Dienstag, 4. April 2017

"Chasing Home" von Abbi W. Reed (Leserunde)

Hallo!

Ich hatte auf einigen Blogs schon vom Lesejury-Portal gelesen und wollte es ausprobieren. Zufällig stand dort "Chasing Home" zur Auswahl - eine Gay Romance. Die Gelegenheit war gut, die Lust war da, daher: Hinein ins Getümmel!




 

 

Allgemeines


"Chasing Home" erscheint bei Lyx / Bastei Lübbe und hat ca. 225 Seiten. Das E-Book kostet 5 EUR.

Abbi W. Reed ist das Pseudonym einer österreichischen Autorin. Sie hat bereits mehrere Gay-Romance-Bücher veröffentlicht. Weitere Infos findet ihr auf der Autorenseite.

Ein etwas anderes Interview der Autorin gibt es beim Schreibwahnsinn.

 

Das Cover


Das Titelbild zeigt zwei küssende Männer, verziert mit einem blauen Dreieck, auf dem die Überschrift in Gold platziert ist. Abgesehen vom Untertitel ein sehr harmonisches Cover, das gut komponiert ist! Sehr professionell! Das ist Cover ist einer der Hauptgründe, wegen denen ich das Buch gut finde.

 

 Worum geht es?


Lincoln ist Autor, lebt in New York und schläft mit vielen Männern. Eines Tages erhält er einen Anruf von einem Anwalt, der ihm von Tod seines Vaters erzählt. Lincs Vater hatte die Familie verlassen, als Linc ein kleiner Junge war und heiratete danach erneut. Außerdem übewand er seine Alkoholsucht. Linc entscheidet sich schließlich, nach Iowa zu fahren. Während er von seiner Stiefmutter Meg freundlich empfangen wird, ist deren Sohn Chase entzürnt. Er sieht Lincoln als Konkurrent und macht sich über ihn lustig. Doch irgendwann kommt die Liebe...

Charaktere


Lincoln ist Anfang 20 und ein erfolgreicher Autor. Er wirkt anfangs als der dominante Teil, weil er keine Nähe zulässt, wird aber schnell "weich". Dass Chase ihm Widerstand leistet, bringt ihn aus dem Takt. Hinzu kommt, dass Linc die "Gefahren" des Landlebens nicht bewusst sind. Linc lernt im Laufe der Geschichte, Macht abzugeben und loszulassen. Schwierig war, dass man nur am Anfang und am Ende etwas über sein Schriftsteller-Sein erfährt.

Chase ist etwas jünger als Linc und ein guter Gegenpol. Er wirkt oft trotzig, weiß aber mit Lincs Zuneigung zu spielen. Chase lebt offen schwul und kennt sich im Club der Kleinstadt gut aus.

Meg ist Chase Mutter und der Ruhepol der Geschichte. Meg lockerte das Geschehen auf, indem sie die Streitereien unterbricht und Ordnung in die Gefühle der beiden Männer bringt. "Meg" ist eine typische Nebenfigur solcher Geschichten, aber sie macht ihren Job gut.

Der Text lebt von den Streiterein Lincs und Chases und beschreibt das Seme-Uke-Schema in Perfektion. Der Leser hat damit etwas Vertrautes, der Text wird "massenkompatibel" und gut für Anfänger. Leser, denen die Konstellation öfters begegnet ist, könnten das langweilig finden.

Themen


Tod:  

Wie sehe ich meinen Vater? Kann ich ihm verzeihen, Verständnis entwickeln, weil er uns verlassen hat? Was möchte ich mit seiner neuen Familie zu tun haben?  

Wird mir der "wiedergekehrte" Sohn die Erinnerungen an meinen Vater nehmen? Welche Gemeinsamkeiten haben wir? Warum kann er nicht verschwinden, wenn er die ganze Zeit da war, obwohl er körperlich nie anwesend war?  

Diese Fragen stellen sich Chase und Linc. Die Autorin gestaltet das wirklich gut: Sie gleitet von einem ins andere Thema und flechtet all die Gedanken ein, die auch mir gekommen wären. Außerdem wirkten die Gespräche nie gekünstelt.

Landleben: Der Kontrast aus Stadt und Land wird nicht so stark beleuchtet, aber die Autorin zeigt, dass man auf dem Land manche Dinge anders macht. Chase bewegt sich selbstsicher auf Dächern, kann Kühe einfangen und hat kein Problem mit Regen. Linc fällt was vom Dach, läuft in Kuhdreck und mag Regen weniger. Ein bisschen mehr wäre gut gewesen, aber vielleicht wäre das zu klamaukig geworden...

Liebe: Das zentrale Thema sind die ständigen Neckereien und Abstoßungs-Reaktionen zwischen Chase und Linc. Dabei erobern und verspielen die Figuren die Sympathien des Lesers stetig. Linc ging mit mir seiner Verliebtheit auf den Keks, bei Chase konnte ich die Spielchen irgendwann nichtmehr nachvollziehen. Vor allem, weil die Autorin aus der Ich-Perspektive Lincs schreibt. Es bleibt manches im Dunkeln. Schön fand ich aber, dass Chase Nähe sucht, ohne verkehren zu müssen.

Übrigens: Da Chase "nur" der Adoptivsohn von Lincs Vater ist, könnten die beiden tatsächlich eine Beziehung führen, ohne gegen ein Gesetz zu verstoßen.

Erotik: Es knistert. Es gibt vielfältige erotische Szenen und die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und geschickt abflauen zu lassen. Ich fand die Szenen kreativ und habe mitge... fiebert. Allerdings war es manchmal zuviel des Guten. Zuviele rosa Wölkchen.

Der Schreibstil


Mit dem Stil hatte ich anfangs Probleme, weil er ein bisschen verschnökelt ist. Die Rhythmik war nicht so harmonisch und ich glaube, es waren kleine Tippfehler enthalten. Insgesamt war der Text aber sehr flüssig.

Fazit

 "Chasing Home" ist ein gutes Buch mit einer Standard-Dramaturgie und einer bekannten Figurenkonstellation. Es ist ein harmonisches Werk, das mich unterhalten konnte und schöne Erotik-Szenen enthält. Da ich schon einige Shonen-Ai-Mangas gelesen habe, war mir der Text nicht einzigartig genug. Für Neulinge empfehlenswert.

Ich denke, die Autorin kann gut über Gefühle schreiben und bin gespannt, was noch kommt!

Weiteres

Eine kurze, analytische Rezension hat Weinlachgummis geschrieben.

Wie sich der Text im Vergleich zu anderen Genres schlägt, berichtet Lavendel knows best.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)