Freitag, 5. Februar 2016

Montagsfrage - Wo kaufst du deine Bücher?

Hallo!

"Sag Blogger, wie hältst du's mit den Büchern?" Die erste Monatsfrage seit langem, die ich beantworte. So eine Gretchenfrage! Die einfache Antwort wäre: Ich kaufe zu wenige Bücher, um das eindeutig sagen zu können.

Buch und PlexiglasDie komplizierte Antwort ist: Seit der (pseudo)Aufregung um die letzte Amazon-Gratis-Aktion frage ich mich, ob ich noch reinen Gewissens sagen kann, dass ich Amazon gut finde. Die Frage, ob man seine Bücher online oder im Buchladen um die Ecke kauft, führt auch zur Frage "Welchen Bezug zur realen Welt hast du noch?" Bin ich zu sehr daran gewöhnt, dass Bücher binnen zwei Tagen vor meiner Haustüre liegen? Weiß ich die Arbeit des Buchhändlers noch zu schätzen? Muss ich das überhaupt? Habe ich ein Problem mit Buchhändlern?

*durchatmen* *schreiben*


Was ist die Montagsfrage?


Die Montagsfrage (der Buchblogger) ist eine wöchentliche Aktion, die die Kommunikation bzw. Vernetzung zwischen Bloggern fördern soll. Sie wird derzeit von Buchfresserchen geführt. Jeden Montag wird eine Frage ausgewählt, die die Blogger beantworten können. Über ein Tool werden die Links zu den Blogs in den Beitrag zur Frage eingefügt, sodass man sich bequem alle Antworten angucken kann :-)

Ich finde die Montagsfrage sehr praktisch, weil man eine Aufgabe hat, wenn man andere Blogs besucht - man guckt sich nicht nur Artikel an, man hat eine gemeinsame Diskusionsgrundlage :-)

Die Frage


Diese Woche lautet die Frage komplett:


Buchhandlungen vs. Online-Shop – wo kauft Ihr Eure Bücher ein?

 

Mögliche Optionen


Ich bin als Käufer eher pragmatisch - ich möchte ein breites Angebot haben, einfach bezahlen können, aber es ist mir nicht so wichtig, dass ich das Buch sofort haben kann. Außerdem muss ich mich im Laden wohlfühlen.

 

 Amazon und Thalia und.. Sonstige


Online-Shops, besonders Amazon, finde ich praktisch, weil ich alle Infos auf einen Blick habe - ich kann mir Rezensionen zum Werk durchlesen, nach Mängelexemplaren gucken und alles mit einem Klick kaufen (bei E-Books). Ich kann mich über ein Buch informieren, ohne, dass mich der Händler fragt, ob ich es kaufen möchte.

Der Nachteil ist, dass ich auf dürftige Leseproben angewiesen bin, die zwar meistens verfügbar sind, aber besonders bei Printbüchern die ersten (Leer)Seiten zeigen. Oder Kapitel 22 :-) Und bei E-Books lässt sich schwer die Menge abschätzen. Außerdem gibt es Autoren, die ihre Bücher über eine eigenen Webseite verkaufen, sodass ich mich wieder mit meinen Daten anmelden und gucken muss, ob die Zahlungsbedingungen für mich ok sind.

rosaNerven tut mich vor allem das Formate-Problem bei E-Books. Als ich vor 5 Jahren meinen E-Book-Reader kaufte, hatte ich mir das einfacher vorgestellt. Ich dachte, dass alle Händler dasselbe Format anbieten. Dem ist nicht so. Mein Problem ist: Ich finde es unbequem, am PC zu lesen. Und als Besitzerin eines Sony-Readers bleibt mir nichts anderes übrig, als Amazon-Bücher über die App am PC zu lesen. Es sei denn, ich versuche das Buch legal oder illegal ins E-Pub-Format zu bekommen... Oder ich warte ein paar Monate...

Die Verführung, auf "kaufen" zu klicken, ist groß, aber ich versuche das zu vermeiden und zu überlegen, ob ich das Buch tatsächlich lesen werde.

 

Kleine Buchhandlungen


Wir haben bei uns tolle Buchhandlungen wie Büchers Best und sogar eine Frauenbuchhandlung. Aber ich gehe nur selten rein, weil mir das Angebot zu klein ist. Es ist schön, dass man eine komprimierte Auswahl an Büchern hat und sich von Werk und Werk hangeln kann. Es ist dort sehr gemütlich und man findet auch Indie-Bücher.

In eine Buchhandlung zu gehen, bedeutet für mich Abschalten. Es bedeutet, eine Pause zu machen und sich durch den Laden treiben zu lassen.

Andererseits fühle ich mich besonders in kleinen Buchhandlungen unwohl, weil ich nicht weiß, ob mich der Händler als störend empfindet oder ich ihn als störend empfinde, weil er mir helfen will und ich nicht weiß, ob mir geholfen werden soll *ein High-Five für meine Ängste*


Meistens besuche ich Buchhandlungen auf Reisen, weil ich eine Erinnerung an die Stadt haben will. Außerdem bin ich entspannt und kann später sagen "Ich war sowieso nicht ganz klar im Kopf, als ich das gekauft habe. Kein Wunder, dass es auf dem SuB landet!" (meistens finde ich Bücher, die ich in solchen Situationen kaufe, später ziemlich gut :-) )

Meine Lieblingsbuchhandlung ist (immer noch...) der Ludwig-Laden im Leipziger Hauptbahnhof. Er befindet sich im "alten" Teil des Bahnhofs und hat eine majestätische Ausstrahlung :-) Deswegen stehe ich meistens aufgeregt an der Kasse und rufe "Beeilung, mein Zug kommt in 5 min. Aber ich musste noch ein Buch kaufen!"

 

Buchhandelsketten

 

Shades of Grey
Mit Buchhandelsketten wie Thalia und Hugendubel bin ich aufgewachsen :-) Ich liebe es, mich in Regalen zu verkriechen und anonym zu stöbern. Außerdem sind alle Bücher geordnet und man weiß, dass man findet, was man sucht. Wenn der Laden weniger als 3 Etagen hat, klappt das sogar ohne Hilfe ....

Manchmal ist es mir in Buchhandlungen zu laut oder das Licht ist zu grell oder es gibt keine Möglichkeiten, um entspannt in einem Buch zu blättern. Ja, ich stehe drauf, wenn ich auf einem Sofa sitzen und ne halbe Stunde lesen kann. Und ich komme auch wieder :-)

 

Messen


Eine Messe bedeutet Ausnahmezustand :-) Plötzlich werden Verlage präsent und erinnern an Pop-Ups, die einen mit Gummibärchen, Promis und Menschentrauben anziehen. Und man möchte überall zugreifen! Gäbe es nicht die Messebuchhandlung. Die man, anders als die Imbiss-Stände, nicht anhand ihres Geruches finden kann. Man ist somit auf Menschen angewiesen, die in gelben Shirts an Ständen stehen... Das verhindert, dass zu exessiv gekauft wird :-)

Trotzdem sind die Bücher, die ich auf Messen kaufe, etwas Besonderes - entweder, weil sie relativ lange ungelesen bleiben oder weil ich später denke "Hätte nicht sein müssen..."

Zusammenfassung


Es fällt mir schwer, das abschließend zu sagen, weil ich sehr oft auf Amazon stöbere und gefühlt viele E-Books lese. Tatsächlich kaufe ich aber viele Bücher spontan in Buchhandlungen. Ein Papier-Buch hat .. einen Umschlag.. und Seiten... und man kann es anfassen - sehr überzeugend :-)

Ich glaube, es ist egal, WO ich das Buch kaufen. Wichtig ist, dass es bei mir ist.

Kommentare:

  1. Hey Evy :)

    Sehr schönes Fazit. Solange man die Bücher am Ende im Regal hat, ist doch alles gut, oder? :)

    Die Messebuchhandlung musste ich das letzte Mal auch suchen. Dieses Mal mach ich Jagd auf die lieben Leute in gelben Shirts. Das werden lustigerweise viele meiner Kommilitonen sein. ^^"

    Liebe Grüße
    Anni-chan

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    1. Ob es Mengenrabatt gibt? Finde 10 Komilitonen und du bekommst ein Buch gratis? :-)

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  2. Wow, das nenne ich mal eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Super und perfekt auf den Punkt gebracht. Kann ich nahezu so unterschreiben.
    Und den Ludwig-Laden im HBF Leipzig werde ich mir mal vormerken. Bin eh mindestens 2x im Jahr in der Stadt - zur Buchmesse und zum WGT - und da muss mal ein Abstecher dorthin drin sein.

    LG,
    Anja

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    1. Dann hoffe ich, dass meine Empfehlung deinen Geschmack trifft :-) Zur Buchmesse ist überall viel los - aber in diesem Laden nicht.

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  3. Sehr interessante Auseinandersetzung und wirklich ausführlich :) Auch wenn ich komplett gegen Amazon und sonstiges bin, was Bücher angeht, kann ich natürlich verstehen wie einfach und praktisch das sein kann. Hab es ja selber erst letztens gemerkt :O
    Wenn ich das nächste mal in Leipzig bin schaue ich auf jeenfall in der Buchhandlung mal vorbei :)

    LG Cubey :3

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    1. Danke für den Kommentar. Ich glaube, die Montagsfrage hat viele Teilnehmer animiert, mehr im Laden zu kaufen!

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  4. Hallihallo!

    Eine wirklich interessante und ausführliche Antwort der Montagsfrage :) Mit kleinen Buchhandlungen habe ich auch eher meine Probleme, da mir die Auswahl meist auch deutlich zu klein ist. Deshalb gehe ich auch eher in größere Buchhandlungen, falls es mich zufällig mal in die Nähe verschlägt. Dann stöbere ich gerne durch die Regale und verlasse das Geschäft meist nicht mit dem ein oder anderen neuen Buch ;)

    Ich bleib gleich mal als Leserin hier :)

    Liebe Grüße,
    Lisa von Prettytigers Bücherregal

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    1. Danke, das ist sehr schön :-) Ich glaube, wenn man sein Thema gefunden hat, ist es toll, sich in einer speziellem Buchhandlung nur diesem widmen zu können :-)

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  5. Hallo Evy,
    Eine ziemlich tolle und ausführliche Antwort wie ich finde.
    "Ein Papier-Buch hat .. einen Umschlag.. und Seiten... und man kann es anfassen - sehr überzeugend :-)"
    Genau das ist mir auch ziemlich wichtig! Bei einem Ebook geht für mich einfach etwas verloren. Der Geruch des Papiers, das Geräusch beim Umschlagen der Seiten. Und vorallem die Erinnerung an die Geschichte wenn das Buch im Regal steht und ich mit den Fingern über die Buchrücken fahre. :D

    Liebe Grüße,
    Jamie

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    1. Haptik ist mir sehr wichtig. Aber das, was du beschreibst, trifft auch auf meinen Reader zu - ich liebe es, dazusitzen, das Display leicht dunkel, und zu lesen. Mit einem leichten Wischen kann ich zur nächsten Seite gehen und das ist... gemütlich. ich habe eine richtige Beziehung zu meinem Reader aufgebaut und freue mich, dass er mir seit Jahren gute Dienste leistet!

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  6. Ein schlechtes Gewissen sollte man nie haben, wenn man bei amazon (mache ich manchmal auch) oder sonstwo einkauft. Solche Situationen kann man nie vermeiden. Wichtig ist, nach gleichwertigen Alternativen für sich zu suchen und auch auf sie zurückgreifen, wenn sie einem zusagen - und dann sollte man sich mit einem guten Gewissen belohnen.
    Mir ist die Unabhängigkeit des Buchhandels wichtig und für die gehe ich auch Kompromisse ein. Zwar erwarte ich von anderen nicht dasselbe, aber freue mich sehr, wenn es doch (eines Tages) der Fall ist.
    Ebooks lese ich gerne, weil ich dieser Materialschlacht entgehen möchte. Meine Herzensbücher muss ich auch in Papierform haben - aber das reicht mir dann auch. Dafür genieße ich meine "wenigen" physischen Bücher umso stärker.
    Ich mag die reflektierende Art deiner Antwort sehr. Sie zeigt, dass du viel nachdenkst, was ich an meinen Mitmenschen besonders mag (naja, wer mag diese Eigenschaft nicht? ;) ).
    Auf deinem Blog werde ich bestimmt noch mal intensiver stöbern.

    Liebe Grüße, Sabrina

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  7. spannend finde ich eure gedanken - relativ emotionslos, mit dem eindeutigen ziel, bücher zu kaufen (und auch zu lesen) das finde ich gut - ich habe dasbuchcafe in wiener neustadt - eine kleine buchhandlung, die auch online verkauft und bücher verschickt... - um die vielfalt - bücher dort und da einzukaufen - zu erhalten, schaut wirklich öfter mal in kleine läden...

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    1. Wenn ich mal in Wien bin, gehe ich vorbei!

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  8. Hallo Evy,
    eigentlich würde ich auch viel lieber regionale kleine Buchhandlungen unterstützen, weil ich einfach viel lieber die Bücher in die Hand nehme, bevor ich sie kaufe und man auch einfach anders stöbern kann, als im Internet. Aber wie du sagst: Das Angebot ist viel zu klein. Im Internet findet man einfach ALLES.
    Ebenso habe ich bemerkt, dass auch die Ketten immer weniger Bücher in ihren Läden haben. Letztens war ich bei Thalia und wollte Careless kaufen (von S.C. Stephens – wirklich kein unbekanntes Buch) und da sagte man mir auch, das wäre nicht da, man müsste es bestellen. Das finde ich wirklich schade. Oft denke ich mir dann, ich spare mir den Weg in die Buchhandlung und bestelle lieber gleich. Mit Amazon Prime ist es meist sogar schon direkt am nächsten Tag da. Die Konkurrenz ist eben leider groß ...
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Manche Läden haben auch eine App oder man kann im Internet gucken, ob das Buch im Laden verfügbar ist. Trotzdem doof, wenn man spontan reingeht und nix da ist :-(

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