Dienstag, 6. Dezember 2016

"Bauernopfer - Spiel der Könige" - ein Film über Bobby Fischer

Hallo!

Mit "Le Tournoi" und "Pawn Sacrifice" erschienen zwei Schachfilme innerhalb kurzer Zeit, die bis auf das Titelthema nur wenig gemein haben: Während sich "Zug um Zug" mit dem Schachspiel selbst und einem jungen Spieler, den Möglichkeiten des Lebens, beschäftigt, stehen bei "Bauernopfer" die Schachlegende Robert Fischer und dessen Exzentrik im Mittelpunkt. Es war Zeit, sich den Film genauer anzugucken.


Allgemeines


Der Film hat 115 min. und erschien im April 2016 in den deutschen Kinos.

Das Filmplakat


Das Bild hat eine warm-graue Tönung und zeigt einen grübelnden Bobby Fischer. Die Felder des Schachbrettes geraten zunehmend durcheinander, was seinen Verfolgungswahn charakterisiert. Ich finde die Kombination aus Foto und Schachbrett, das Spiel der Strukturen, sehr schön!

Inhalt


"Pawn Sacrifice" schildert die Anfänge Bobby Fischers als Schachspieler und rafft die Handlung bis zur Konfrontation mit Boris Spasski. Höhepunkt ist das "Match des Jahrhunderts" im Jahre 1972.

Die Charaktere


Robert "Bobby" Fischer  wurde 1943 geboren und ist Sohn einer Schweizerin, daher der Name. Er wuchs mit seiner Mutter und seiner Schwester auf und entwickelte eine Passion für das Schachspielen.

Während das Verhältnis zur Schwester distanziert, aber liebevoll ist, ist die Beziehung zur Mutter komplizierter. Im Film vernachlässigt die Mutter den Sohn, geht auf Partys und schläft mit einem kommunistisch eingestellten Mann. Später sagt die Figur (sinngemäß), dass er möchte, dass seine Mutter bei seinen Spielen zusieht, aber nicht anwesend ist. Ich vermute, dass Fischers Machtstreben und seine Abneigung gegenüber Kommunisten (?) und Amerika daher kommen.

Robert mag Frauen, hat aber nur wenig Kontakt zu ihnen, weil Schachspielen wichtiger ist. Er mag es, recht zu haben, analysiert die Fehler der anderen.

Bobby Fischer hat im Film einen Tunnelblick und der Film blickt auf ihn wie durch einen Tunnel - ständig sieht man ihn gestikulieren, Forderungen stellen oder Telefone auseinander bauen.

Der Film ist eine One-Man-Tobey-Maguire-Show. Obwohl er mehrere Jahrzehnte abdeckte, blieben mir die stets präsenten Augenringe der Hauptfigur in Erinnerung. Die Figur scheint ebenso wenig zu altern wie Maguire. Er wirkt nicht alt, nicht jugendlich und ich war nicht glücklich damit. Wahrscheinlich, weil ich wusste, dass Maguire schon 41 ist. Und weil er mal Spiderman war.

Boris Spasski wirkte anfangs wie Goliath, vor dem Fischer Angst hat und den er verachtet. Sehr lange Zeit sieht man den (älteren) Spasski handeln, aber er spricht nicht. Erst später wird klar, dass das keine Arroganz ist, sondern Machtlosigkeit. Denn auch Spasski wird von den Geheimdiensten beobachtet. Ich finde es ein gutes Stilmittel, dass Spasski als Gegensatz zum lebhaften Fischer dargestellt wird.

Aber er kam mir zu kurz. Spasski wirkt sensible, aber er hat keine weiteren Charakterzüge und keine Biografie. Er wirkt wie ein Phantom.

An Liev Schreiber musste ich mich gewöhnen. Seine Statur ist kräftig, seine Gesichtszüge fein. Er wirkte optisch größer, obwohl er ähnlich gut wie Fischer ist. Erst am Ende zeigt sich, dass das gut zur nachdenklichen Figur passt.

Paul Marshall (Michael Stuhlbarg) ist Fischers Manager und war mit seiner Brille in Sinnbild der 60er. Ich dachte, dass er eiskalt ist und nach Gewinn strebt, aber die Figur hält sich im Hintergrund. Tapfer versucht er, den überzogenen Forderungen Widerstand zu leisten und Fischer zum Spielen zu bewegen.

Father Bill Lombardy (Peter Sarsgard) erinnerte mich optisch an "Elementary" und gleicht Fischers Exzentrik anfangs aus. Obwohl Lombardy Fischer unterlegen ist, genießt er dessen Vertrauen und wird sein Berater. Ähnlich wie Peter Marshall ist er nur eine Nebenfigur, die Fischer umspielen, aber ihn nicht aufhalten können.

Themen


Bobby Fischer: "Pawn Sacrifice" ist ein Biopic, das sich vor allem mit Fischers Narzissmus und seine Schizophrenie beschäftigt, die alles andere in den Schatten stellt. Der Charaktere Fischers bleibt ebenso im Unklaren wie der der anderen Protagonisten. Selbst Fischers Genialität im Schach leidet darunter. Vielleicht war das die Botschaft des Films: Bobby Fischer war ein außergewöhnliches Genie, das man nicht verstehen kann.

Schach: Wurde Schach in "Le Tournoi" eher spielerisch betrachtet, wird es hier handfest. Schachnotationen werden hin- und hergeworfen und als Laie versteht man sehr bald nichts mehr. Mein schachbegeisterter Mitgucker hatte viel Freude, aber mir war das zuviel. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass "Bauernopfer" gut für Menschen ist, die sich auskennen.

Kalter Krieg: Der Krieg zwischen der Sowjetuniion und den USA wird deutlich, beide Figuren werden (vermeintlich) vom Geheimdienst überwacht und stehen unter ständiger Beobachtung. Auf den Krieg selbst wird wenig eingegangen, aber die Unsicherheit der Zeit färbt auf die Figuren ab.

 

Die Optik


Der Film arbeitet oft mit nachgestellten Szenen im Stil wackliger Kameras, wenn gezeigt wird, dass etwas aufgezeichnet wird. Ein nettes Mittel, aber für mich nicht nötig. Besonders, weil die Schnitte in diesen Stellen sehr schnell waren.

Die Kostüme wirkten authentisch.

 

Fazit


"Bauernopfer" ist ein Film für Schach-Fans und Leute, die sich für Fischer interessieren. Aber als Biopic ist es zu einseitig, nicht konkret genug. Ich war dem Film nach der Hälfte überdrüssig (aber ich habe ihn zuende geguckt).

PS: Eine gute Kritik zum Film hat die FAZ verfasst.

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