Mittwoch, 18. Mai 2016

"Batman v Superman" - eine Filmkritik ohne Knall

BatmanHallo!

Es war an einem sonnigen Donnerstagspätnachmittag, als mir die Kinnlade runterklappte. "16,50 EUR für eine Kinokarte? Dir fehlen wohl ein paar Gummibärchen in der Tüte!", brüllte ich meinen besten Freund an. Schlimm genug, dass ich mich in ein Bumm-Krach-Action-Movie schleppen lassen muss, jetzt zahle ich dafür noch umgerechnet 2 Mangas und eine Schachtel Pralinen - und davon hätte ich mehr. Oder... eine Theaterkarte - dann hätte ich wenigstens die Aussicht! Aber die Filmindustrie hatte gut kalkuliert - Wochenendzuschlag, Überlängenzuschlag, Vorverkauf, 3D-Zuschlag und IMAX-Zuschlag, damit das Prügel-Feuerwerk noch schöner knallte. Ebenso wie der letzte Vodka auf einer Party, den man lieber nicht hätte trinken sollen... Wie dem auch sei: Zwei Stunden später hatte ich ein günstigeres Kino, gegenüber, gefunden, das mir immerhin den IMAX-Zuschlag ersparte...


Handlung


"Batman v Superman" (bitte: "versus", damit es nicht wie ein Grammatikfehler klingt...) läuft 151 Minuten und zeigt, wie Superman und Batman aufeinander losgehen, um sich schließlich gegen Lex Luthor zu verbünden.

Zwei Dinge machten den Film für mich spannend: Die Superhelden-Problematik und die Frage, wann Lex Luthor sein wahres Gesicht zeigt.

Grundthema


Während andere Filme sich damit beschäftigen, dass der Held die Stadt rettet und alles gut ist, geht dieser einen Schritt weiter und beschreibt, was passiert, wenn Superhelden Alltag sind. Denn leider gehen Superhelden-Einsätze nicht ohne Kollateralschäden über die Bühne, sodass u.a. ein Gebäude von Batmans Firma "kaputtgeht" und viele Menschen sterben. Superman kämpft für die "gute Sache", aber die Frage ist, zu welchem Preis. Deswegen sollen seine Einsätze reglementiert werden.

Außerdem will Superman, neben der Menschheit, meistens seine Freundin retten. Und Batman ist ein bisschen neidisch, denke ich.

Charaktere und Schauspieler

Superman
Superman (Henry Cavill): Superman wirkt in diesem Film ein bisschen orientierungslos. Er will die Welt retten, immer, und noch lieber als die Welt seine Freundin. Dafür nimmt er gern Schäden in Kauf. Wirkte Superman in "Smallville" noch menschlich, haben  wir hier einen Kraftbolzen, der Gutes will und Schlechtes auslöst. Ein bisschen naiv. Henry Cavill kenne ich aus den "Tudors" und ich wollte dieses breite, eindimensionale, leicht per Computer verschönerte Muskelpaket schon nach kurzer Zeit nichtmehr sehen. Ich glaube, für die Schauspieler selbst ist es ein tolles Erlebnis, Muskelmasse aufzubauen, den eigenen Körper zu besiegen und sich in aufwändigen Kampf-Choreografien besser kennenzulernen. Aber für mich als Zuschauer war das abstoßend.

Batman (Ben Affleck): Es gibt mir wenige Schauspieler, die in jungen und reiferen Jahren gleichermaßen charismatisch wirken. War Affleck in "Good Will Hunting" usw. eher der Typ "Best Buddy", zeigt er hier, dass der auch den verantwortungsvollen Firmenboss gut spielen  kann - die grauen Schläfen stehen ihm *sabber* Batman steht mit seinem düsteren Hauptquartier und der tragischen Familiengeschichte im krassen Gegensatz zum strahlenden Superman. Aber trotz aller Faszination: Auch Batman wirkt wenig-dimensional. Seine Motive, Superman zu bekämpfen, sind schwer durchschaubar. Es ist, denke ich, eine Mischung aus Neid und der Tatsache, dass er Dinge anders angeht. Währedn Batman eher für sich kämpft, will Superman alle retten. Das Ergebnis ist aber das gleiche - Schmerzen und Menschen, die leiden. Im Gegensatz zum ersten Christian-Bale-Batman  kam mir die Technik-Affinität zu kurz (nur die Szene auf der Party Lex Luthors war schön) und sein Kostüm war mir zu vollgepackt, es wirkte wie eine Rüstung.

Lex Luthor (Jesse Eisenberg): Wer Jesse Eisenberg nur als nerdigen Marc-Zuckerberg-Darsteller kannte, wird hier eines besseren belehrt. Ähnlich verrückt, aber wesentlich perfider wirkt Lex Luthor. Ich ahnte von Anfang an, dass dieser Mann gefährlich ist, aber ich wusste nie, wann er seine Trümpfe ausspielt. Ich finde es toll, dass Lex Luthor durchgeknallt, aber nicht völlig abgehoben wirkt. Trotzdem hatte er zuwenig "Screentime". Denn die Hauptdarsteller sind leider Batman und Superman. Und seine Klamotten waren toll! Nur die Haare wirkten wie eine Perücke (obwohl ich vermute, dass man dafür Eisenbergs echte Haarpracht quälte...)

Wonder Woman (Gal Gadot): Die exotische Femme Fatale, die Batman ärgert und am Ende für nichts und wieder nichts mitkämpft.... Ich fand die Figur sehr charismatisch, aber sie durfte nur selten mehr sein als die verführerische Frau.

Batman nah
Lois Lane (Amy Adams): Die Figur wirkte auf mich taff und sehr authentisch. Im Gegensatz zur Lois aus der 90er-Jahre-Superman-Serie wirkte Lois hier weniger verbissen. Sie opfert sich für ihren Job auf und weiß, was zu tun ist. Sie ist weder das leidende Püppchen noch das teilnahmslose Etwas. Sie hat Persönlichkeit :-)



Alfred (Jeremy Irons): Jeremy Irons ist ein charismatischer Schauspieler, der in einer Nebenrolle völlig deplatziert ist, weil er immer präsent wirkt. Aber das stört mich nicht, denn das Mechaniker-Kostüm steht ihm. Er durfte ein paar väterliche Ratschläge geben und Batman darauf hinweisen, dass Alkohol nicht zu den gesündesten Lebensmitteln zählt. Sympatisch. Am meisten störte mich Irons Synchronstimme. Ich finde sie schön. Aber zu dominant. Als würde man eine Showmoderator als Butler einsetzen. Ich finde Synchronisationen wichtig und manche Zuschauer hätte es irritiert, wenn der Sprecher wechselt. Aber für DIESEN Film wäre es besser gewesen, eine Stimme zu nehmen, die zurückhaltender ist.

 

Viel hauen, wenig stechen


Von 2,5 h nutzt der Film ca. 1,5 h, damit sich die Helden miteinander oder mit anderen prügeln können. Während das in manchem Bollywood-Film mit fetziger Musik und/oder schicker Slowmotion unterlegt wird, um ein bisschen Ironie ins Geschehen zu bringen, ist hier alles sinnloser Ernst. Superman wäre nicht Superman, wenn er sich von einem Waschbecken erschlagen lassen würde. Und wie Batman scheinbar jeden harten Sturz überlebt, leuchtet mir nicht ein.

Ich hatte oft das Gefühl, als müsste man auf jemanden, der am Boden liegt, noch eintreten. Oder als müsste man mit völliger, sicherer und unendlicher Gewissheit zeigen, dass man das Ober-Alpha-Männchen in Gotham ist. Mich hat das traurig und beklommen gemacht.

 

Die Sache mit dem 3D...


Superman nahEs gibt Menschen, die 3D-Filme cool finden. Ich gehöre zu denen, denen das egal ist. Es ist interessant, wenn scheinbar eine Kugel auf mich zufliegt und ich ihr ausweichen will. Und ich bin froh, dass ich die Effekte besser vertrage als vor ein paar Jahren, aber leider kollidiert die 3D-Brille immer mit meiner eigenen. Zwei Stege hinter ein Ohr zu klemmen und ein großes Glas vor ein kleines zu bringen, ist komplizierter als gedacht.

Ich hatte außerdem das Problem, dass ich die Figuren scharf sah, aber den Hintergrund leicht doppelt...

Mit einer schicken Choreo und einer guten Story kann man mich eher fesseln als mit bombastischen Bild-Effekten.

 

Die Musik


Ich denke, die Musik war so gut, dass es nicht auffiel. Nur in der Anfangs- und Schlussszene (die beste im gesamten Film, weil endlich mal RUHE herrscht) zeigen Geigen, wozu sie fähig sind. Ich fand das schön :-)


Fazit


Wie es die Filmfabrik formulierte: Der Film ist "[...] ein Best-Of der besten Teile der verschiedensten DC-Comics" und deswegen für mich zu krass. Ein Kunstwerk muss Längen haben, muss Pausen lassen, in denen der Held wenig erlebt, aber voran kommt. Der Film entscheidet sich für "Action". Ich finde nicht, dass ich mit dem Film meine Zeit verschwendet habe, er war nett anzusehen. Aber mehr reden wäre besser gewesen :-)

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich fand den Film einfach zu langatmig und eher schlecht. Batman hatte schon eine Grund, den Superman war Schuld am Tot vieler, als er in seinem Gebäude in Gotham City beim Kampf krachte und alles zum Einsturz brachte. Die Länge war echt heftig, genauso wie der Ticketpreis. Wir haben auch soviel hingelegt uns eigentlich nichts bekommen. 3D mag ich überhaupt nicht und bei schnellen Szenen kan ich nicht mehr folgen.
    Schöne Kritik und ehrlich
    Liebe Grüße

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    1. Ich sehe das ähnlich! Ich habe gehört, dass 3D bei Animations-Filme am besten wirkt - vielleicht werde ich nochmal ins Kino gezerrt :-)

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