Sonntag, 16. Oktober 2016

Montagsfrage - Warum BuchBloggen?

LiniengewirrHallo!

Die Kernfrage eines jeden Bloggers hatte ich schon einmal beantwortet - aber ich finde den Beitrag nichtmehr. Daher heute die Kurzfassung. Denn ich habe ein Präsent :-)







Was ist die Montagsfrage?


Die Montagsfrage fördert die Vernetzung von Buchbloggern und wird von Buchfresserchen geführt. Unter einem Fragen-Post verlinken die Blogger ihre Antworten und können sehen, was die anderen schrieben.

Die Montagsfrage en detail


Warum bloggt ihr (über Bücher) und wie seid ihr dazu gekommen?


Meine Antwort


Für den Blogger-Kommentier-Sonntag musste ich vor Kurzem den ersten Beitrag herauskramen - er stammt vom Sommer 2012. Damals war der Blog eine Mischung verschiedenster Rezensionen aus Zeitungen, Filmen, Büchern und Produkten. Ich habe damals Produktberichte geschrieben und dachte: Ich wollte schon immer meine eigene, kleine Seite haben, auf der ich über Dinge schreiben kann, die mich bewegen. Es ging (und geht) mir weniger um mich als darum, Meinungen zu äußern, die andere anregen.

Irgendwann brauchte ich eine Nische. Ich fühlte mich allein und suchte eine Gruppe, in der ich mich austauschen konnte. Deswegen habe ich den Schwerpunkt auf Bücher verlagert. Ich bin keine "Leseratte", aber ohne eine Schüssel Buchstaben geht es nicht :-) Außerdem war mir der Druck, aktuelle Produkte rezensieren zu müssen, zu groß.

Ich fühle mich unter Buchbloggern sehr wohl und merke, wie unterschiedlich die Gemeinschaft ist. Ich habe sehr nette Menschen kennengelernt :-) Dennoch merke ich, dass mir meine selbst gewählte Insel zu klein wird. Denn ich schreibe immer noch gern über Dinge, die mich bewegen - deswegen möchte ich wieder mehr über Filme, Museen, Serien und Schönheit schreiben :-) Und Veranstaltungen.

Teil 2 des Beitrages


Es regnet. Heute ist die großer Tag und schon seit Stunden regnet es Regentropfen statt guter Gedanken. Dein Text liegt in Stücken auf deinem Laptop und du fragst dich, wie du aus all den Fragmenten eine Geschichte baust, die die anderen umhaut. Oder zumindest ein Ende hat.

Du steigst von Kaffee auf Cappuccino um und von "Youtube" auf "Spiegel". Wenn du prokastinierst, dann sinnvoll. Mit Promimeldungen und den Toden von Menschen, die andere angeblich besser gekannt haben. Verständlich, oder? Jede Info könnte nützlich sein. Und vielleicht stirbt die Fliege, die gerade noch friedlich am Fenster saß, den Tod eines Literaturnobelpreis-Trägers. Man weiß es nicht. Und fassen kann man es auch nicht.

Der Abend nähert sich seinem Anfang und du überlegst, welche Schriftart am besten zum Text passt, auch wenn dich keiner dafür verurteilen würde, dass du dich für Comic Sans entschieden hast, aber: Das Auge liest mit. Danach wird es Zeit, sich hübsch zu machen. Du hast alle Kleider wie ein abstraktes Kunstwerk auf dem Boden arrangiert und überlegst, ob grüner Eyeliner deine Augen besser betont als blauer. Auch wenn du weißt, dass sich das Scheinwerfer-Licht mit deiner Kurzsichtigkeit kombiniert hat und detailgenaues Sehen aus der Ferne unmöglich macht. Das einzige, was man sicher erkennen wird, sind deine Lippen. Doch diese sind rissig.

Ein paar Minuten später stehst du ungeschminkt vor dem Spiegel und versuchst, aus dem profanen "Ponytail" einen fancy "Updo" zu machen. Das Ergebnis erinnert an ein Osternest.

Als du das Haus verlässt, regnet es immer noch. Du hast den Regenschirm aufgespannt und hoffst, das der Regen nicht den Text erreicht, den du fest umklammert in deiner Hand hälst. Du wirst die Bahnfahrt nutzen. Du wirst den Text im Kopf durchgehen und in verschiedenen Lautstärken vortragen. Du stellst dir vor, wie du ins Publikum siehst und in erlöste Gesichter blickst. Du weißt, dass es in diesem Moment nichts Wichtigeres gibt.

Du fühlst dich beobachtet. Von dem Hipster, der auf seinem Handy Autorennen spielt. Von dem alten Mann, der sich mühevolle auf seinen Gehstock gestürzt hat. Von dem Glamourpärchen, das sich die volle Dröhung Kunst & Kultur geben wird. Irgendjemand wird erkennen, dass du zu elegant gekleidet bist, um mit unsicherer Miene Straßenbahn zu fahren. Irgendjemand wird wissen, dass gleich den großer Auftritt naht. Irgendjemand sollte dir auf die Schulter klopfen und dir sagen, dass alles gut ausgeht.

Du versuchst dich abzulenken. Musik zu hören, ein Buch zu lesen, die letzten Momente zu genießen. Du versuchst, nicht aufgeregt zu sein, aber es klappt nicht. Alles rauscht durch dich hindurch wie ein Flugzeug durch eine Wolkendecke.

Am Zielort angekommen, läuft alles seinen Gang - du meldest dich an, tauschst mit Künstlern Small-Talk aus und hoffst, wenigstens ein paar Fakten zu behalten. Du trinkst ein Glas Orangensaft, um die Nervosität  zu betäuben und erwischst dich, wie du auf dem Glas herumknabberst. Der Typ von der Orga sagt dir, wann du dran bist. Und dann wartest du. Beiträge rauschen an dir vorbei wie Güterzüge durch Provinzbahnhöfe. Musik, die dir entfernt gefällt und Musik, die du heute mehr leiden kannst als sonst. Autoren, die irgendwie unrhythmische Gedichte schreiben und solche, die ihr Glück in Erzählungen finden. Einer hält sein Buch vors Mikro. Du überlegst, ob es das auch als E-Book gibt.

Dann bist du dran. Der Applaus gefällt dir nicht, denn noch hast du nichts getan. Vorschluss-Lorbeeren bringen Unglück. Das Mikro ist zu hoch für dich eingestellt, du überlegst, ob du es anfassen willst oder ob es dann zusammen fällt wie ein Kartenhaus. Du streckst den Hals nach oben, sortierst deinen Blätter. Und fängst an.

Es fühlt sich. Komisch an. Deine Stimme hört sich gedämpft an. Als wenn jemand alle Fenster geschlossen hat und du gleichzeitgt draußen stehst und mit Freunden redest. Alles scheint zu funktionieren. Und doch nicht.

Erst, als dir jemand zulächelt, wachst du auf. Er lacht an der falschen Stelle, aber er blickt dich ermutigend an. Du siehst genauer hin: Überall sitzen Menschen, die dir bebannt zu hören, obwohl sie dich erst seit drei Sätzen kennen. Du lächelst zurück. Du verabschiedest dich und versinkst in deinem Text. Was würdest du diesen Leuten sagen, wenn du nicht auf einer Bühne stehen würdest? Du würdest ihnen sagen, wie mies es dir ging, als du diesen Text über dieses traurige Thema schriebst. Du brüllst den Menschen an, der dafür verantwortlich ist. Du wischst dir die Tränen weg, weil du weißt, dass die Zuversicht die Masterkarte ist. Du bist bei dir, als du den Text schreibst, und bist in jedem einzelnen Zuschauer. Dann geht das Licht aus. Applaus.

Erlösung, Euphorie, Enttäuschung. Nochmal Tränen. Diesmal echte. Umarmungen, Zuspruch. Und das gute Gefühl, etwas bewegt  zu haben. Du hast es überstanden. Und jetzt?

Dieser Text beschreibt die Aufregung eines Auftritts. Er ist fiktiv, weil sehr übertrieben. Und sehr persönlich. Er ist ein großer Teil. Von mir.

Kommentare:

  1. Austausch - genau. Der ist mir auch sehr wichtig.

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  2. Hi^^

    Ja, das mit dem Austausch ist auch ein toller Punkt, da stimme ich dir zu. Außerdem kann man durch die Beiträge anderer neue Bücher für sich entdecken und es ist auch interessant zu lesen, wie sie die jeweiligen Fragen beantworten.

    Lg,
    Kira

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    1. Neue Bücher sind ein guter Aspekt! Besonders bei der Bad-Cover-Montagsfrage war das sehr spaßig! Denn oftmals gefielen anderen Leuten die Cover sehr gut und man konnte diskutieren. Und manche Bücher waren so interessant, dass ich sie mir näher ansah.

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  3. Liebe Evy,

    ich finde den Austausch auch sehr wichtig und oft spannend, daher nehme ich auch gerne immer wieder mal an Aktionen wie der Montagsfrage teil :-).

    Zum zweiten Teil: Finde ich ganz stark geschrieben! Vor allem der Teil, in dem es um den persönlichen Bezug zum vorgetragenen Text geht, finde ich super.

    Liebe Grüße

    Claudia

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    1. Danke :-) Ja, ich hätte nie gedacht, dass die Montagsfrage so spaßig sein kann! In meinem Text wollte ich sehr allgemein bleiben, weil ich nicht nur traurige Texte schreibe. Aber das GEfühl ist toll :-)

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  4. Huhu!
    Ja, das mit den wenigen Kommentaren kenne ich auch, gibts bei mir ebenso. Mich frustet es aber eher, wenn ich bei vielen kommentiert habe und nirgends eine Antwort zurück kommt. Das finde ich persönlich echt schade. Da ist es auch kein Austausch mehr.

    Liebe Grüße,
    Linda

    PS: Guter Text!

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    1. Ich finde es auch ein bisschen frustrierend, aber: Warum sollte der andere deinen Beitrag anklicken? Ich denke, man sollte Menschen immer einen Grund geben. Es gibt einige Blogger, die "automatisch" Gegenkommentare schreiben und das finde ich sehr löblich. Aber da ich so etwas auch vergessen, möchte ich mich nicht darauf verlassen. Und denke, das beste ist, gute Kommentare zu schreiben. Außerdem tippt nicht jeder Leser einen Kommentar. Darauf zu vertrauen, das hilft. Viel Erfolg noch!

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  5. Hey Evy,
    Ich finde das echt interessant die Geschichte von anderen Buch-Bloggern zu lesen, und wie sie zum lesen und bloggen gekommen sind.

    LG Liv

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    1. Ging mir auch so :-) Deswegen habe ich mit Freude alle Geschichten gelesen.

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  6. Austausch ist sehr wichtig unter Bloggern, wobei ich mich jetzt nicht auf eine bestimmte Nische konzentriere, ich steh eigentlich mit allen möglichen Bloggern in Kontakt, egal ob DIY, Gesundheit oder Produkttest, man kann ja von jedem noch was lernen ;)

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    1. "Privat" lese ich weniger Buch- als Beautyblogs und ich finde es total interessant, wie sehr sich die Branchen voneinander unterscheiden. Gleichzeitig merke ich auch, dass Beauty andere Möglichkeiten für das große Thema "Entlohnung" bietet. Ich finde die Entwicklung sehr, sehr interessant!

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  7. Danke für deinen Kommentar. :)
    Das ist wahr, MAC hat unheimlich viele Lippenstifte und auch unterschiedliche Finishes, was ich äußerst interessant und toll finde. 🙂 Besonders die matten und die Lippenstifte mit dem Satin-Finish mag ich sehr.
    Danke, dir ebenfalls einen tollen Kommentier-Sonntag! 🙂

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    1. Schön :-) Ich sehe bei all den Variationen nicht durch - schon die englischen Begriffe finde ich irritierend. Und matte Lippenstifte stehen mir leider gar nicht - das ist ärgerlich, weil es einige tolle Nuancen nur als matte Farben gibt :-(

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