Donnerstag, 14. April 2016

"WG mit Biss" von Vanessa Carduie

Hallo!

NachtsEigentlich stehe ich nicht auf Vampire. Ja, es gab eine Phase, in der ich Tweileid gelesen und 3 Filme geguckt habe (und das Cover zum ersten Band vom Piper ist heute noch geil!), aber mich reizte das Genre nicht. In Vanessa Carduies Buch spielt allerdings in Dresden - und mich interessiert es, wie die Stadt eingebunden wird. Revierkampf konnte mich nur mäßig begeistern, aber.... warum nicht das Angenehme (Dresden) mit dem Nützlichen (Genre erweitern) verknüpfen? Und nebenbei mit anderen... plaudern?


Ich habe übrigens tatsächlich den Hausmannsturm bestiegen - tolle Aussicht, aber ... das alte Gemäuder ist modernem PVC-Boden gewichen :-)



Allgemeines


Das Buch wurde über CreateSpace veröffentlicht und hat ca. 372 Seiten. Als E-Book kostet es 3 EUR, als Papier-Version 11 EUR.

"WG mit Biss" ist der erste Band der "Schattenseiten"-Trilogie.

Die Autorin


Vanessa Carduie wurde 1988 in Dresden geboren und hat Biologie studiert.

Weitere Infos gibt es auf der Autorenseite. Dreamlike Books hat außerdem ein interessantes Interview mit Vanessa geführt und bei Emily Thomsen gibt es eine Antwort auf die Frage, wie das Buch riecht :-)

Inhalt


Vampire kennen wir. Werwölfe auch. Aber was passiert, wenn beide (mehr oder weniger freiwillig) in eine WG ziehen? Und wenn sich herausstellt, dass der Ex-Mitbewohner nicht nur komisch, sondern kriminell war? Und Verbrechen geschehen, die aufgeklärt werden müssen? Fragen über Fragen. Und nebenbei der ganz normale Alltag...

Das Buch verknüpft Elemente einer Lovestory mit denen eines Thrillers, ein bisschen Fantasy und erfrischendem Alltag.

Charaktere


Fabian ist über 200 Jahre alt und lebt im Hausmannsturm. Er ist ein bodenständiger Vampir, der genauso schlagfertig ist wie Erika. Er hat etwas Elegantes und ich fand ihn nett.

Erika wird im Buch als lebensfroh und emotional beschrieben. Obwohl sie sich mit Fabian heftige Wortgefechte liefert, muss sie in diesem Band viel leiden, Menschen trösten und Probleme lösen. Neben ihrem Studium :-) Im Gegensatz zu Fabian ist sie als Werwolf in eine Gemeinschaft eingebunden. Das gibt ihr Sicherheit, bedeutet aber auch, dass sie ihr Tun vor dem Anführer und der Gruppe rechtfertigen muss. Fand ich sehr interessant!

Valeria ist eine Hexe, deren Geschichte im nächsten Band weitergeführt wurde. Sie ist ein schüchterner Mensch, dem Schlimmes angetan wurde. Sie spielt im Buch eine Nebenrolle, ist aber oft präsent. Valeria soll sich entwickeln und das tut sie.

Das Kollektiv ist gut gestaltet. Manche Nebenfiguren tauchen am Anfang auf, einige später. Sie begleiten das Pärchen Fabian-Erika, ummanteln das Geschehen und lockern auf. Ihre Rollen sind prägnant, behindern aber nie den Haupthandlungsstrang. Gut komponiert!

Themen

Semperoper
Dresden: Die Erzähler bewegen sich durch Dresden, als wären sie Einheimische. Am Anfang gibt es einen kurzen Exkurs zur Geschichte, aber ansonsten werden Orte erwähnt, aber nicht hervorgehoben. Das gefällt mir gut! Da die Handlung nur in der Stadt (und in einem Wald) spielt, fühlte ich mich sehr wohl. Ich konnte das Geschehen, auch örtlich, überblicken und das war gut!

Gruppen: Erika hat nicht nur ihre Eltern, sondern auch das Rudel. Das bedeutet, dass sie abklären muss, was sie tun kann. Und nicht jedem gefällt, was sie macht. Gleichzeitig herrscht ein tiefes Vertrauen zwischen ihr und ihrem Anführer.

Liebe: Wenn sich ein Vampir und ein Werwolf verlieben, läuft das erstaunlich normal ab. Denn beide sind sich ähnlicher, als sie denken :-) Die Autorin fügt der Liebesgeschichte ein interessantes Element hinzu, das die Beziehung für mich greifbarer machte.

Erotik: Es passiert. Mehrmals. Öfters. Manchmal angedeutet, manchmal heftig. Gut geplant, aber für mich ein bisschen zu häufig. Ich fand's heiß, aber irgendwann stumpft man ab.

Spannung


Einer der größten Stolpersteine im Buch ist die Spannung.

Dramaturgisch, weil die Liebesgeschichte einen großen Teil einnimmt und schnell klar wird, dass sich die beiden lieben. Die Worgefechte, die ich von der ungewöhnlichen Konstellation erwartet hatte, waren reduziert.

Auch wenn die Handlung im letzten Drittel interessant wird, weil zwei Probleme zusammenhängen, was mich an einen Thriller erinnerte, reicht das leider nicht aus.

Stilistisch schafft es die Autorin leider nur selten, die Handlung an entscheidenden Stellen so zu raffen, dass sie spannend ist oder Konflikte zuzuspitzen, dass sie spürbar werden. Den Höhepunkt der Geschichte hätte ich fast verpasst, weil er in einem Satzgefüge verpackt ist. Es plätschert einfach.

SchlossInhaltlich fehlt es mir an Spannung, weil die fanastischen Gestalten erstaunlich menschlich sind. In der Mitte des Buches fragte ich mich, ob Vampire/Werwölfe außer den "gängigen" Merkmalen Besonderheiten haben, die sich die Autorin ausgedacht hat. Haben sie (fast) nicht. Das wirft die Frage auf, ob Vampirgeschichten, wenn sie anders sein wollen, noch verrückter werden (irgendwann glitzern Vampire duochrome :-) ) oder ob Autoren Dinge weglassen, um Vampire in den Alltag zu integrieren. Die Autorin entscheidet sich für letzteres und damit komme ich nicht klar. Vielleicht, weil die Protagonisten zuwenige Probleme haben - sie haben weder ein Problem mit sich, noch mit ihrer Umwelt. Bis auf den Kriminalfall und das Blut-trinken ist nicht viel. Ich denke, man kann diese Weg gehen, ich bin gespannt, was noch kommt. Aber in Kombination mit dem Rest des Buches macht es die Figuren ziemlich blass.

Schreibstil und Satz


Vanessa Carduies Schreibstil ist so gut, dass es kaum auffällt. Der Text fließt ohne Stolpersteine dahin, er wirkt erwachsen, durchdacht und erklärt nicht zuviel. Die Menge an Infos ist richtig.

Das Geschehen wird aus Erikas und Fabians Perspektive erzählt. Beide unterscheiden sich ein bisschen, es könnte aber prägnanter sein. Gut gefallen hat mir, dass die Kapitel nahtlos aneinander schließen und man keine Information doppelt liest.

Im Text, den ich im März bekam, waren nur wenige Tippfehler *hurra* und ein kleiner Absatzfehler. Schwieriger war, dass der Zeilenabstand gering war und der Text deswegen massig wirkte. Das wird aber korrigiert :-)

Fazit

Zwinger
"WG mit Biss" hat mir gezeigt, dass man sich bei einer Trilogie durch den ersten Band kämpfen muss. Das Buch ist gut komponiert, hat sympatische Hauptfiguren und eine Umgebung, an die man sich schnell gewöhnt. Die Handlung ist abgeschlossen und der Schreibstil schön. Leider fehlt es dem Buch tatsächlich an "Biss", an Tempo, an Dingen, die einen voran treiben. Freunde romantischer Lovestorys (und netter Sex-Szenen) werden sich an einem warmen Frühlingsabend auf den Balkon setzen und genießen. Mir gefiel es leider nicht. Allerdings hoffe ich auf Band 2 - denn dort wird die Geschichte Tamaras erzählt und das verheißt Action :-)

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