Montag, 3. Juli 2017

"Closer - Mason und Jackson" von Ina Taus

Hallo!

Es gibt Geschichten, die zu nett sind. Sie sind freundlich, harmonisch - aber man kann sich nicht aneinander reiben, sich nicht streiten. "Closer" gehört dazu. Das Buch ist handwerklich sehr gut und liest sich nicht wie das Werk eines Anfängers - es ist stilistisch nicht verkrampft, die Dramaturgie ist stimmig, die Dialoge stellenweise witzig. Aber der Text ist inhaltlich langweilig, vorhersehrbar und ... harmonisch. Probleme? Nein. Die Details:


Allgemeines


"Closer" hat ca. 300 Seiten und erscheint bei Forever (gehört zu Ullstein). Das Buch ist nur als E-Book erhältlich und kostet 4 EUR.

Ich habe den Text als Rezensions-Exemplar über Netgalley erhalten.

Die Autorin


Ina Taus wurde 1986 geboren und arbeitet im Finanzwesen. Sie lebt in Österreich.

Neben "Closer" hat sie drei Bände der "Bandstorys" bei Impress veröffentlicht.

Weitere Infos gibt es auf der Autoren-Seite.

Das Cover


Das Titelbild wurde von Zero Media gestaltet und zeigt zwei Männer mit Bartstoppeln vor einem Kuss. Darunter liest man den Titel. Das Cover ist in Pastelltönen gehalten und wirkt luftig und fröhlich. Ich finde es einprägsam und auch im Schwarz-Weiß meines E-Book-Readers ist alles gut zu erkennen.

Worum geht es?


Mason ist 18 Jahre alt und hat eine Freundin. Als ein neuer Junge in die Stadt kommt, verliebt er sich. Aber: Wie geht man damit um? Soll er die Freundin verlassen oder ist alles nicht so "schlimm"? Und was sagen seine Freunde und Eltern dazu?

 Die Figuren


Mason ist ein verantwortungsbewusster Junge, der gern zeichnet. Er nimmt viel wahr und denkt STÄNDIG darüber nach, wie er etwas sagt. Es gibt keine Empfindung, die er nicht kommentiert. Er wirkte auf mich sehr selbstkritisch. Amüsant fand ich, dass er die Gefühle anderer manchmal übersieht und gern Playstation spielt. Seine Eltern handeln mit Alkohol und sind sehr beschäftigt, das Verhältnis zu ihnen ist gut. Besonders seine Mutter behütet ihn. Auch mit seiner jüngeren Schwester versteht er sich gut.

Jackson kommt aus Massachusetts nach Naples und wirkt auf mich ähnlich wie Mason. Er ist offener, weil er seine sexuelle Neigung akzeptiert hat, macht sie aber nicht öffentlich. Er mag Heavy Metal. Er ist etwas lebhaft und stellenweise impulsiv, aber ich kann ihm keine anderen prägnanten Charakterzüge zuordnen.

Das Kollektiv beschränkt sich auf wenige Verwandte und Freunde: Masons Schwester Harper, seine Freundin Emily (die die beste Freundin von Harper ist), Masons bester Freund Ethan (mit dem er selten über Gefühle redet), Dan (Emilys Bruder), Mia (Freundin von Dan und Cousine von Jackson) und Miles (Bruder von Mia). Das Buch wird dadurch sehr übersichtlich, aber stellenweise verwirrend und langweilig. Masons Eltern lockern das Geschehen auf, weil sein Coming-Out Konflikte aufwirft und die Beziehung vertieft.

Leider fehlte mir bei den Figuren die Tiefe, obwohl sie Potential haben. 

Themen


Essstörung: Eine der Figuren isst weniger und das Thema spielt in einigen Szenen eine Rolle, ausgeführt wird es aber nicht. Ich weiß nicht, wie ich das finde. Ich denke, dieses (oder etwas anderes) wäre ein toller Gegenpol zur Liebesgeschichte gewesen, aber es kann ablenken.

Homosexualität: Mason verliebt sich in einen Jungen und spürt, dass die Bindung zu Jackson stärker ist als die zu Emily. Er bemerkt auch, dass er gern mit ihr geschlafen hat und dass er Frauen attraktiv findet. Dieser Punkt verliert sich später, da er sich vor Freunden und Familie als "schwul" outet. Ich finde den Gedanken gut, dass er sich (anfangs) nicht festlegt. Ich denke, man verliebt sich in Menschen und finde Schubladen nicht immer notwendig. Verständlich fand ich, dass seine Freunde weniger Probleme mit seiner Homosexualität haben als mit der Tatsache, dass er sie anfangs verheimlicht hat. Das fand ich realistisch.

Sein Outing wird überwiegend positiv aufgenommen, es gibt nur wenige Personen, die Probleme haben. Das hat mich sehr gestört. Ich habe während der Kuntergrau-Rezension gelernt, dass ein Coming-out ein Happy End haben kann, auch wenn es erstmal zu ernsthaften Konflikten führt. Der Verlag kennezeichnet das Buch als "Frauenunterhaltung" und bei einer Coming-out-Szene kann man sich in Klischees verheddern. Aber warum musste alles so "seicht" sein?!

Übrigens: Da es sich um "Young Adult" handelt, gibt es im Buch keine erotischen Szenen. Bis zum Hosenbund - nicht weiter :-) Leider fehlte mir in den Liebesszenen die Leidenschaft und die Vielfalt. Ich habe keine Funken gesehen.

Spannung und Schreibstil


Die Spannung im Buch ergab sich dadurch, dass ich hoffte, etwas Spannendes würde passieren... Das Buch hat einen Handlungsstrang, der von Mason als Ich-Erzähler erzählt wird. Die Einleitung ist sehr lang: Erst nach 1/5 gesteht sich Mason seine Gefühle ein. Er verliebt sich nicht sofort in Jackson, sieht Sterne und verlässt seine Freundin. Die Autorin gibt der Beziehung zu Emily Zeit zu scheitern. Das fand ich sehr gut!

Auch die Dramaturgie war gut: Masons Freunde werden eingeführt, später die Beziehung zu Jackson aufgebaut, ein Ex-Freund und Zukunftspläne als Steine im Weg, später die Trennung von Emily und das Coming-out, zum Schluss der Konflikt mit den Eltern. Die Autorin hat es geschafft, Akzente zu setzen, die mich durch das Buch geleitet haben. Aber die Höhepunkt sind wenig hoch.

Ich habe das Buch sehr schnell gelesen, weil das Buch nur wenige Stolpersteine enthielt. Masons Gedanken haben mich genervt. Vielleicht gehört das zur Figur, aber ich finde es ein bisschen unrealistisch, dass eine Figur alles durchdenkt. Die Dialoge fand ich lebensnah, aber sie könnten witziger sein. Dennoch: Ein großes Lob für einen Stil, der nie gekünstelt wirkt!

Fazit


Was bleibt von "Closer"? Ein positives Gefühl. Die Gewissheit, dass manchmal alles geradlinig verläuft und ein Happy End hat. Dass Menschen nett sind :-) Aber auch Enttäuschung. Weil der Text, neben der Homosexualität, keine anderen Schwerpunkte hat und weil er das Thema klischeehaft beleuchtet. Weil es nichts gibt, was ich aus dem Buch mitnehme.

Wenn ich regelmäßig zwei Stunden pendeln würde, würde ich es lesen. Es ist keine schlechte Lektüre. Aber kein Buch, dass man lesen MUSS.

Ich denke, ich werde die "Bandstorys" lesen und bin gespannt, wie mir die Konflikte gefallen!

Übriges

Auf LovelyBooks läuft eine Leserunde zum Buch.

Auf Lizas Bücherwelt gibt es ein interessantes Interview mit der Autorin. Darin werden vor allem die Hintergründe zum Buch beleuchtet!

Mein Lieblings-Blog für Gay-Romance-Rezensionen ist The World of Big Eyes.

Auch wenn Gay Romance als Genre Unterschiede zur Homosexualität in der Realität hat, hat mich der Vortrag auf der TinCon begeistert, weil er das Thema Coming Out (und queere Youtuber) gut beleuchtet.




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