Donnerstag, 20. Oktober 2016

"Tod im Kirnitzschtal" von Thea Lehmann

Tod im Kirnitzschtal - SchienenHallo!

Von "Tod im Kirnitzschtal" hörte ich erstmals im Mai - als die Autorin beim Meißner Literaturfest las. Einerseits fragte ich mich, ob die Mischung aus bayrischem Kommissar und sächsischer Umgebung funktionieren würde, andererseits fand ich die Lesung so witzig, dass das Buch auf der Wunschliste landete. Und nach dem "gefühlvollen" After passion benötigte ich anderen Stoff :-).




Allgemeines


Das Buch erscheint im Saxophon Verlag und hat 190 Seiten. Für 190 Seiten bezahlt man ca. 9 EUR.


Thea Lehmann ist Journalistin und PR-Beraterin. Am 12. Oktober ist der zweite Krimi der Reihe erschienen. Er trägt den Titel "Dunkeltage"

Das Cover


Das Titelbild wurde von Ö Grafik gestaltet und ist erfrischend einfach. Durch die wenigen Farbflächen weicht es vom typischen Foto-Cover ab und lässt den Krimi jugendlich wirken. Auch wenn das nicht perfekt zum Inhalt passt, finde ich es sehr, sehr schön.

Inhalt


In der Kirnitzschtalbahn im Elbsandsteingebirge wird ein "Doder" gefunden. Ohne Papiere, aber mit verschiedenen Verletzungen, die tödlich verlaufen wären, den Mann aber nicht getötet haben. Kommissar Leo Reisinger, kürzlich aus Bayern "geflüchtet", und seine "wandelbare" Kollegin Sandra Kruse stehen vor einem Rätsel. Leo Reisinger muss sich nicht nur daran gewöhnen, dass "Berge" in Sachsen eher Hügel sind, sondern auch daran, dass Natur Angst machen kann. Oder tödlich ist.

Charaktere


Leo Reisinger ist ca. 30 Jahre alt und stammt aus Bayern. Ein halbes Jahr vor der Handlung ließ er sich nach Sachsen versetzen, weil er ein Problem mit der Liebe hatte. In Dresden fühlt er sich manchmal einsam und er sucht nach einer neuen Partnerin. Am Anfang versucht die Autorin, Leo als Frauenhelden darzustellen, doch dieses Motiv wird nur wenig weitergeführt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Leo mag. Einerseits freut es mich, keinen stetig meckernden Kommisar mit schwieriger Kindheit zu haben, der ständig zeigen muss, dass er der Ober-Kommissar ist. Andererseits wirkt Leo ziemlich düster und traurig und nicht wie 30.

Sandra Kruse ist das Pendant zu Leo und sehr aufgeweckt. Sie passt ihr Aussehen dem jeweiligen Freund an und stellt sogar eine Pro-Contra-Liste auf. Sie wirkt sehr bunt, ist aber eine gute Kommissarin. Mir gefiel Sandras lebendige Erscheidnung und ich musste manches Mal schmunzeln. Andererseits war mir das Motiv manchmal zu skurril.

Das Kollektiv ist gut getroffen: Sandra und Leo tragen das Geschehen, ein paar nervige und nette Polizisten ergänzen die Gemeinschaft, hinzu kommen präsente und weniger präsente Nebenfiguren. Sehr gut konzipiert.

Themen

Tod im Kirnitzschtal - Blatt
Kirnitzschtal und Boofer-Szene: Thea Lehmann beschreibt die Gegend und die Wanderer der sächsischen Schweiz sehr ausführlich. Mir war das manchmal zuviel, aber es hilft, sich in das Geschehen einzufühlen. Dennoch ist es von Vorteil, wenn man ein Natur-Freund ist :-)

Sachsen und Bayern: Beide Mentalitäten prallen aufeinander, aber nicht so stark, dass es die Handlung stört. Ich hätte mir aber mehr gewünscht, weil ich Bayern mag. Besonders sprachlich.


Einsamkeit: Viele Figuren im Buch sind einsam, und jede geht anders damit um. Während einige ertragen, dass sie allein sind, flüchten andere bewusst in die Einsamkeit. Ich finde die Schlussbotschaft (zitiert von "Sandra") toll: "Ach, weiß du, Leo, solche Menschen [...], die versauen sich lieber ihr Leben, als sich mal aufzulehnen, sich eigene Unzulänglichkeiten einzugestehen und sich selbst zu verzeihen"(S. 197)

Umwelt: Das Thema kommt sehr spät zur Sprache, passt aber gut und wird logisch aufbereitet.

 

Spannung


Ich wunderte mich, dass die Handlung bis 40 Seiten vor dem Ende sehr ruhig verläuft und der Leser erst spät miträseln kann. Nach dem Ende wurde mir klar, wie gut alles zusammen passt. In den ersten Seiten erschließt sich die Todesursache, garniert mit der Einführung der Figuren. Später wird die Boofer-Szene beleuchtet, bis die entschiedenden Hinweise kommen. Wer der Mörder ist, war irgendwann klar, auch wenn uns die Autorin kurz vor Schluss auf eine falsche Fährte lockte. Aber das Motiv hat mich tatsächlich überrascht.

Auch wenn manche Wendung überaschend war, fühlte sie sich nie deplatziert an. Das lag an der vertrauten Gegend.

"Tod im Krinitzschtal" ist ein gut komponierter Krimi, der ein bisschen minimalistisch ist - es gibt keine Verfolgungsjagden, keinen Seelenstriptease und alles verläuft ruhig. Dennoch passt alles zusammen und nichts ist zuviel.

Schreibstil


Das Buch ist einfach geschrieben und ich bin gut durchgekommen.

Kopfzerbrechen hat mir die Frage bereitet, wieviel Dialekt im Buch sein sollte. Sprechen die Figuren zuviel Dialekt, versteht sie nichtmal ein Sachse. Sprechen sie zuwenig, wirkt es nicht authentisch. In diesem Buch beginnen viele Figuren im Dialekt, wechseln dann aber ins Hochdeutsche. Diese Lösung ist für viele Leser komfortable, für mich aber nicht wirklich genug. Ich hätte mir auch bei Leo mehr bayrische Grammatik gewünscht, damit er plastischer wirkt.

Fazit


Tod im Kirnitzschtal - Blatt 2"Tod im Kirnitzschtal" ist ein bunter Krimi mit einer positiven, lockeren Ausstrahlung. Er nimmt die Themen ernst, vermittelt sie aber nicht schwermütig. Der Schwerpunkt "Sächsische Schweiz" war mir etwas zuviel, ist aber so gut gestaltet, dass der Leser nie den Überblick verliert. Ein Krimi mit Spannung und einer schönen Botschaft, der sich sehr leicht lesen lässt.



Übrigens: Eine weitere, tolle Kritik hat Buchstabenfängerin getippt :-)

Kommentare:

  1. Ui, eigentlich mag ich keine Krimis. Aber deine Rezession macht Lust das Buch zu lesen. Besonders weil ich eigetnlich aus Bayern komme...und die Sachsen nicht unbedingt gern hab...

    Danke für den tollen Beitrag!

    Schönen Sonntag,

    Paula

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    1. Danke :-) Ich finde diese Streits zwischen den Regionen witzig, aber ich habe bisher keine übermäßig fiesen Menschen aus Bayern kennengelernt :-)

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  2. Ein witziger Krimi - das könnte was für mich sein. Das Buch werde ich mir mal genauer anschauen. Ich brauche neues Lesematerial für die grauen Tage! Vielen Dank für Deine Rezension.
    Viele Grüße
    Katharina

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  3. Hi Evy,

    ich finde regional angesiedelte Krimis immer spannend, weil sie etwas Lokalkolorit vermitteln. Themen wie Einsamkeit und Umwelt aufzunehmen, interessiert mich sehr. Ich glaube, Du hast mich neugierig gemacht und ich werde das Buch lesen. Danke!

    Fussige Grüsse, Jana

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    1. Danke! Mich interessiert, wie "meine" Region dargestellt wird, aber die Story sollte im Vordergrund stehen. Dennoch haben alle Regional-Krimis, die ich bis jetzt las, unterschiedliche Schwerpunkte - das ist super! Die Einsamkeit ist ein wichtiges Thema, bei der Umwelt musste ich auf Details verzichten, wegen der Spoiler :-)

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  4. Also ich bin wirklich kein Krimi Fan - wobei eigentlich konnte ich das bis jetzt nur bei Fernsehserien feststellen, Krimis in Buchform gabs bei mir bis jetzt noch nicht - aber deine Rezension macht echt Lust auf mehr und 190 Seite sind dann ja auch nicht soviel. Interessant find ich auch, dass die Autorin Journalistin und PR-Beraterin ist.

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    1. Das fand ich auch - deswegen habe ich diesen Fakt erwähnt :-) Und ja, das Buch lässt sich flott lesen.

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  5. Hallo Evy, tolle Zusammenfassung und Vorstellung! Bisher lese ich eher weniger Krimis, dafür guck ich sie gern auch mal im Fernsehen! Als bayerisches Mädl würd´ ich natürlich auch sehr befürworten, wenn Leo das komplett durchziehen würde ;) :) Liebe Grüße!

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    1. Ich bin gespannt auf den zweiten Krimi! Wenn der SUB es zulässt, werde ich ihn lesen :-)

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