Montag, 22. August 2016

Lesetagebuch "On the road" - Tage 20 und 21

E-Book-ReaderHallo!

Es ist vorbei. Fast. Auf Seite 437 las ich die letzten Worte, danach eine Leerseite und dann: "Nachworte".  Ich war verwirrt. Enttäuscht und melancholisch. Wie am Ende jedes Buches. Das Ende hatte sich schon am Anfang von Kapitel 4 abgezeichnet und ich war froh, als es da war. Gleichzeitig fragte ich mich: Das soll es gewesen sein?


Inhalt


Die letzten Seiten berichten von den letzten Kilometern nach Mexico City und der Krankheit Jacks, durch die er erst Wochen später zurück nach New York fahren kann. Neal ist bereits verschwunden.

Buch 5 beginnt auf S. 431 und handelt vom Abschied von Neal. Jack ist nach New York zurückgekehrt und trifft dort ein Mädchen, das er heiratet. Neal kündigt per Brief an, nach NY kommen zu wollen, damit er mit Jack und Frau beim Umzug nach San Francisco helfen kann. Allerdings haben Jack und seine Frau kein Geld - und Neal kommt 5 Wochen vor dem geplanten Termin an. Die beiden wollen in ein Konzert und Neal will weiterziehen. Aber keiner will ihn bis zur nächsten Stelle, von der man gut trampen kann, bringen. Deswegen lassen sie ihn im Regen ziehen. Und keiner, nichtmal Neal selbst, wusste, warum er gekommen war.

Eine Zwischenmeinung


Ich bin enttäuscht. Das Buch hat mich nicht so mitgerissen, wie ich es erwartet habe. Es ist zu schnell. Ich dachte, dass ich mich in Landschaften verkriechen oder in philosphischen Aussagen verlieren kann. Aber dem war nicht so.

Das Buch hat eine fröhliche Ausstrahlung, aber über allem schwebt etwas Melancholisches. Mir ist bewusst geworden, wie groß Amerika ist und wie einfach es ist, mit dem Auto oder dem Bus loszufahren. Jack hat überall Freunde und Bekannte, er leidet selten. Ich finde es gut, dass er (fast) nie allein ist. Er genießt das Leben, denkt fast nie darüber nach.

Genau das störte mich: Er zieht weiter und weiter, hält selten an, um zu genießen. Er liebt Jazz, aber oft klingt eher eher berichtend als wirklich aktiv.

Dennoch bewundere ich die Freiheit sehr. Jack und Neal lieben es, etwas zu bewegen. Aber besonders schön klingen die Fahrten nicht - man sitzt im Auto und redet.

Interessant ist, dass beide versuchen Fuß zu fassen. Aber Jack hat ein stärkeres Bewusstsein dafür, wie es geht. Neal versucht es, aber scheitert. Er ist getrieben, fühlt sich von Harmonie abgestoßen und sucht stetig die Herausforderung. Aber... irgendwann ist er allein, keiner läuft mit und beliebt ist er nicht. Am Ende des Buches hat Neal Charme, aber seine Reise hat kein Ziel, das Reisen selbst ist das Ziel.

Und Jack wirkt einfach nicht glücklich.

Realität?


"On the road" ist autobiografisch geprägt und in der Urfassung kommt das noch stärker zum Tragen, denn die richtigen Namen werden verwendet.

Während ich das Buch las, habe ich ständig gesucht. Gesucht nach Fehlern, nach Beweisen, dass alles fiktiv ist. Ich wollte sehen, dass ein Text nur dann funktioniert, wenn er durch den Autor in Form gepresst ist, man die Realität ordnet, denn die Realität ist nicht so "spannend" wie ein Buch. Ich wollte den Leuten ins Gesicht lachen, die ehrfürchtig auf dieses Buch blicken, weil alles nicht nur toll, sondern auch wahr ist. Außerdem wünschte ich mir, dass das Leben das Autors gefestigter ist als das des fiktiven "Jack" Und ich habe diese "Wahrheit" in der Struktur gefunden; in einer klaren Dramaturgie.

Aber am Ende, nach dem Text und einem Wikipedia-Artikel, wünschte ich, es wäre real. Der Gedanke, dass ein Autor den Text geplant, Entwürfe geschrieben und daran gearbeitet hat, bringt Bitterkeit zurück. Weil die schönen Dinge vielleicht gelogen sind - die Frische, die Sorglosigkeit.

Ich werde die Nachworte lesen und mich damit abfinden müssen. Die "richtige " Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte :-)

PS: Jack Kerouac starb 1969, Neal Cassady 1968.

Übriges


Lena stellt "Danny Langbein" vor und hat sogar ein Interview mit der Hauptfigur geführt :-)

Lesen und Mehr beschäftigt sich mit "Stolz und Vorurteil" und Buchadaptionen - ein sehr interessanter Beitrag!

Alle Infos zur Aktion "Klassiker gegen das Sommerloch" findet ihr in meinem Startbeitrag.

Kommentare:

  1. Hello Evy! :)

    Ich habe das Buch auf italiniesch gelesen und es war die verarbeitete Version also keine Urfassung, was ich ein bisschen Schade finde.

    Auf die Geschichte hatte ich mich auch gefreut, aber ich fand den Schreibstil manchmal mühsam zu lesen: kein einziger Zeilenumbruch, keine Absätze...Und ich habe es nicht bis zu Ende gelesen und circa nach einem Drittel beiseite gelegt.

    Hier findest du meine Rezension zum Buch.

    Liebe Grüße,
    Lumina

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    1. Danke! Ich weiß noch nicht, ob ich die Urfassung besser finde, weil ich vermute, dass die bearbeitete Fassung strukturierter und klarer ist. Die fehlenden Absätze habe mich nicht gestört; ich habe mich gewundert, dass kein neues Kapitel begann, aber es gibt schlimmere Bücher XD

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