Montag, 15. August 2016

Lesetagebuch "On the road" - Tage 12, 13 und 14

Buch und BodenHallo!

Nachdem ich nachgerechnet habe, habe ich mir einen Pausetag gegönnt - gestern bin ich bis S. 283 gekommen. Das Lesebändchen befindet sich in der Mitte des Buches. Außerdem habe ich mich begonnen, Notizen zu machen, weil es viele interessante Dinge zu recherchieren gibt. Leider ist es schwer, sich die Orte im Buch vorzustellen, denn zwischenzeitlich haben sich die Städte stark verändert. Dennoch sind meine Ausflüge in die Tiefen des Internets sehr interessant, weil die Architektur amerikanischer Klein- und Großstädte völlig anders ist als die deutscher Klein- und Großstädte. Die Details zu Geschichte:


Auf Seite 252 endete das Zweite Buch und ich war froh, nach den temporeichen Zeilen, dem ständigen Reisen, einen Ruhepol, eine leere Seite, gefunden zu haben. Auffällig ist, dass Jack vermehrt von Jazz-Musikern schwärmt. Jazz zieht sich durch das ganze Buch, aber an diesen Stellen besonders intensiv. Ständig werden Namen genannt. Bei Jacks Autofahren stelle ich mir vor, wie das heute aussähe - man würde sich nicht einigen, ob man Schlager, Black Metal oder Chopin während der Fahrt hört :-)

Außerdem habe ich ein schönes Zitat gefunden, in dem sich Jack mit dem Umher-Reisen beschäftigt:

"Alles, was ich wollte und was Neal wollte und was alle wollten, war, irgendwie ins Herz der Dinge vorzudringen, wo wir uns wie im Mutterschoß einkringeln und dem ekstatischen Schlag hingeben konnten, den Burroughs mit einer schönen großen Spritze M. erlebte und die Werbemanager in New York mit zwölf Scotch & Sodas im Stouffers, bevor sie in den Säuferzug nach Westchester stiegen - nur ohne Kater" (S. 251)

Die Kritik an ihren Reisen kommt von verschiedenen Seiten - vor allen den Freundinnen der Figuren und Verwandten. Interessant finde ich die Vergleich mit Drogen und Ruhm und die These, dass Reisen keine Nebenwirkungen hat. Jack spürte, dass Ruhm nicht glücklich macht und er hat an vielen Leuten gesehen, wie zerstörerisch Drogen sein können. Aber hat Reisen keine Nebenwirkungen? Ich denke, Jack will sie nicht sehen. Es ist kalt und er gerät in einige Konflikte, er wirkt begeistert, aber selten euphorisch, aber findet es toll; etwas hindert ihn, die Grenze zu überschreiten und, wie Neal, gedankenlos nach vorn zu streben. Allerdings: Neal ist getrieben - vom Verlust seines Vaters. Der Preis des Reisens ist die Sicherheit. Nicht zu wissen, wo man übernachtet, ob das Geld reicht usw. Erstaunlich ist, dass Jack meist Geld hat, nur selten arbeiten muss. Und meist mit dem Bus fährt - während Fernbusse bei uns seit einigen Jahren "trendig" sind, gibt es solche Systeme in Amerika seit dem 20. Jahrhundert. Umher-Reisen empfinden wir heute als Luxus. Im Gegensatz dazu steht ein Artikel in der August-Ausgabe der Neon, der sich mit dem Allein-Reisen beschäftigt. In "Der Flug der Pelikane" stellte die Autorin fest "Allein sein, frei sein - schön und gut. Aber eben auch überhaupt nicht" (S, 120) Man muss sich daran gewöhnen, dass am Ende ein Ort wartet, kein Mensch. Dass das, was einen vorantreibt, niemand ist, sondern ein Gefühl: Neugier. Jack hat den Vorteil, dass er überall Bekannte hat. Aber es stört ihn nicht, wenn es nicht gut läuft.

Nach Buch Zwei gibt es einen Zeitsprung - wir befinden uns im Jahr 1949. Jack hat infolge eines Verlagsvertrages 1000 $ bekommen und möchte sesshaft werden - er will seine Familie nach Denver übersiedeln, doch seine Mutter ist unglücklich und geht zurück nach New York. Ich denke, Jack wollte seiner Familie etwas zurückgeben und der "Mann" sein, aber er scheitert. Davon frustriert fährt er zu Neal nach San Francisco und möchte mit ihm weiterfahren. Das findet seine Frau Carolyn nicht gut. Ähnlich wie Jack hatte sich Neal zur Ruhe gesetzt, gearbeitet und die Familie versorgt. Doch Jack weckt als "dunkler Engel" Neals Tatendrang. Traurig ist, dass Neal seinen Glanz verloren hat - während er die Frauen früher mit seinem Charme beeindruckte, ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Er ist verletzt und seine Frau unterstützt seine Reisen, seine Verrücktheit, nicht mehr. Besonders eindrücklich wird das auf S. 266f., als Jack vorschlägt, nach New York und später nach Italien zu fahren. Früher erklärte Neal, wohin gefahren wird. Jetzt steht Neal vor den Trümmern seines Selbst und Jack muss aktiv werden. Man spürt, dass beiden diese Gewissheit sehr peinlich ist.

Bevor die beiden weiterziehen, wollen sie zwei Tage feiern. Dabei begegnen sie wieder Jazz - u.a. wird Close your Eyes zitiert (leider ohne Künstler...). Es ist ein leidenschaftlicher, verrückter Abend!

Übrigens: Schon damals gab es Mitfahrtzentralen!

Übriges


Heute zeigte Nicole, wie viele (!!!) Versionen es von der Geschichte "Sara, kleine Prinzessin" gibt.

Gestern stellte Sandrina "Das doppelte Lottchen" von Erich Kästner vor. Ich fand seine Spätwerke toll, kenne aber dieses Buch nicht.

Am Samstag stellte Natascha "Emilia Galotti" von Lessing vor. Ich habe dieses Stück vor langer, langer Zeit im Theater gesehen. Ich hatte mich gefreut, weil ich endlich ein weiteres Stück von Lessing sehen konnte. Aber leider war ich an diesem Tag erkältet und mir ging es nicht gut. Deswegen habe ich fast keine Erinnerung an diesen Abend. Ich weiß nur noch, dass mir die kühle Nachtluft gut tat - nach dem Stück.

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