Samstag, 5. November 2016

"Comin' Home" von Martin Seidel

Hallo!

Es war ein gemütlicher Samstagnachmitag. Ein Freund und ich wollten uns einen Film im Kino ansehen und verabredeten uns vorher zum Hübschmachen, Quatschen und Effektvoll-auf-dem-Sofa-Liegen. Ich blätterte gerade im Kundenblättchen seiner Krankenversicherung, als bekannte Gitarrenklänge durch das Zimmer hallten. "Wer ist das?", fragte ich. "Martin Seidel!", antwortete er. "Seit wann hat er ein Album draußen?", wollte ich wissen. Und langsam dämmerte es mir: Gestern, auf meiner Timeline.... Seit diesem Abend habe ich einen Ohrwurm, der nicht verschwinden will. Los geht es.



Allgemeines


"Comin' home" erschien am 1. Oktober 2016 und ist Seidels erstes Soloalbum. Er singt in einigen Metal-Bands und hat mit diesen EPs veröffentlicht. Nun wandelt er auf Solopfaden :-)

Das Album enthält 11 Songs, die insgesamt ca. 49 min laufen. Die digitale Version kostet 7 EUR, die CD-Version 12 EUR. Das Werk wird über "bandcamp" vertrieben.

Das Cover


Das Titelbild zeigt einen Sessel, eine Gitarre und einen kleinen Tisch mit Blumenvase, darüber sind dezent Titel und Künstler geschrieben. Die Tapete ist ein schöner Hinterund.

Ich finde das Cover sehr gut komponiert und optisch harmonisch. Der grüne Sessel vermittelt Frische, während die Tapete eine tolle Leinwand ist, auf der die Schrift gut zur Geltung kommt! Es strahlt Ruhe und ein bisschen Leben aus.

Der Inhalt


Die Lieder sind meist sparsam instrumentalisiert, getragen werden sie oft von Gitarre und Klavier. Die Melodien sind eingängig und vielseitig, was mir gut gefallen hat. In den Texten verwendet Seidel oft Gedankenströme, erzählt weniger Geschichten. Der Tonfall der Songs ist eher melancholisch, für mich teilweise zu klagend und selten ironisch. Viele Lieder haben positive Ton-Stückchen, aber wirken überwiegend traurig, nachdenklich.

Martin Seidel hat eine tiefe Stimme, die auf mich kantig wirkte. Für Stücke, bei denen der Gesang im Vordergrund steht (z.B. "Comin' home") ist das sehr praktisch, weil seine Stimme einen ganzen Song tragen kann. Bei anderen, bei denen die Instrumentalisierung ähnlich dominant ist, scheint sich beides nicht zu verbinden z.B. "Like I should" Obwohl dieser einer meiner Lieblingssong ist :-) Außerdem ist mir der deutsche Akzent stärker aufgefallen und ich überlegte, ob manche Songs auf deutsch nicht besser klingen.

Comin' home ist der Titeltrack und besticht mit einem tollen, positiven Refrain, der nach Sonnenaufgang klingt. Ich kann mir das Lied gut in einem Film-Soundtrack vorstellen. Die Strophe ist nicht so prägnant, aber ich finde, dass es ein guter Anfang für ein Album ist.

Havin' fun klingt mit seinen Ton-Wechseln amüsant, was zur Botschaft passt: Ich habe nichts im Kopf, wenn ich bei dir bin. Das Lied wird (fast?) nur mit der Gitarre untermalt, was gut klingt. Weniger gut gefällt mir der zwei-stimmige Gedang - ich fand beide Spuren zu weit voneinander entfernt und das Hören nicht so angenehm.

Like you ist für mich das traurigste, deprimierendste Lied auf dem Album. Getragen von einem schönen Klavierthema geht es um das Loslassen negativer Gefühle. Die Haufenreime am Anfang jeder Strophe passen toll dazu.

Leaving you vereint Klavier, Gitarre und Seidels Stimme in einem schönen Werk mit einem interssanten Thema - wie es ist jemanden zu verlassen. Wenngleich bekannte Motive wie das Ende des Sommers und das Ertrinken gezeichnet werden, ist es ein hübscher Song. Und es gibt ein Cello!

Like I should ist ein Lied mit viel Selbstironie, zu dem es auch ein Musik-Video gibt. Im Country-Stil erzählt der Song von all den Dingen, die man falsch machen kann, besonders, wenn man eine Frau erobern will. Auch der Hall-Effekt passt sehr gut!

Baby, these are mysterious times erinnerte mich an eine Ballade, weil es gefühlt nur aus Strophen besteht. Das gehauchte "times" ist toll! Der Refrain war mir sprachlich zu einfach, wenngleich er viel erzählt. Es geht darum, dass sich Zeiten ändern und man dies gemeinsam bewältigt.

Paradise (Where i can breath) ist unterlegt mit Meeresrauschen (?)  und bittet darum, das Paradies zu zeigen. Der Song benötigt eine Minute, bis die schwer greifbare Strophe in einem erfassbaren Refrain mündet. Gut gefallen haben mir die Elektro-Klänge, die mich an ein Theremin erinnerten.

Sailor berichtet von einem Mann, den das Lyrische Ich trifft. Der Song erinnerte mich in den ersten Takten an "Comin home", entfaltet den eigenen Charakter aber schnell. Es ist ein schöner ruhiger Song, den ich gern gehört habe. Allerdings waren Gesang und Instrumente gleichermaßen kräftig. Ich denke, mit einen leiseren Stimme oder weniger Instrumenten hätte man den Charakter nochmehr herausarbeiten können. Aber ein Schifferklavier (?) kommt vor.

Little sister (crazy soul) schlägt den stilistischen Bogen zum Western, der mich an The BossHoss erinnerte. Die Gitarre ist sehr eingängig und es gibt eine Trompete. Der Klang gefällt mir sehr gut! Ein kleiner Echo-Effekt wäre ein guter Ausgleich zur "runden" Instrumentalisierung gewesen. Dennoch finde ich den dramatischen Charakter, die Aufbruchsstimmung, toll!

Jungle queen ist ebenfalls western-ähnlich, aber ruhiger, melancholischer. Ein unaufgeregter Ruhepol vor dem Finale.

Oh! She's wrecking my life again ist ein toller Schlusspunkt. Das Lied ist rockiger als die anderen, passt aber noch zu ihnen. Für mich zeigt das Werk gut, wohin sich Seidel entwickeln könnte. Der Song wirkt schnell, mutig, kraftvoll. Es gibt ein schönes Intro zu den Strophen und Flüstertüten-Klänge. Hört sich sehr, sehr gut an :-)

Fazit


"Comin' home" ist ein Garten voller schöner Melodien. Die Lieder bleiben im Kopf und alles passt zusammen. Stimmlich kann noch variert werden, aber das ist ok. Ich bin sehr gespannt, was noch kommt!

Kommentare:

  1. Wie kommst du darauf, dass das lyrische Ich in Sailor ein Mann ist?

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    1. Danke für den Einwand! Ich habe es daraus geschlossen, dass es ein Mann singt, intuitiv. Für mich war es ein Song über Weisheit, Sicherheit. Wie siehst du den Song, wenn du im Lyrischen Ich eine Frau siehst?

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    2. Ich erschließe mir das, indem ich den Text übersetze und da ergibt ein Mann als lyrisches Ich keinen Sinn für mich.

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    3. Ich hatte die Songtexte leider nicht vorliegen und musste mich auf die Text-Stückchen verlassen, die ich verstand. Deswegen habee ich die Anmerkungen zum Inhalt relativ allgemein gehalten. Übrigens bin ich auf das Geschlecht des Lyrischen Ichs nicht eingegangen :-) Dennoch: Wenn du den Text besser verstehst: Was ist für dich die Botschsft des Songs?

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