Sonntag, 19. Juni 2016

Plus Ehekrach - "Küss mich, Superstar" von Annika Bühnemann und Anna Fischer

Lila BlätterHallo!


Wäre dieses Buch ein Song, dann würde ich ihn als „catchy“, eingängig, bezeichnen. Die Melodie ist leidenschaftlich, der Text emotional. Alles passt, um wunderbar mitzuwippen. Trotzdem hat man das Gefühl, all das schonmal gehört zu haben. Und nach einer Weile merkt man: Es ist schön. Aber nicht einzigartig.




Allgemeines



Das Buch hat ca. 288 Seiten und ist auf Amazon erhältlich. Ich habe das E-Book während einer Promo-Aktion erworben und 99 ct bezahlt. Das Taschenbuch kostet 10 EUR.

Es wurde vom Autoren-Duo Annika Bühnemann und Anna Fischer verfasst.


Cover und Titel



Das Titelbild erinnert mich an ein Cora-Heftchen – eine Frau mit sinnlichen Lippen sieht den Betrachter an, an ihrer Seite ein mürrisch blickender Mann. Leider habe ich die Hauptfigur nicht als sinnlich wahrgenommen, sondern als sehr bodenständig. Als Kontrast befindet sich in der unteren Hälfte ein lila eingefärbtes Bild von Paris – das finde ich sehr hübsch, aber nicht harmonisch genug. Auch wenn die Lichtpunkte beide Motive verbinden und als Seifenblasen gedeutet werden können, passt das nicht – die obere Hälfte nimmt zuviel Raum ein. Bei Romana Grimm hat ein ähnliches Konzept besser funktioniert. Das „I-Tüpfelchen“ ist der Titel in einer Serifenschrift.


Mir hat das Cover nicht gefallen. Durch das Foto wirkt es zu knallig und weckt Assoziationen, die ich nicht mit dem Roman verbinde.


Ähnliches gilt für den Titel. Ich hatte mit einer romantische Teenie-Komödie gerechnet, aber es geht um eine reife Frau, die ihre Träume verwirklichen will. Der „Superstar“ nimmt weniger Raum ein als ihre ständigen Zweifel.


Inhalt



Kati Weber ist angekommen – sie hat ihre Jugendliebe geheiratet und eine Tochter bekommen. Der Job in der Uni-Bibliothek ist gut, aber nicht übermäßig erfüllend. Als Kati auf einem Abi-Treffen eine Filmrolle angeboten wirkt, merkt sie, wie sehr ihr die Schauspielerei fehlt. Nach 13 Jahren Ehe beginnt sie auszubrechen. Einerseits genießt sie das Leben am Filmset und die Gesellschaft von Star Vincent Bergholm, gleichzeitig weiß Ehemann Felix ihren Traum nicht zu schätzen. Kati steht zwischen zwei Männern – wie wird sie sich entscheiden?


Lila Blätter gesamtDie Handlung ist so geradlinig, wie ich es vermutet hatte. Es ist ein Drama, das kein Deutschlehrbuch besser beschreiben könnte: Einleitung mit Hauptfiguren, Zuspitzung des Konflikts, fallende Handlung, Ende. Mit dem Wendepunkt habe ich nicht gerechnet, aber... so soll es sein :-) Trotzdem:  Ich hoffte, dass irgendwann ein großer „Turning Point“ kommt und sich alles als Traum herausstellt. Passierte nicht.


Figuren



Kati Weber ist die Heldin der Geschichte und mit allem Schmutz und Glitzerstaub ausgetattet, den man sich für eine Heldin wünschen kann – der Mann nimmt sie kaum wahr und überlässt ihr den Haushalt, die Tochter ist in der Pubertät (aber erstaunlich nett), die „beste Freundin“ tratscht alles an den Ehemann weiter. Und bis auf einen Auftritt in einer Laientheater-Truppe hat sich nur wenig ergeben. Durch das Angebot wird ihr bewusst, dass sie etwas ändern möchte. Ich bewundere die Leidenschaft, die sie für's Schauspiel aufbringt und dass sie sich in Rollen fallen lassen kann. Gleichzeitig finde ich sie, besonders am Ende, sehr egoistisch. Sie sieht Widerstände, aber sie denkt nicht darüber nach. Sie ist einfach ein bisschen naiv.


Felix ist Katis Mann und kein Sympathieträger. Er erwartet, dass sie den Haushalt macht und vor allem: Er macht die Rolle kleiner. Felix denkt scheinbar nur ans Geld. Erst am Ende erklärt er, was er wirklich fühlt.


Vincent Bergholm ist Filmstar und Felix Gegenspieler. Schon sein Name klingt nach ZDF-Fernsehfilm und er ist, wie erwartet, ein charmanter Mann. Vincent nimmt seinen Beruf ernst und kann gut zwischen Film-Rolle und Filmstar-Rolle unterscheiden. Es nervt ihn, dass Menschen ihn benutzen, um Erfolg zu haben. Vincent Bergholm hat mich, abseits der Klischees, sehr nachdenklich gestimmt. Wie ist es, wenn man Frauen mit seinem Charme betört, ihnen das Gefühl gibt, wichtig zu sein und sie dann selbstbewusster werden. Und sie dann gehen, weil sie die „Erweckung“ brauchten, aber nicht den Mann? Vincent ist der Inbegriff von „Erfolg macht nicht glücklich“ und das macht ihn anziehend und einsam gleichermaßen.


Tammy ist Katis Freundin, aber ich würde sie nicht als Freundin haben wollen. Sie ermutigt Kati, die Chance zu ergreifen, aber ich möchte niemanden haben, der meine Zweifel an den Mann weitergibt. [Spoiler] Am Ende kann Tammy zeigen, wie fies sie tatsächlich ist[Spoiler Ende]


Die Figuren im Buch sind sehr klischeehaft – bis auf die Konfliktbällchen Felix und Tammy wirken alle Figuren positiv und niemand hat Ansprüche. Am besten gefallen hat mir Christian, der Freund, der Kati die Rolle vermittelt – denn ich hätte gern Menschen gehabt, die mir auf meinem Klassentreffen etwas Gutes tun :-)


Themen



Film: Das Buch gibt einen interessanten Einblick in einen Filmdreh. Es zeigt, wie aufwändig er ist und wie schwer und erfüllend es ist, in eine Rolle zu schlüpfen. Leider wirkt alles sehr geschönt. Alle Menschen sind nett zu Kati und haben Verständnis für sie, es gibt (fast) nichts, was ihr Probleme bereitet.


Ehe und Träume: Was passiert, wenn man nach 13 Jahren beschließt, seine Träume zu verwirklichen? Was möchte man selbst und was möchte der Partner? Wie geht man als Partner damit um? Kati gerät in einen Rausch, der nur eine Richtung kennt – nach vorn! Am Filmset bekommt sie nicht nur berufliche Anerkennung, sondern sie wird durch Vincents Verführung als Frau wahrgenommen, nicht als Haus-Frau. Obwohl sie sich als das schwächere Glied sieht, wirft sie ihren Mann (vorläufig) aus der Wohnung und stellt fest: „Wenn du tatsächlich wüsstest, was in mir vorgeht, würdest du mir auf Knien danken, dass ich bei dir bleibe.“ (83 %) Danach begibt sie sich auf einen Selbstfindungs-Pfad und realisiert: Um als Teil der Ehe glücklich zu sein, muss sie als Einzelperson glücklich sein. Felix wiederum bemerkt, dass er sich als Ehemann nicht wertig genug fühlte und seine Frau mit seiner Kritik „festhielt“


Ich finde die Auflösung des Konfliktes schön und fand den Prozess sehr interessant! Leider sind die entsprechenden Passagen ZU schön – es ist zu einfach, dass das einzige Problem nach einer vorläufigen Trennung der geänderte Tagesablauf ist. Es ist zu einfach, dass man vormittags Karten für ein bekanntes Musical am Abend bestellen kann. Und es ist zu einfach, einen Fehler zu erkennen und ihn zu ändern. Vincent sagt bei 61 % „Ich denke, er hat Angst, dass du dich verändern könntest. […] Und dass er kein Teil deiner Träume ist“ Und ich denke, dass das ein Prozess ist, bei dem Mann und Tochter langsam realisieren, dass Kati mehr für sich tut UND Teil der Familie ist. Aber es vorkommen kann, dass sie das Essen abends selbst kochen müssen.

Schreib- und Erzählstil


ein lila BlattDie Geschichte wird aus der Ich-Perspektive Katis erzählt. Gemeinsam mit der leichten Handlung bewirkt das, dass man schnell in der Geschichte ist. Andererseits wünschte ich mir, die andere Seite eines Problems betrachten zu können.


Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist gekonnt bzw. man merkt einfach, dass die Autoren Erfahrungen haben. Die Handlung ist gut komponiert, alle Teilchen haben ihren Platz und der Text ist flüssig zu lesen. An manchen Stellen hätte man eine Wortwiederholung streichen können und dass Restaurants kreisförmig angeordnet sein können (49 %), finde ich ungünstig, aber das waren Kleinigkeiten.

Fazit


Ich bin enttäuscht. Vor 1,5 Jahren habe ich Traummänner und andere Hirngespinste gelesen und wurde positiv überrascht. Die Handlung war ungewöhnlich, vielleicht eine Parodie auf Liebesromane. Aber „Küss mich, Superstar“ war für mich langweilig, vorhersehbar und nicht so kreativ, wie ich gehofft habe.


Er ist „solide Wertarbeit“, gut geschrieben und komponiert. Leser, die sich Aufmunterung und Fröhlichkeit wünschen, werden an diesem Buch ihre Freude haben.

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