Donnerstag, 11. August 2016

Lesetagebuch "On the road" - Tag 10

Hallo!

Am 10. Tag meines Tagebuchs und dem 11. Tag der Klassiker-gegen-das-Sommerloch-Aktion wurde mir bewusst, was sich gestern schon angedeutet hatte: Ich muss in Abschnitten lesen. Während sich andere Geschichten, wie Chaser, in mein Herz bohren und dort verharken, ziehen die Erlebnisse bei "On the road" vorbei und mich erfasst ein Gedankenstrom, den ich nicht festhalten kann. Deswegen muss ich Pausen machen. Und schreiben.


Heute bin ich bis Seite 206 gekommen und der Abschnitt sieht im Buch dünner aus, als er ist :-) Er handelt von der Sylvesterparty in New York und der Fahrt nach New Orleans zu William S. Burroughs, Bill genannt.

Jack beginnt erstmals, über sich und sein Vagabundentum zu reflektieren und das beeindruckt mich. Während er im ersten "Kapitel" die anderen bewunderte, aber seinen eigenen Weg ging, gehört er zur Clique und spürt, welche Position er einnimmt.

Auf der Silvesterparty gerät er mit Pauline, seiner Freundin, aneinander, weil sie Neal nicht mag. Jack stellt fest, dass Pauline eine andere Einstellung vom Leben hat und dass sie ihn einengt. Die Party zieht sich über mehrer Häuser und drei Tage. Sie sehen u.a. George Shearing, von dem Neal sehr ergriffen ist. Neal spielt wieder eine große Rolle. Er scheint die Quintessenz zu sein, der Antrieb. Neal weiß, was er will und setzt getroffene Entscheidungen schnell um. Aber auch er hat eine weiche Seite - er möchte sich beweisen, dass es ihm nichts ausmacht, wenn Jack mit seiner Freundin schläft.

Die Reise der Freunde verläuft problematisch, denn sie werden wegen zu hoher Geschwindigkeit von der Polizei angehalten, die ihnen als Strafe ihr Reisegeld abnimmt. Trotzdem kommen sie irgendwann bei Bill an. Bill ist ein waffenafiner Gelehrter, der u.a. in Europa eine Jüdin heiratete, um sie vor den Nazis zu schützen. Sie bewundern Bill, aber sie wissen nicht, wie sie mit seiner Verrücktheit umgehen sollen. Ähnlich wie seine Frau Joan ist Bill auf "Bennys", Benzedrin, Amphetamin.

Ich finde es faszinierend, dass man schon damals wusste, dass Drogen Menschen zerstören können. Jack deutet an, dass er sich Sorgen macht, er redet abfällig über Drogen. Und dass sie Geld kosten. Vielleicht ist Jack, auch wenn er das Herumreisen liebt, sein persönliches "savoir vivre" erlebt, ein bodenständiger Mensch.

Nachdenklich stimmt mich auch, dass Jack 25 ist - ein Alter, in dem viele Leute fest im Berufsleben stehen - eine Ausbildung oder ein Studium absolviert haben und sich manchmal fragen, ob sie ausbrechen sollen. Der Druck, die Zeit möglichst "sinnvoll" zu nutzen und an spätere Zeiten zu denken, ist groß. Für Jack exisitiert das nicht und er stellt fest:

"Wir alle waren begeistert, wir alle merkten, dass wir Verwirrung und Unsinn hinter uns ließen und unsere damals einzige und noble Funktion erfüllten: Bewegung." (S. 189)

Aber der Schein trügt mich. Denn im Buch wirkt alles intensiver und langsamer. Die Reise nach New Orleans (und weiter) soll nur zwei Wochen dauern - danach will Jack weiter studieren. Dennoch erfasst mich die Leichtigkeit ein bisschen. Auch wenn das Buch eher beobachtend als "dabei" ist. Jack wird gern mitgerissen.

Zur Stimmung passt auch "The Hunt", ein 18-minütiges Stück, auf das der Autor wiederholt Bezug nimmt. Es klingt tatsächlich sehr gehetzt, unstet und überladen mit Eindrücken.

Übrigens


Mein Buch - meine Welt stellt heute "Woyzeck" und "Leonce und Lena" von Georg Büchner vor. Die Sprache in Woyzeck war für mich ungewohnt, weil sie sehr dialekt-lastig und "schräg" ist. Aber, wie der Artikel erklärt, war das Absicht. Schöne Grafiken gibt es auch :-)


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