Freitag, 2. Dezember 2016

"Laufen. Essen. Schlafen." von Christine Thürmer

Hallo!

Manchmal benötigt man Bücher, die von den eigenen Problemem ablenken und zeigen, wie andere damit umgehen. Daher war ich sehr erfreut, als mir im Buchladen dieses Werk entgegen leuchtete. Am Ende fühlte ich mich erfrischt, aber mir fehlten einige Infos. Man merkt, dass die Beiträge gekürzt sind. Der Reihe nach:


Allgemeines


Das Buch erschien im Malik Verlag (gehört zu Piper) und hat 288 Seiten. Man kann es als Papierbuch für 17 EUR oder als E-Book für 13 EUR kaufen.

Es basiert teilweise auf Thürmers Blog.

Inhalt


Das Buch beschreibt tagebuch-artig Thürmers Wanderungen auf dem Pacific Crest Trail (PCT), dem Continental Divide Trail (CDT) und Appalachian Trail (AT). Alle drei Wanderwege sind zwischen 3500 (AT) und 5000 km lang (CDT) und führen von Norden nach Süden durch die USA. Thürmer muss durch Gebirge und flache Ebenen wandern, mit Wasserknappheit und Wetter klarkommen und die Strecke innerhalb der Saison (meist vor dem Wintereinbruch) absolviert haben.

Aufbau


Das Buch beginnt im April 2004 am Tag der ersten Wanderung auf dem PCT und geht später zurück zu Thürmers Kündigung. Diese Zeitsprung fand ich irritierend und denke, er wäre nicht nötig gewesen. Danach folgt das Buch chronologisch den Ereignissen und endet mit einem kurzen Ausblick.

Der PCT (147 Seiten) nimmt den größten Teil des Buches ein und flicht die Grundlagen des "Thruhikens" ein. Thürmer berichtet von logistischen Problemen und Gefahren, die einem begegnen.  Außerdem erzählt sie von Begegnungen mit anderen Thruhikern.

Nach dem PCT beginnt sie einen Job, möchte aber nach 1,5 Jahren pausieren, um erneut wandern zu gehen.

Beim CDT (83 Seiten) steht neben dem Wandern die "Beziehung" zu Wanderkollege Bob im Mittelpunkt. Während Thürmer anfangs die Zweisamkeit genießt, nervt sie Bob mit seiner Unerbittlichkeit und seiner Gefühlskälte. Am Ende stellt sie fest, dass Bob Angst vor Einsamkeit hat und deswegen Konflikte meidet. Sie selbst wandert allein besser.

Beim AT (58 Seiten) findet eine "Reinigung" statt. Christine Thürmer wurde während des CDT gekündigt und sie beschließt, ihren festen Wohnsitz aufzugeben und zu wandern. Diese Unsicherheit hemmt sie beim Trail, der trotz seiner Kürze viel Würze in Form von unwegsamen Gelände bereit hält. Christine muss feststellen, dass sie ihre Tagesziele anpassen und ruhiger wandern muss. Außerdem erklärt sie, wie gefährlich es sein kann, allein zu wandern.

Jeder Tagebucheintrag erzählt etwas, aber es gibt nur wenige Fixpunkte.

Untermalt sind die Beschreibungen mit Fotos und Karten.

Was fand ich gut?


In eine andere Welt einzutauchen. "Thruhiken" wirkt auf mich luftig, aber gut geplant: Die Wanderwege sind oft gekennzeichnet, man schickt sich Proviant und Material in Bounceboxen zur nächsten, größeren Station und wandert ultra-leicht. Es gibt Kartenmaterial, Fotoapparate und man kann Podcasts hören. Die Natur muss man trotzdem bezwingen.

Die Gemeinschaft unter Thruhikern ist stark und obwohl man sich kaum kennt, hilft man sich. Das fand ich gut.

Am meisten beeindruckt hat mich die Einfachheit. In einem Zelt auf dem Boden zu schlafen, das wäre für mich undenkbar. Aber Christiane hat es geschafft. Das Gefühl, kleine und große Probleme irgendwie bewältigen zu können, habe ich mitgenommen :-)

 

Was hat mir gefehlt?


Der Spirit. Christine Thürmer. Und die Fakten.

Das große Problem des Buches ist, dass es keine Klimax hat. Christine Thürmer plant bereits den ersten Trail sehr genau (das erinnerte mich an ihrer Job als Firmensaniererin) und schildert nur wenige krasse Probleme. Als Leser hat man nicht das Gefühl, einer Figur dabei zuzusehen, wie sie wächst, sondern sie ist bereits da und muss nur noch gefestigt werden. Schön formuliert das die Autorin in einem Interview mit dem "Spiegel":

"Es gibt zwei Gründe loszuwandern: Die einen wollen einer unbefriedigenden Situation entfliehen und auf dem Trail das Problem lösen. Cheryl Strayed zum Beispiel: Kaum hatte sie sich mit ihrer Vergangenheit arrangiert - mit Scheidung, Krebstod der Mutter -, war der Trail für sie überflüssig, und sie ging zurück ins normale Leben. Das sind diejenigen mit der höchsten Abbruchquote. Dann gibt es jene, die zu etwas hingehen, sich dieses Leben bewusst ausgesucht haben - dazu zähle ich mich. Mir hat der Job ja Spaß gemacht, aber es musste noch etwas anderes geben im Leben. Diese Leute sind die Süchtigen."

Auch einige Rezensenten vergleichen "Laufen. Essen. Schlafen." mit "Into the Wild" von Cheryl Strayed. Ist es nicht in Ordnung, zu wandern, weil man seine Seele reinigen will?

Ich habe im Buch leider keine Antwort darauf gefunden, warum Thürmer läuft. Von der Liebe zur Natur merkt man nur wenig. Auch die Gemeinschaft klingt nur selten an, ehrgeizig wirkt das Buch nicht...?

Vielleicht fielen einige Gedanken den Kürzungen zum Opfer, denn der Blog ist umfangreicher. Vielleicht wollten die Macher das Material "natürlich", ohne künstliche Dramatisierung, Bearbeitung, veröffentlichen. Vielleicht bin ich nicht der richtige Leser dafür.

Außerdem fehlten mir Fakten. Anfangs erklärt die Autorin, was Bärenkanister sind und Bounce-Boxen. Aber nicht ausführlich genug. Für mich als Leser, der weder in den USA war noch eine Wanderung bewältigt hat, die länger als einen Tag dauerte, war das ein anderes Leben und ich hätte gern mehr Infos gehabt.

Fazit


Das Cover gefällt mir sehr gut, der Rest des Buches leider nicht. Es war mir oft zu trocken, nicht empatisch genug und nicht genug erklärt. Mir fehlte der Halt in Figuren und der Genuss der Natur. Ich werde einiges aus dem Buch mitnehmen, aber es war nicht so toll, wie ich erwartet habe.


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