Montag, 27. Februar 2017

"In 50 Tagen zur Ms Grey" von Cassandra Day

Hallo!

Obwohl ich ein großer Befürworter von Shades of Grey bin, interessierte mich, wie andere Autoren das Buch parodieren. Fände ich das Buch trotzdem lustig?


 

Allgemeines


Das Buch erschien im Selbstverlag und hat ca. 220 Seiten. Man kann es in allen gängigen Online-Shops erwerben und zahlt für die Papierveresion 10 EUR, für das E-Book 3 EUR.

Inhalt


Große Liebe ist gleich Mann mal, Klammer auf, Reichtum plus Kindheitstrauma plus Hang zum Sadismus plus Vorliebe für unschuldige, jungfräuliche Mädchen, Klammer zu - so steht es geschrieben und auch Tanja, die weder das eine noch alles andere besitzt, glaubt daran. Auch wenn sie die Anforderungen auf örtliche Firmenbosse heruntersetzt, will es nicht klappen. Stattdessen verliebt sich Computer-Hilfskraft Christoph in sie und schlägt vor, eine Homepage zur Partnerfindung aufzubauen. Ein Wettrennen der Katastrophen beginnt und als Leser fragt man sich bis zum Schluss, wie all das gut ausgehen kann.

Charaktere


Tanja ist 29, arbeitet in einer Boutique als Verkäuferin und hat eine Vorliebe für schnelle Autos. Sie wirkt etwas überheblich, ein bisschen naiv, aber offen. Sie ist sich über ihre Gefühle gut im Klaren und hat soviel Mut, dass sie sich sogar mit SM beschäftigt. Tanja ist als Gegenstück zu Anastasia Stele angelegt und funktionert gut. Ich mag es, dass die Figur eine Parodie ist, aber nicht übertrieben wirkt. Ich konnte sie als "Mensch" wahrnehmen und sie war mir sogar ein bisschen sympatisch.

Christoph ist auffallend verständnisvoll und kein "klassischer Nerd". Obwohl mir nur selten einleuchtete, warum er sich in Tanja verliebt, fand ich ihn bescheiden, nicht überdreht.

Themen


Technik: Als ich das Buch las, fühlte ich mich 15 Jahre zurückversetzt. Als Internet-Cafés im Trend waren, Internetseiten bunt und blinkend waren und Computer riesige Plastikkästen. Tanja hat keine Ahnung vom Computern und es war amüsant, wie sie das lernt. Und welche Kollateralschäden das hat.

SM: Ich hatte nicht darum gerechnet, dass SM tatsächlich im Buch vorkommt. Und dass ich etwas mitnehmen kann. Das Thema wurde witzig behandelt, hat aber einen wahren Kern.

[Spoiler]

Tanja trifft auf einer Schwingerparty (?) einen Mann, der "normal" attraktiv aussieht, aber in seiner SM-Rolle ein unterwürfiger Hund ist, der sich gern beschimpfen lässt. Ich fand das (ähnlich wie Tanja) sehr irritierend. Aber es zeigt, was passieren kann und es kontrastiert die SM-Klischees toll!

[/Spoiler]

 Liebe: Manchmal sollte man nicht suchen, sondern einfach warten. Und seine Ansprüche niedriger ansetzen. Oder genauer hinsehen. Das Thema wird klischeehaft, aber sehr liebevoll und am Ende sogar überaschend behandelt.

Schreibstil


"In 50 Tagen zur Ms Grey"  behandelt Klischees in Erotik-Romanen mit Humor, macht sie aber nicht lächerlich. Durch die Ich-Perspektive Tanjas und ihre naive Art wirkt der Text sehr witzig.

Leider geht das Buch dadurch etwas unter - es enthält nur wenige Pointen, die mir im Gedächtnis geblieben sind, es fehlt die Sättigung.

Dennoch: Ein sehr gekonnter Stil, der kaum Stolpersteine enthält und sehr leicht zu lesen ist!

Fazit


Das Buch ist besser, als der Titel vermuten lässt. Es ist eine Parodie, die wenig Klamauk, aber einige Nostalgie enthält. Die Handlung kommt gut voran und ist stimmig komponiert. Leider fehlt es an Prägnanz.

Definitiv empfehlenswert für Shades-Of-Grey-Grummler und Leute, die sich an den Modem-Einwahlton erinnern können :-)

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