren Geschäftskonzepten (Muffin-Läden, Buch-Cafés...) besuchen, sie unterstützen und Kontakte vermitteln. Außerdem würde ich lokale Künstler fördern und ich würde Schulungen besuchen, um diese entsprechenden Zielgruppen empfehlen zu können.

Auf dem Boden der Realität


Manche meiner Wünsche klingen sehr utopisch, andere sind umsetzbar, wenn ich mich selbst aus meiner Schublade ziehen, mir in den Hintern treten und anfangen würde meine Fähigkeiten zu nutzen.

Und aufhören würde, an mir zu zweifeln :-)

Allerdings: Ich lese in gemütlichem Tempo ein Buch in zwei Wochen - das reicht mir :-) Ich glaube, mein Leben wäre aufregender, aber stressiger. Irgendwann hätte ich das Gefühl, in einem Hamsterrad gefangen zu sein und alles aufschreiben zu müssen.

Die Planlosigkeit, die mich im ersten Absatz nervte, gibt mir die Freiheit, über meine Haarfarbe oder Jogurt zu schreiben. Ich denke, als hauptberufliche Bloggerin müsste ich meine Zielgruppe festlegen und die Beiträge daran ausrichten.

Und faszinierend ist die Arbeit hinter den Kulissen. Auf einem Blog sieht man nur die Fassade - die Arbeit dahinter sieht der Leser kaum. Ich denke, dass viele hauptberufliche Blogger mehr machen, als der Blog zeigt - Konzepte für Firmen entwickeln, fotografieren, Schreibseminare. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Blog und Firma. Aber das liegt in der Natur der Sache. Für mich sind diese Felder interessant :-)

 

Wer bezahlt das?


Um mich gut zu fühlen, würde ich 3 - 4 bezahlte Posts veröffentlichen, deren Geld reicht, um 8 weniger gut bezahlte Herzens-Posts ebenfalls on zu stellen.

Ich bezweifle, ob so etwas funktioniert. Ich kenne mich zuwenig in der Buch- und Kulturbrance aus, um sagen zu können, ob Geld da ist. Aber besonders kleine Künstler können (das weiß ich) schon zufrieden sein, wenn sie genügend Geld für Fahrtkosten einsammeln.

Auge
Schattenseiten
Eine andere Variante wäre, es selbst finanzieren zu lassen. Crowdfunding (im klassischen Sinne) stelle ich mir gut für Projekte vor. Man könnte sich z.B. die Reise zur Buchmesse finanzieren lassen und im Gegenzug eine Postkarte oder ein Selfie mit Widmung versenden. Auf Youtube bin ich auf Patreon gestoßen, bei dem man den Künstler monatlich unterstützt. Abgesehen davon, dass es schwer zu verinnerlichen ist, monatlich (nicht einmalig) zu zahlen, ist es schwer, das Ergebnis vorherzusehen. Das Ziel ist ein bisschen undefiniert und im Prinzip geht es darum, den Lebensunterhalt des Künstlers zu sichern, damit er schaffen kann. Kunst ist nicht kosten-los - davon müsste man die Nutzer überzeugen.

Ein Leben als Gastautor auf verschiedenen Blogs wäre auch gut... :-)

 

Berührungspunkte zwischen Beruf und Blog


Blog und Beruf treffen sich, wenn es um Weiterentwicklung geht. Beide Felder bieten mir die Möglichkeit, meine Fähigkeiten auszubauen, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Das betrifft nicht nur Technisches, sondern auch Soziales. Und ich möchte Menschen helfen. Wären diesen Kriterien nicht erfüllt, wäre ich nicht glücklich.

Außerdem wende ich in beidem überwiegend Dinge an, die ich gut kann. Ich nutze damit jemandem. Daher ist es ein Gedanke, Geld zu bekommen.


Außerdem bekomme ich Anerkennung - im Beruf gesteuert, weil ich eine Aufgabe löse und dafür entweder Lob oder Kritik bekomme, als Bloggerin teilweise ungeordnet (wir kennen alle Beiträge, die viel Arbeit machen, aber nur wenig Rückmeldung erzeugen, während hingestupste Schnell-Beiträge viele Klicks erhalten)


Nicht-Berührungspunkte


Auseinander geht beides bei der Frage nach der Verantwortung. Als hauptberuflicher Blogger bin ich, auch mit Deadlines, auf mich allein gestellt. Ich muss mich selbst motivieren und habe niemanden, der mich anbrüllt :-) Ich mag Freiheit, aber dem kann ich auch überdrüssig werden.

Ein weiterer Faktor sind Kollegen - mit Menschen zu reden macht Spaß und ich würde es vermissen, nicht mit ihnen Mittagessen zu können :-)

Der Vorteil als Berufstätiger ist, dass ich weniger nachdenken muss. Ich sollte die Entscheidungen des Unternehmens überwiegend vertreten können (sonst würde ich nicht dort arbeiten), aber ich bin durch Arbeitsanleitungen und Chefs geschützt. Ich muss mir keine Lösung für ein Problem ausdenken, ich muss sie nur anwenden.

Schön finde ich auch, dass ich als Berufstätiger Freizeit und Arbeit klar trennen kann. Für mich ist das wichtig, weil ich sonst... Hamsterrad :-)

Weniger Persönliches

 

Ist es unter Lesern verpönt, mit seinem Blog Geld zu verdienen? 


Das Thema wird immer wieder diskutiert und als Ursachen sehen manche Autoren Neid. Ich sehe auch Angst, dass man betrogen wird. Dass der Autor Produkte empfiehlt, die nicht gut sind. Dass Vertrauen missbraucht wird.

Lippen
Blue means Gold
Grundsätzlich bekomme ich es selten mit, wenn jemand gesponsert wird. Bei Beautybloggern gehe ich davon aus, dass sie mit zunehmender Bekanntheit mehr Angebote von Firmen bekommen und dass man nicht alle Preise für ein Gewinnspiel selbst kaufen kann, ist klar. Mich interessiert wenig, wieviel der Autor verdient. Was ich nicht mag, ist ein werblicher, schlecht geschriebener Beitrag. Wenn für ein Produkt geworben wird und ich den Bezug zum Blog nicht erkenne (auch unabsichtlich), macht mich das wütend. Ähnliches gilt für Produkte, die massiv beworben werden, obwohl ich sie schlecht finde :-) Es hat viel mit Vertrauen zu tun. Viele der Beautyblogger, die ich abboniert habe, beurteilen Produkte sehr kritisch. Und sie gehen offen damit um, welche Arbeit dahinter steckt. Das achte ich sehr.

Wie seht ihr die Entwicklung in der deutschen Beauty-Blogosphäre? 


Ich kann keine richtige Entwicklung erkennen. Ich merke, dass zunehmend mehr Blogger auf den Markt drängen, aber schnell verschwinden, wenn die Resonanz nicht da ist. Außerdem ziehen sich einige mittel-große Blogger zurück, weil sie Familie haben, der Beruf wichtiger ist oder der Stress zuviel wird. Ich bedaure das, es zeigt aber auch, dass ein erfüllter Traum nicht immer ein Happy End bedeutet. Die Konsequenz, dass das Ich wichtiger ist als die Anhänger und die Bekanntheit, finde ich gut.

Ich finde die deutschen Beauty-Blogger sehr kreativ und es ist schön, dass sie auch anderen Themen wie Bücher und Fotografie aufgreifen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wo es endet. Manche Autoren werden Schmink-Meisterinnen, entwickeln Produkte etc., aber ich denke, für viele wird es ein Hobby bzw. Nebenverdienst bleiben. Nicht jeder ist für eine Selbstständigkeit geeignet und viele sind glücklich in ihrem eigentlich Beruf.

Warum klappt es bei den Fashionbloggern so gut den Blog zum Beruf zu machen und woran hapert es bei den Beautybloggern?


Ich bin zuwenig in der Szene drin, aber ich vermute mehreres:

Sie wollen es nicht: Es ist ein schönes Hobby, in dem man seine Kreativität ausleben kann, mehr muss aber nicht sein.

Kosmetik ist nicht Mode: Ich denke, Kosmetik wird eher nach dem Gieskannenprinzip vertrieben - je mehr Blogger darüber berichten, desto besser. Denn sie ist überall verfügbar. Wenn ich ein Produkt sehe, möchte ich, dass der Blogger darüber berichtet hat, damit ich weiß, ob ich es kaufen soll. Umgekehrt möchte ich, dass Produkte, über die der Blogger schreibt, für mich leicht erreichbar sind. Blogger geben eine Richtung vor, um sich im Produkte-Dschungel zurecht zu finden.

Mode ist individueller und für mich ein Luxusprodukt. Selbst ein H&M-Pulli kostet mehr als 5 Lidschatten. Ich überlege sehr genau, ob das Kleidungsstück zu mir passt.  Bei Mode kommt es weniger auf die Nutzerfreundlichkeit an, sondern es geht darum, sich entweder von anderen zu unterscheiden oder sich der Masse zugehörig zu fühlen, indem man einem Trend folgt. Dem ist sich die Modeindustrie bewusst und investiert viel Geld in wenige Vorbilder.

Fazit


Haare
Le fin, c'est moi!
Es wäre schon, mit dem Blogger Geld zu verdienen. Es wäre schön, weil man seine Fähigkeiten zum Wohle der Nutzer einsetzt und es wäre schon, dafür finanziell belohnt zu werden. Gleichzeitig ist die größte Belohnung, dass man sich weiterentwickelt und neue Leute kennenlernt :-)

Mir ist aber auch aufgefallen, dass Bloggen meist nur ein Bonbon ist - entweder ein Teil der Freizeit oder eine Ergänzung zum Beruf. Vom Bloggern allein leben tun wenige und ich denke, dass nur wenige das wirklich wollen. Es ist viel Aufwand und nicht jeder ist charakterlich so beschaffen, dass er das durchhält.

Könnte ich wählen, würde ich 1/4 meiner Arbeitszeit ins Bloggen investieren wollen.

Daher danke ich allen Bloggern, deren Werke ich bisher lesen durften und die das (fast) unentgeltlich tun :-)

Und: Meinen eigenen Lesern. Die auch meine Arbeit zu schätzen wissen :-)

 

Last but not least


Eine schöne Aktion zum Thema "Wie blogge ich" findet sich auf den Lesestunden.

Kommentare:

  1. Huhu,
    schade, dass du bei der Montagsfrage von Buchfresserchen nicht mitgemacht hast – aber gut, dass du diese Montagsfrage beantwortet hast, denn diese fand ich auch sehr interessant :)
    Für mich persönlich ist mein Blog sowas wie Beruf und Hobby in einem. Er ergänzt mein Studium, da ich genau diesen Bereich studiere. Und es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich Menschen auf Marketing, Werbung (was wir im Grunde ja mit unseren Buchrezensionen auch machen) reagieren. Ich liebe meinen Blog und arbeite gerade daran, aber NUR den Blog zu haben, wäre mir auf Dauer vermutlich einfach zu wenig. :)
    Toller Beitrag.
    Liebe Grüße
    Julia

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  2. Marketing und Bücher ist ein spannendes Thema :-) Welche unterschiedlichen Wahrnehmungen haben dich besonders überrascht?

    Meistens arbeiten Blogger hinter den Kulissen auch viel xD

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  3. Hey Evy :)

    Da hast du dir aber wahnsinnig viele Gedanken gemacht. Ich bin echt geflasht. :)
    Die Frage, ob ich irgendwann mit dem Blog Geld verdienen soll (Mein Opa will, dass ich das mache, weil sonst ist ein Blog ja nur "Zeitverschwendung".) hab ich mir selbst auch schön öfters gestellt, aber wenn ich ehrlich bin, will ich das gar nicht.

    Mein Blog ist mein Hobby und das soll er auch bleiben, sonst würde ich mich irgendwann nur noch unter Druck gesetzt fühlen. :) Ich freue mich, wenn ich das ein oder andere Buch gestellt bekomme, was ich sonst kaufen müsste, aber Geld möchte ich damit nicht verdienen.

    Liebe Grüße
    Anni-chan

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    1. Manche Menschen haben sogar Probleme damit zu verstehen, was das Internet ist. Und ... sie wollen unser Bestes ....

      Freut mich, dass du das so entspannt siehst! Andererseits gibt es als Blogger viele Tätigkeiten, die man auch in einem Job macht: Mails (sachlich) beantworten, Fristen (für Rezensionen) verhandeln und einhalten... Es ist wie ein Ehrenamt :-)

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  4. Hallo Evy,
    wirklich interessante Antworten und ein tolles Fazit. :)
    Ich glaube, dass sich einiges ändern würde, wenn man das bloggen zum Beruf machen würde. Für mich ist es ein Hobby, was mir unheimlich Spaß macht. :)
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Danke! Ich habe heute einen Artikel über den Preisverfall bzw. Firmen, die nicht fürs Bloggen zahlen wollen, gelesen. Das finde ich gruslig. Wenn ein riesiger Bedarf vorhanden ist, aber man Leuten ständig klar machen muss, dass Bloggen Arbeit ist. Als Hobby-Blogger ist das angenehmer :-)

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  5. Für mich ist mein Blog so etwas wie Arbeit, eine Hauptätigkeit. Ich mache derzeit ein Fernstudium zum Weblogger und möchte lernen, professionell zu bloggen und eventuell irgendwann auch mit meinem Blog Geld zu verdienen (mal sehen, was sich ergibt). Gleichzeitig ist es für mich aber etwas, das mir Spaß macht und für das ich brenne. Mein Blog hilft mir, mich selbst weiterzuentwickeln und neue Kontakte zu knüpfen. Ich habe über meinen Blog so viele interessante Leute kennengelernt (zum Beispiel dich! <3) und das innerhalb von nicht einmal einem Jahr. :)

    Dein Blog hat mir übrigens auch sehr gut gefallen. Danke, dass du mir den Link gegeben hast. Werde dir gleich mal folgen :)

    Ganz liebe Grüße
    Myna

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    1. Oh, danke! Mutig sein lohnt sich manchmal! Ich wünsche dir viel Erfolg. Die Monetarisierung von Blogs ist ein riesiges Thema mit vielen Möglichkeiten!

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  6. Huhu :)

    Vielen Dank für deinen lieben Kommentar zu meinem Montagsfrage-Post :)

    Diese Montagsfrage ist natürlich auch sehr interessant!
    Ich muss sagen, hauptberuflich möchte ich nicht bloggen müssen, da es für mich immer ein Hobby bleiben soll! Natürlich freut man sich, wenn der eigene Blog immer etwas "berühmter" wird, aber ich weiß nicht ob man damit genug Geld verdienen kann, damit man gut überlebt.

    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Ich habe Berichte einiger Blogger gelesen (ich finde das Thema spannend!) und habe festgestellt: Nur vom Blog kann keine überleben. Meistens kommen Artikel für Zeitungen, Werbekonzepte etc. dazu.

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