Mittwoch, 10. August 2016

Lesetagebuch "On the road" - Tage 8 und 9

GranitHallo!

Ich muss etwas an meiner Routine ändern - da ich meistens abends lese, ist es besser, den Post nachmittags zu verfassen und danach weiterzulesen und am nächsten Tag zu reflektieren. So funktioniert das besser :-)




Ich spüre den Druck. Bei der Montagsfrage zu den Buchclubs schrieben viele, dass sie ungern lesen, wenn sie müssen. Das verstehe ich jetzt. Besonders, weil ich mich schwer ins Buch finde. Es gibt Geschichten, die klar strukturiert sind und bei denen man nur wenige Worte benötigt, um zu wissen, wo man ist. Bei "On the road" gibt es keine Haltepunkte und keine Struktur. Die Personen sind einzigartig, entsprechen aber zu sehr Typen. Eine halbe Seite unkonzentriert lesen? Nicht möglich, denn man verliert den Anschluss. Das ist frustrierend.

Gleichzeitig erfüllt es mich, mich nach der ersten Hürde wieder in die Handlung einzutauchen. Ich freue mich, Jack dabei zuzusehen, wie er seinem Ziel, Neal und Allen zu treffen, näher kommt.

Gestern bin ich nur bis Seite 146 gekommen, mein heutiger Stand liegt bei S. 178. Gemäß meinem Taschenrechner müsste ich bei Seite 205 sein.

Auf S. 156 endet der erste Abschnitt. Für mich ein gutes Ende. Nach der Liebschaft in Selma berichtet Jack von Neal und Allen, die auf ein Pärchen treffen, das sich mit Drogen und Orgons beschäftigt. Für mich der dramatische Höhepunkt des ersten Teils - bisher hatte die Figuren Probleme, vor allem mit der Monotonie ihres Lebens. Aber keine hing parapsychologischen Thesen an. Und schoss im Drogenrausch auf vermeintliche Tiere.

Fast unter ging dabei, dass auch Jack seinen Tiefpunkt erreicht - er will nach New York zurückfahren, weil es Oktober ist und kalt wird. Aber sein Geld reicht nur bis Pittsburgh. Deswegen muss er 600 km trampen. Er trifft einen alten, verwirrten Mann, der denkt, er würde nach "Kanadien" laufen. Er trägt einen weißen Rucksack und wirkt "weiß" - orientierungslos, stetig, auf dem falschen Weg, aber nicht willens aufzugeben. Ich glaube, auch Jack war das Reisens überdrüssig und ihm fehlte der Halt durch Neal und Allen.

Der zweite Abschnitt spielt 1,5 Jahre später, zum Weihnachtsfest 1948. Jack ist mit seiner Mutter in die Südstaaten gefahren, um Jacks Schwester zu besuchen und Weihnachten zu feiern. Er hat Neal einen Brief geschrieben und Neal (inkl. Frau ? und einem anderen Freund) besucht Jack bei seiner Tante. Das sorgt für Wirbel! Und Jack packt das Reisefieber. Die vier beschließen, zurück nach New York zu fahren, weil Jacks Schwester zur Mutter ziehen will und Möbel transportiert werden müssen. Jack hatte bis dahin an der Universität studiert und in Pauline eine Freundin gefunden, mit der er sesshaft werden könnte. Neal, bei dessen chaotischen Liebesleben ich den Überblick verloren habe, verstrickt sich in einen tiefen, philosophischen Monolog. Jack sagt, Neal sei erwachsener geworden, aber das denke ich nicht. Ganz im Gegenteil: Anstatt umherzuziehen hat sich seine Unruhe ins Innere verlagert und sucht Erfüllung nicht in Erfahrungen, sondern im Denken. Oder im Glauben an Höheres. Neal wirkt auf mich verspielt, wie immer.

Interessant und neu finde ich, dass man Jack "allein" erlebt. Er reist allein, aber meistens gibt es Leute, von denen er berichtet. In diesem Abschnitt sieht man ihn Autofahren, während Neal auf dem Beifahrersitz schläft. Jack ist umgeben von Leuten, die ihm wichtig sind, aber er ist allein. Ich finde dieses Gefühl sehr wichtig - dass man innerhalb einer Gemeinschaft existiert, diese ein Netz gesponnen hat, durch das man aufgefangen wird und sich selbst ausleben kann. Man muss nicht stetig etwas zum Erhalt beitragen. Man kann auch einfach daliegen und die Sterne beobachten (Ausgenommen, man fährt Auto. Dann sollte man auf die Straße achten :-) )

Übersicht


Eine Übersicht zur Aktion Klassiker-gegen-das-Sommerloch findet ihr im Startbeitrag.

Gestern berichtete ItsABookwormThing von Nathaniel Hawthrones "Der scharlachrote Buchstabe" Ich fand die Filmadaption "Leicht zu haben" toll. Der Film war etwas übertrieben, aber ich gucke ihn gern. Das Männerbild im Buch scheint interessant zu sein, daher werde ich es auf die Wunschliste packen!

Am heutige Mittwoch stellte euch das Schmöckereck die "Ur-Pippi" vor. Der Verlag stellt dabei die ursprüngliche Fassung der Version gegenüber, die später berühmt wurde. So ähnlich wie bei "On the road" :-)


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