Samstag, 15. Juli 2017

"Herzen hopsen nicht" von Marcus Wächtler

Hallo!

"Welches Cover würdet ihr für mein nächstes Buch wählen?", fragte Marcus Wächtler seine Follower und ich war verwirrt: Der Mann, der in "Grüner Dresdner" eine Frau durch die Stadt rennen ließ, wollte nun einen Liebesroman schreiben? Würde das funktionieren? Ich hatte schon schlechte Liebesromane von Männern und Frauen gelesen... Ein paar Kommentare später war eine geniale Idee für das Cover gefunden und ich war neugierig genug, um um ein Rezi-Exemplar zu bitten.

Allgemeines


"Herzen hopsen nicht" erscheint bei "Edition Elbflorenz", dem Verlag Wächtlers, und hat in der Printversion 376 Seiten. Die Papierversion kostet 10 EUR, das E-Book 3,50 EUR.

Marcus Wächtler ist ein Dresdner DJ, der seit 15 Jahren in der Stadt lebt. Er hat Politikwissenschaften studiert. Weitere Infos zur Person und zu seinen Büchern findet ihr auf seinem Blog.

Das Cover


Das Motiv ist toll - durch das Rosa sticht das Buch ins Auge und ist unter vielen Büchern gut erkennbar. Ich mag die Wasserfarben-Optik sehr! Die selbstironischen Bemerkungen machen das Cover etwas füllig, aber die Idee ist toll!

Einziges Problem: In meiner E-Book-Version sah das Cover komisch aus, weil der Hintergrund fast weiß ist. Ich wusste nicht, ob es sich um das Titelbild oder eine Zwischenseite mit einer Grafik handelt. 

Worum geht es?


Um einen DJ, eine Nacht, viele Songs, einige alkoholische Getränke und vor allem: viele Frauen aus seiner Vergangenheit.

Finn ist seit 17 Jahren DJ und steht in der (real existierenden) Diskothek "Downtown" hinter den Plattentellern. Im Laufe der Nacht begegnen ihm Frauen, die er attraktiv findet, Frauen, mit denen er geschlafen hat, ein Junggesellinnen-Abschied und mehrere Ex-Freundinnen. Parallel dazu blendet das Buch zurück zu den wichtigen Frauen in Finns Leben. Und über allem hängt die Frage "Wann fängt Finns Herz wieder an zu hopsen?"

Die Charaktere


Finn ist 35 (?) und sehr erfahren. Er war mir als Figur nur mäßig sympatisch. Ich finde ihn als DJ sehr unfreundlich und ziemlich genervt. Vielleicht muss man als DJ so sein, um sich vor Diskusionen zu schützen und die Ereignisse der Nacht liefern viele Gründe, um schlecht gelaunt zu sein. Trotzdem ist Finn ein DJ, dem ich nicht begegnen will. Außerdem fand ich ihn im Buch oft passiv. Er traut sich nicht immer seine Meinung zu sagen und zögert manche Konflikte hinaus. Frauen gegenüber ist Finn ein "guter Kerl" - er versucht, ihnen keine falsche Signale zu senden, er setzt sich für sie ein, er ist ein wirklich netter Kerl.

Für das Buch ist das von Vorteil: Man weiß nicht, ob man Mitleid mit Finn haben soll oder ihm ein "Das war doch offensichtlich!" entgegenwerfen sollte. Er drängt sich, obwohl er die Hauptfigur ist, nicht in den Vordergrund, sondern fügt sich gut in die Handlungen ein. Als Leser kann ich das Geschehen durch seine Augen sehr gut beobachten.

Die Nebenfiguren sind vielfältig: Von Stammgästen, mit denen Finn gern redet, über problematische Frauen und mysteriöse Männer ist vieles dabei. Das hat mir gut gefallen.


Struktur und Spannung


Das Beste am Buch ist der Aufbau. Das Buch wechselt zwischen der Jetzt-Zeit und der Vergangenheit, aber als Leser verliert man nie den Überblick. Dass die 12 Kapitel realtiv lang sind, hat mich nicht gestört. Für mich war das ungewohnt, weil ich mit einer geradlinigen Liebesgeschichte gerechnet habe, aber der "Ersatz" war schön.

Die Spannung war hoch, weil ich stetig wissen wollte, wohin Finns Geschichten führen. Es gab keine Stelle, die ich als langatmig empfand. Allerdings: Wie hoch man die Spannung treiben kann, zeigt Nadja (?) zu Beginn des letzten Drittels. In dieser Geschichte habe ich für ein Happy End gehofft und gelitten, auch wenn sich das Ende bereits am Anfang abzeichnete.

Ein schönes Detail sind die Songs, die Finn erwähnt. Dadurch fühlt man sich der Nacht, die durch Lieder gegliedert ist, näher. Außerdem kannte ich die meisten von ihnen.

Außerdem webt Wächtler in die Rahmenhandlung einen Kriminalfall ein - das ist ein guter Ausgleich zu den Frauen!

Perspektive und Schreibstil


Am meisten Schwierigkeiten hatte ich im Buch mit der Sprache. Der Text ist fehlerfrei, aber es gibt viele Füllwörter und inhaltliche Dopplungen z.B. "'Ist das dein Ernst? Willst du mich heute besoffen machen?', fragte er deswegen den bekannten Stammgast." und "Der Wodka in Verbindung mit den zuvor genossenen Longdrinks sorgte binnen weniger Atemzüge dafür, dass es Finn direkt noch viel wärmer wurde." (ca. 25 %) Ich fühlte mich in den ersten zwei Dritteln, als würde ich durch Sand laufen, weil ich nur schwer vorankam.

Der personale Erzähler wirkt dadurch sehr deutlich und ich fühlte eine Distanz zur Figur. Ich konnte ihn gut beobachten, ich konnte die Handlung gut beobachten, aber es fiel mir schwer, mich in Finn fallen zu lassen.

Der Wortschatz ist angenehm, der Text war nicht besonders schwer geschrieben. In einer Episode aus Finns Jugend haben die Nebenfiguren einen eigenen Stil und wirken locker, an anderen Stellen wirken die Dialoge hölzern.

Als die Spannung im letzten Drittel steigt, wirkte das Buch leichter.

Fazit


"Herzen hopsen nicht" ist toll komponiert und hat eine überzeugende Struktur. Mit der Sprache hatte ich aber Probleme.

Übriges

Einen schönen Artikel zum Buch hat das Neustadtgeflüster veröffentlicht.

Kommentare:

  1. hast du hier heimlich, still und leise deine Rezi hochgeladen ^_°

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  2. Antworten
    1. auf Amazon und Lovelybooks hab ich sie gefunden ... sonst noch nicht

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