Sonntag, 9. April 2017

"City of Ember" von Jeanne DuPrau + Film-Vergleich

Hallo!

Als ich vor einigen Jahren "City of Ember" sah, war ich begeistert von der mysteriösen Handlung und wollte die Bücher lesen. Leider gibt es sie nur auf Englisch, sodass es einige Zeit dauerte, bis ich mich überwunden hatte. Als ich danach den Film erneut sah, fragte ich mich, wie man soweit von der Vorlage abweichen konnte. Der Reihe nach:


Allgemeines


"City of Ember" wurde 2003 bei Randomhouse veröffentlicht und hat ca. 270 Seiten. Das Buch kostet auf der Verlagsseite 8 $, auf Amazon gibt es verschiedene Versionen, meist gebrauchte Bücher.

Bei dtv junior erschien der erste Band als "Flucht aus der Dunkelheit", ist derzeit aber nur als gebrauchtes Exemplar erhältlich.

Neben dem Film gibt es eine Graphik Novel in Zusammenarbeit mit Niklas Asker.

In den folgenden Jahren erschienen "People of Sparks", "The Prophet of Yonwood" (eine Vorgeschichte) und "The Diamond of Darkhold".

Infos zur Autorin gibt es auf der Autorenseite.

Das Cover und die Aufmachung


Meine Ausgabe wurde von Chris Riely gestaltet und hat einen braun-orangen Hintergrund, auf dem eine Glühbirne leuchtet. Jahre später habe ich entdeckt, dass das Cover orange schimmert - sehr schön :-) Der Buchtitel ist geprägt und... es ist sehr, sehr hübsch!

Im Inneren findet man eine Karte von Ember, die gut lesbar ist. Ich nutzte sie kaum, konnte mir aber gut die Größe Embers vorstellen. Im Gegensatz zum Film ist die Stadt auf der Karte nicht kreisförmig, sondern oval. Und sie ist nicht so weitläufig.

Das Papier hat einen grau-gelblichen Unterton und wirkt nicht so glatt wie in Büchern, die ich kenne. Und es ist etwas dünner.

 

Worum geht es?


Um Zerfall. Lina und Doon sind zwei Zwölfjährige, die in der unterirdischen Stadt Ember leben. Diese funktioniert nur mit Elektrizität. Aber sie hat ihre Lebenszeit überschritten und zerfällt. Während sich Lina um ihre Großmutter und ihre Schwester sorgt, erkennt Doon die Gefahr und sucht einen Ausweg. Doch 200 Jahre haben scheinbar alle Spuren der "Erbauer" ausgelöscht...

Charaktere


Lina ist ein aufgewecktes, neugieriges Mädchen. Sie verkörpert den "sozialen" Teil des Buches. Lina hat ihren Vater durch eine Krankheit verloren, die Mutter starb bei der Geburt ihrer Schwester (Poppy) zwei Jahre vor der Handlung. Zu Beginn kümmert sich Linas Großmutter um die beiden, doch durch ihre Demenz (?) fällt es ihr schwer, auf Poppy aufzupassen. Am Ende muss sich Lina zwischen ihrer Familie und dem Ausweg entscheiden. Lina ist beliebt und manchmal etwas naiv. Lina arbeitet als Botin in Ember.

Doon ist ein Entdecker. Er hat ein gutes Verständnis für Geräte, kann ihre Funktionsweise entschlüsseln, wenn er sie nur ansieht und er mag Käfer. Nur, wie Strom entsteht, weiß er nicht. Das Verhältnis zu seinem Vater ist gut, denn auch sein Vater ist Erfinder. Er ermutigt ihn, wachsam zu sein und ihm ist bewusst, dass Ember zerfällt. Aber er erklärt ihm auch, dass er Ruhe bewahren und keine vorschnellen Entscheidungen treffen sollte. Doon hat als Arbeiter in den Rohrleitungen Zugang zum Generator, der Strom erzeugt.

Der Bürgermeister wirkt ein bisschen hinterlistig und vor allem egoistisch. Er isst gern, worauf das Buch gern verweist. Er ist für mich kein großer Antagonist, aber eine Figur, die ihr Amt missbraucht.

Die Stadt


Ember liegt in einem unterirdischen Hohlraum und wird von einem Fluss tangiert. Mit dessen Hilfe erzeugt der Generator Strom. Hunderte Glühbirnen hängen in Ember und versorgen die Stadt mit Licht. Nachts wird der Strom abgestellt. Die Erbauer haben alle notwendigen Güter in Lagerräumen verstaut, sodass die Bewohner lange Zeit in Wohlstand leben konnte. Doch die Lagerhäuse leeren sich, es gibt kaum Stifte, Kleidung muss geflickt werden und es gibt oft Stromausfälle.

Das Problem: Ember sollte 200, höchstens 220 Jahre existieren, weil die Erbauer hofften, dass die oberirdische Welt dann wieder bewohnbar ist. Für diesen Fall hinterlegten sie einen Plan in einem Kästchen, das von Bürgermeister zur Bürgermeister weitergegeben werden sollte, sich aber erst nach 200 Jahren öffnet. Durch widrige Umstände gelangte das Kästchen in einen Schrank und nach ca. 240 Jahren weiß kein Bewohner mehr, dass es einen Ausweg gibt.

Gut gefallen hat mir die Detail-Treue - im Laufe der 200 Jahre sind einige Worte verloren gegangen, weil die Gegenstände nichtmehr existieren z.B. "Baumkronen" Das führt im letzten Drittel zu vielen lustigen Momenten.

Die Leute in Ember wirkten auf mich zufrieden. Sie spüren die Nahrungsmittelknappheit und sie haben Angst. Aber die Gefahr wirkt weit weg, es wird nicht darüber geredet, was passiert, wenn die Lampen tatsächlich erlischen. Nur wenige Menschen vermuten, dass es außerhalb Embers Leben gibt. Außerdem fragte ich mich, warum die Menschen auf der Oberfläche die Stadt nicht entdeckt haben.

Beklemmend fand ich das Ende: [Spoiler]

Man hat alte Menschen und (fremde) Babys in die Stadt geschickt und alle Spuren an die Welt an der Oberfläche ausgelöscht, damit die nächste Generation nicht um das Verlorene trauert. Menschen ohne Wurzeln. Die Katastrophe wird nicht näher beschrieben, sodass es mir wie ein Experiment vorkam. Wahrscheinlich ist diese Stimmung beabsichtigt, damit man den zweiten Teil liest. Aber ich fand das gruslig. [/Spoiler]

Themen


Familie: Lina und Doon haben, obwohl ihre Familien unterschiedich gestaltet sind, eine starke Bindung zu ihr. Lina trägt Verantwortung für Poppy, bedauert das aber nie. Auch das Verhältnis zwischen Doon und seinem Vater ist entspannt. Die Frage, ob die beiden ihre Familien in Ember zurück lassen, trägt das Buch.

Gerechtigkeit: Lina und Doon decken ein Verbrechen auf, aber man glaubt ihnen nicht. Wenn die Welt ohnehin untergeht, wessen Interessen wiegen mehr - die der Gesellschaft oder die des Einzelnen? Es war krass, dass Lina und Doon sehr lange an das System glauben, obwohl für mich als Leser klar war, dass das nicht gut ausgeht.

Spannung


Nachdem ich den Film gesehen hatte, dachte ich, dass auch das Buch abenteuerlich ist und einige Rätsel enthält. Dem ist nicht so: Nach einem kleinen Ablenkungsmanöver ist das Rätsel der Anleitung schnell gelöst - nach ca. 2/3. Danach gibt es eine kleine Verfolgungsjagd und die Fragen nach dem richtigen Zeitpunkt und wen die beiden mitnehmen wollen. Auf den letzten Seiten wird sehr ausführlich geschildert, was nach dem Fluchtversuch passiert.

Das Buch ist nicht so spannend wie der Film, aber trotzdem nicht langatmig. Man kann gut mit den Figuren mitfühlen, ihre Konflikte nachvollziehen. Durch die ruhige Konstruktion kann man es gemütlich vor dem Ofen lesen.

Wie gut kam ich mit dem Englisch klar?


Besser als erwartet. Ich hatte schnell ein Gefühl dafür entwickelt, was die Adjektive beschreiben z.B. wie jemand läuft. Aus dem Zusammenhang wurde deutlich, was gemeint ist. Ich habe keine Vokabel nachgeschlagen, konnte aber alles verstehen.

Ich denke, das liegt auch am Schreibstil: Die Sätze sind relativ kurz und durch die vielen Gedanken der personalen Perspektive fühlt man sich näher an den Figuren. Ich denke, das trug indirekt zum Verständnis bei.

Manche Vokabeln wurden gefestigt, neue gelernt habe ich wenige. Aber ich habe mich an die Rhythmik der Sprache gewöhnt und verstehe gesprochene Texte besser, weil ich weiß, wo Pausen zwischen den Wörter sein könnten. Als ich vor einigen Jahren Edgar Allen Poe und "The Great Gatsby" auf Englisch las, konnte ich diesen Effekt nicht beobachten. Wahrscheinlich lag das Niveau des Textes über meinem Sprachniveau und ich kam nie in einen Lesefluss.

Habe ich ein Kinderbuch gelesen? Ich weiß es nicht. Die Sprache ähnelte einem Jugendbuch, aber der Schwerpunkt liegt auf den sozialen Schwierigkeiten, weniger auf dem Abenteuer. Daher ist das Buch auch für ältere Leser geeignet - und sehr unterhaltsam!

Der Film und seine Unterschiede


Die deutlichsten Unterschiede zwischen Buch und Film sind die Rätsel und der Vater. Das Buch beschäftigt sich sehr lange mit der Entschlüsselung des Textes, im Film gibt es ein zusätzliches Element. Dabei wird oft auf Technik verwiesen. Das ist im Film schön anzusehen und passt  zu seiner Stadt, die mit Strom funktioniert. Es ist durchdacht und schön geschildert. Aber im Buch wirkt es realer, weil sich die Kinder den Fluchtweg selbst erarbeiten.

Im Buch starb Linas Vater durch eine Krankheit, im Film spielt er am Ende eine große Rolle. Es ist ein weiteres Rätsel, das aufgedeckt wird und den Film noch spannender macht. Vielleicht war das notwendig, damit der Film genügend Würze hat. Aber ich fand's im Buch berührender.

Übrigens hatte Linas Familie im Film einen Anrufbeantworter - was Boten überflüssig machen würde. Es zeigt, was mit Strom möglich ist, aber ich fand es nicht logisch. Genauso wie der Roboter von Doons Vater, an dem ich kein Stromkabel erkennen konnte.

Gut gefallen hat mir am Film der Schwerpunkt auf der Technik. Ember wirkt bernsternfarben und metallisch, etwas beengt und lebhaft. Durch die Straßen führt eine Schiene. Man merkt, dass es viel Spaß gemacht hat, die Welt zu erschaffen. Die verfallene Schule usw. waren hübsch.

Fazit


"City of Ember" ist ein toller Abenteuerfilm mit schöner Optik. Das Buch ist ruhiger und für gemütliche Abendstunden in der Sonne geeignet, aber nicht langweilig. Vom Sprachniveau her würde ich es in der 9./10. Klasse lesen, weil die Grammatik realtiv einfach ist, aber die Vokabeln nicht immer vermittelt werden.

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