Montag, 29. August 2016

Lesetagebuch "On the road" - Tag 28

Hallo!

Heute ist der letzte Tag meines Lesetagebuches und zur Review habe ich noch keine Zeile getippt. Es freute mich, dass ich zum Ende kam, doch gleichzeitig bin ich wütend. Die Erklärung folgt.


Auf Seite 536 erwartete mich der Text "Das Herz der Dinge" von George Mouratidis. Der Anfang des Textes klang gut, denn er beschäftigt sich mit Neal Cassedy. Der Autor fragt, wie das Abbild des realen Neals im Buch entstand und wann sich beide trennten. Das wiederkehrende Stichwort ist "Authentizität". Leider verirrt sich der Autor inmitten der Wissenschaft, er kann nicht geifen, was er schreibt und flüchtet sich, indem er weiterschreibt. Ich habe aus diesem Text manches mitnehmen können, aber verstanden habe ich nicht viel.

Schlimmer wird es in "Der gerade Weg führt nur zum Tod" von Joshua Kupetz. Schwerpunkt dieses Nachworts ist die Literaturkritik, besonders die Auseinandersetzung mit den New Criticism. Kupetz erklärt manche Passagen des Textes, was ich sehr aufschlussreich fand. Und er wirft die Frage auf, ob die Urfassung "besser" ist als die Druckfassung. Sehr konkret wird formuliert, dass Kerouac "On the road" erst schreiben konnte, als er mit der Papierrolle ein entsprechendes Medium gefunden hatte. Aber dieser Text war sehr kompliziert, unnötig mit Fachwörter gefüllt und verschachelte. Man hätte viele Gedanken einfacher ausdrücken können, aber vielleicht sind Dinge nur wahrhaftig, wenn man sie aufwendig und fast unentschlüsselbar verpackt.

Ich frage mich bei solchen Texten, wie es dem Autor geht, wenn er so etwas liest. Ist er stolz, wenn die Kritiker die komplexen Sachverhalte und Untertöne erkannt haben? Ist er enttäuscht, wenn die Leser ein Werk auf wenige Aspekte reduzieren und nur den Spaß sehen? Oder ist er verwirrt, wenn die Menschen Details eine Bedeutung beimessen, die für ihn nur Beiwerk waren?

Wäre ich ein Autor (der rezipiert wird...), dann wäre ich wütend und traurig, dass etwas, mit dem ich Menschen berühren wollte, so auseinander genommen wird, dass es keiner versteht. Und dass es Menschen, die den Text entschlüsseln wollen, unnötig erschwert wird.

Mir fehlt bei allen vier Nachworten eines: die Freude. Man versucht, dem Text eine Bedeutung zu geben. Aber er ist spaßig. Es ist schön, dass Jack den Mut findet, allein loszufahren, aber sich später Neal anschließt. Ich mag seine Unabhängigkeit. Ich finde es schön, wie Neal zwischen den Frauen wechselt (genauso wie das Motiv der Zeit, das in einem Nachwort erläutert wird) und am Ende scheitert. Ich finde es schön zu sehen, dass Jack ständig zwischen seinem Ideal der "heilen" Familie und dem Drang, fortzufahren, pendelt.

"On the road" ist gut komponiert, sehr durchdacht und das gefällt mir.  Dass viele Dinge so real sind, dass sie sich perfekt in die Handlung fügen, ändert nichts daran, dass Kerouac seine Erlebnisse gut in Form gepresst hat. Manchmal wirkt die Urfassung noch nicht so "rund", z.B. wenn mystische Motive plötzilch auftauchen und das ein harter Kontrast zur fließenden Handlung ist. Wenn Kerouac seitenlang über Jazzkonzerte schreibt.

Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Irgendwo zwischen Kerouacs philosophischen Gedanken, seiner Verlustangst und dem Genuss der Reisen.

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