Samstag, 11. März 2017

"Viva la Poesia" von Wenzel

Hallo!

Manchmal wird man auf Konzerte geschleppt, auf die man nicht möchte. Und sich dabei ertappt, wie man schon beim zweiten Lied leidenschaftlich mitgroovt. Das Ergebnis dieses musikalischen Ausflugs lest ihr hier.



Allgemeines


"Viva la Poesia" wurde 2014 bei "matrosenblau Berlin" veröffentlicht und enthält 11 Songs, die ingesamt 45 min laufen.

Die Stücke entstanden bei der Arbeit auf Kuba. 

Wer ist Wenzel?


Hans-Eckart Wenzel wurde 1955 geboren und hat in Berlin Kulturwissenschaften und Ästhetik studiert. Er hat seit 1976 zahlreiche Bühneprogramme, Alben und Bücher mit lustig-nachdenklichen Texten geschaffen und hat 2017 sein 40. (!) Album veröffentlicht.

Eine ausführliche Biografie gibt es auf Wikipedia, mehr Infos zu Werken und Terminen auf der Künstlerseite und auf Facebook.

Der Inhalt im Groben


Entsprechend des Themas klingen die Lieder sehr "südlich", es wird oft mit Trompeten und Percussion gearbeitet, die E-Gitarre bringt Pop-Einflüsse hinein. Ich höre das sehr gern und hatte viel Spaß.

Der Tonfall der Lieder ist oft klagend-melancholisch, sehnend, verträumt. Nur manche Songs wirken positiv. Sie erinnerten mich an eine laue Sommernacht, in der man Straßenrand sitzt und denkt und einem kleine Erkenntnisse zugeflogen kommen.

Thematisch geht es um Impressionen in Havanna, Frauen, aber auch um die Gesellschaft. Es gefällt mir gut, dass die Lieder nicht zu stark zur Veränderung aufrufen, sondern reflektieren. Wenzel arbeitet mit vielen Bildern und seine Lieder haben Rahmen - Dinge, die am Anfang erklärt werden, werden am Ende wieder aufgegriffen. Dadurch sind sie in sich geschlossen. Das fand ich gut!

Positiv aufgefallen ist mir auch, dass Text und Musik gut zusammenpassen. Bei manchen Künstlern wirken die Lieder, als seien sie Gedichte, die man in eine Melodie gepresst hat. Das ist hier nicht so.

 

Meine Lieblingsslieder


Halte dich fern: Ein Lied, das in Haufenreinem negative Dinge in unserer Gesellschaft aufzählt und durch die Übertreibung aufruft, sich davon nicht beeindrucken zulassen. Denn: Jedes Meer hat einen Strand :-) Der Song ist durch das Akkordeon-Thema sehr einprägsam und traurig und es gefällt mir, weil es kräftig ist.

Immer fehlt was: Ein tolles E-Gitarren-Thema und eine Trompete machen diesen Song besonders. Er berichtet davon, dass etwas fehlt - oder man es so empfindet. Aber diese fehlende Prise kann Hoffnung auf Positives bedeuten.

Ich hab mein Vaterland so gern: Dieses Lied wirkte am Anfang sehr ironisch, wird aber ruhiger. Der lustige Unterton bleibt. Es geht um Fernweh und um die Vorstellung, dass es woanders schöner ist als in Deutschland. Diesen komischen Zwiespalt untermalen Perkussion und Trompeten sehr gut. Ein kleines Highlight ist der Chor (?) am Ende des Chorous. Und es wird gerappt :-)

Viva la poesia:  Kurz vor dem Schluss schlägt das Lied versöhnlich-positive Töne an, die durch die Tompeten feierlich wirken. Ich glaube, mit einem solchen Song kann man das Publikum gut zum Mitsingen animieren :-)

Fazit


"Viva la poesia" ist ein Album, das trotz Melancholie gute Laune macht und zum Tanzen animiert. Ich kann mir viele Lieder gut als Soundtracks in einem Film vorstellen. Die Texte sind nicht so schwermütig und... es macht Spaß.

Übriges

Deutschlandradio Kultur hat Wenzel zum Album interviewt. Der Text hat trotz seiner kürze viele Sätze, denen ich zustimmen konnte.

Ein Achtel Lorbeerblatt hat das Album kritisch hinterfragt. Der Anmerkung, dass man sich im gleichen Grundbeat der Lieder verlieren kann, kann ich zustimmen. Aber für mich war das nicht so relevant, weil ich das Gesamte sehr harmonisch fand.

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